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Sägen von Hand – Arbeiten mit dem Fuchsschwanz

Nach dem Artikel über die beiden Fuchsschwanz-Sägen und dem Bau der Sägebank folgen jetzt hier ein paar grundlegende Gedanken und Hinweise zur praktischen Handarbeit.

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Ein paar Worte vorab

Viele Holzwerker berichten mir dass sie es mal mit dem Sägen von Hand versucht haben, aber das Ergebnis nicht befriedigend war. Die möglichen Ursachen dafür sind vielfältig, aber einen Aspekt sollte man bei der Arbeit mit Handwerkszeugen nicht vergessen: Hier ist in ganz erheblichem Maße der Mensch für Qualität der Arbeitsergebnisse verantwortlich.

Für den modernen Menschen, der in seiner Berufswelt vielfach nur noch das Knöpfedrücken gewohnt ist, bedeutet das Sägen von Hand oftmals eine ungewohnte körperliche Arbeit. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen benötigt man zwar taugliches Werkzeug aber vor allem auch Übung!

Deshalb empfehle ich hier jedem interessierten Holzwerker erst einmal ein paar ganz einfache Sägeschnitte zu machen. Zum Bespiel irgend eine altes Kantholz nehmen und dieses in lauter kleine 2cm lange Stücke zu sägen. Dabei kann man versuchen die Schnitte möglichst gerade zu setzen und  alle Stücke möglichst gleich lang zu machen.
Hat man dann die ersten 20-30 Sägeschnitte gemacht wird man merken wie die Ergebnisse immer besser werden. Das ganze dann am folgenden Wochenende nochmal wiederholen, und am darauffolgenden Wochenende wieder. Alle Bekannten die dieser Empfehlung gefolgt sind waren überrascht, wie schnell und einfache das Sägen spätestens am dritten Wochenende gelingt.

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Grundsätzliches

Hier ein paar Tipps für das Arbeiten mit dem Fuchsschwanz.

Je nach Holzart können die Sägekanten ausreisen. Dem kann man begegnen wenn man die Schnittlinie nicht nur mit dem Bleistift anzeichnet sondern auch mit einem Messer anritzt. Damit sind die oberen Holzfasern getrennt und die Ausrisse sind minimiert.

Den Sägeschnitt immer auf der Verschnitt-Seite – der „schlechten“ Seite – platzieren – also neben der Markierung. Wenn man am Anfang noch nicht geübt ist, dann im Zweifelsfalle lieber mit ein wenig Übermaß sägen. So ist sichergestellt dass die resultierenden Teile nicht zu klein sind. Ein Übermaß kann man mit dem Hobel schnell und einfach beseitigen.

Den Schnitt immer an der von Ihnen am weitesten entfernten Kante beginnen. Dabei die Säge in einem Winkel von ca. 30° zur Oberfläche halten. Nutze den Daumennagel der freien Hand um den Schnitt zur schlechten Seite zu positionieren. Der erste Sägeschnitt sollte eher mit einem leichten Zug beginnen, um eine Schnittkerbe herzustellen.

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Das Starten der Säge kann man erleichtern in dem man eine Kerbe setzt. Dabei wird an der Schnittkante senkrecht geschnitten, die Kerbe selbst liegt auf der Verschnitt-Seite.

Sobald die Säge richtig in der Kerbe liegt, sägt man in einem Winkel zwischen 45° und 60° zur Oberfläche weiter. So hat die Säge ihren optimalen Wirkungsgrad und der Schnitt geht schnell voran.

Bein Arbeiten die Säge gleichmäßig ohne übereilte Bewegungen führen. Dabei möglichst die ganze Länge des Sägeblattes nutzen. Die Geschwindigkeit des Schnitts kann erhöht werden, indem der Griff abgesenkt wird, sobald das Blatt bei Stoß zur Hälfte durch das Werkstück gelaufen ist. Bei der Gegenbewegung auf Zug wird der Griff in gleicher Weise wieder angehoben. So wird mit jeder Bewegung auf Stoß und auf Zug gesägt.

Das sich verändernde Sägegeräusch zeigt das Ende des Schnitts an. Die Tonlage des Geräusches wird höher. Das abgesägte Holz sollte jetzt abgestützt oder festgehalten werden damit dieses nicht unkontrolliert herunterfällt. Wird dies unterlassen, kann das Gewicht des abgeschnittenen Stücks dazu führen dass das Reststück unkontrolliert abbricht. In der Folge kann es zu Ausbrüchen und Rissen am Werkstück kommen.

Arbeiten mit der Sägebank

Eine Sägebank ist ein Hilfsmittel das idealerweise für den jeweiligen Benutzer optimiert ist. Da die „Fixierung“ des Werkstückes durch daraufknien erfolgt, ist die richtige Höhe der Sägebank das entscheidende Kriterium für ermüdungsfreies Arbeiten. Dazu soll die Höhe der Sägebank in etwa auf der unteren Linie der Kniescheibe liegen.

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Ist dies der Fall, kann man mühelos das ganze Körpergewicht auf das Knie auf der Sägebank legen, ohne dass man sein Standbein in eine unbequeme Haltung bringen muss.

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Bei einem Längsschnitt beginnt man mit geringem Überstand über der V-Kerbe und sägt dann bis das Sägeblatt bis zur Gänze eingetaucht ist. Dann schiebt man das Brett nach vorn und sägt wieder weiter.

Kantholz auftrennen

Nachfolgend beschreibe ich das Vorgehen zum Auftrennen eines Kantholzes. Dies ist ein relativ anspruchsvoller Sägeschnitt der aber eine gute Übung für das Arbeiten mit dem Fuchsschwanz ist.
Da es ein Schnitt entlang der Faser ist kommt der Fuchsschwanz mit dem groben 7TPI Blatt zum Einsatz. Zuerst wird die Schnittlinie rundherum mit einem Bleistiftstrich markiert.

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Das Holz wird eingespannt und der Beginn des Sägeschnitts mit einer Kerbe versehen. Diese liegt auf der vom Benutzer abgewandten Seite – hier also vorne. Dort wird auch die Säge angesetzt.

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Es wird ca. 1-2 tief eingesägt, dann wird der Fuchsschwanz beim sägen langsam abgesenkt um einen Sägeschnitt auf ganzer Länge zu erhalten.

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Diese Prozedur wird auf der anderen Seite des Kantholzes wiederholt. Anschließend wird das Werkstück hochkant eingespannt und es kann mit dem Trennschnitt begonnen werden.

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Auch hier wird der Fuchsschwanz wieder auf der abgewandten Seite in der bestehende Sägekerbe angesetzt. Beim Sägen wird dann der Fuchsschwanz langsam schrittweise im die horizontale gebracht.

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Jetzt kann zügig weitergesägt werden. Die Säge wird ohne Druck abwechselnd in einem Winkel von 45 Grad nach vorne oder hinten geführt. Die beiden Sägekerben sorgen dafür dass der Schnitt gerade wird.

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Wenn allerdings das Holz innere Spannungen hat, kann dies dazu führen dass sich der Schlitz oben wieder verschließt. Das hat zur Folge dass das Sägeblatt verkantet und der Schnitt aus der Bahn gerät.

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Dem kann man vorbeugen in dem der Sägeschlitz rechtzeitig mit einem kleinen Keil offen gehalten wird. Dann verkantet der Fuchsschwanz nicht und der Schnitt wird schön gerade.

handsaegen40Sobald in etwa die doppelte Tiefe des Sägeblattes erreicht ist, sollte mit einem Keil der Schnitt offen gehalten werden. Nach der Hälfte der Länge wird das Kantholz um 180 Grad gedreht und es wird der Rest gesägt.

Hier das Ergebnis nach dem endgütigen Durchsägen. Deutlich zu erkennen ist der verlaufene Schnitt wegen des klemmenden Sägeblattes.

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Das ist aber kein Problem, da der Schnitt in Richtung der Verschnittseite verlaufen ist. Mit einem einfachen Schlichthobel kann die Sägefläche des Werkstückes mit wenigen Hobelzügen geglättet werden.

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Anzeichnen mit der Säge

Noch ein Hinweis zum Schluß. Der Griff der Stanley JetCut Sägen hat je einen Anschlag mit 90° bzw. mit 45°. Damit kann man die Schnittlinien ohne weitere Hilfsmittel direkt mit dem Fuchsschwanz anzeichnen.

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Allerdings darf man keine all zu großen Ansprüche an die Präzision dieser Anschläge stellen. Für das grobe Zusägen ist es aber ausreichend und erspart das Hantieren mit einem zusätzlichen Winkel.

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Damit ist meine kleine Einführung in das Arbeiten mit dem Fuchsschwanz zu Ende. Jetzt heißt es einfach sägen, sägen, sägen.

7 Kommentare

  1. Mein lieber Wolfram,

    fühle Dich imaginär auf die Schulter geklopft! Der Artikel ist wirklich toll geworden und hat bei mir die Lust geweckt, das auch mal auf diese Art und Weise zu versuchen. Mir ist aktuell zwar keine so hochwertige Säge vergönnt, aber ich denke, ein „normaler“ Fuchsschwanz sollte für erste Versuche reichen.

    Ich versuche ja schon länger, gerade Schnitte hinzubekommen und das hier könnte eine Lösung sein.

    btw.: Am Wochenende habe ich auch beinahe senkrechte Bohrungen in die Stirnseite eines Brettes bekommen. Anmerkung von mir: Ich habe das Gefühl, es geht einfacher, wenn man waagerecht bohrt.

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    • Danke für die Blumen. So „unerreichbar“ sind die Stanley JetCutSägen mit einem Preis von um die 25 EUR ja nicht.

      Ja, wenn Du waagrecht bohrst hast Du evtl. mit der Werkbankoberseite eine „Bezugskante“ vor Augen und das macht das Ausrichten des Bohrers einfacher. Im Ergebnis dann „bessere“ Löcher.

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  2. Das Thema hast sehr anschaulich aufbereitet, vielen Dank für die Mühe.

    Meine HKS werde ich zwar nicht verkaufen, aber der Fuchsschwanz wird bei nächster Gelegenheit aus seinem Dornröschenschlaf geholt. Der Bau einer Sägebank ist in meiner ToDo-Liste gelandet.

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  3. Hallo Wolfram,
    danke für diesen Post. Deinen Tipp mit dem Sägen werd ich wirklich versuchen. und die Sägebank muss ich auch bauen.
    Gruss aus Wien
    Alexander

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  4. Toller Artikel Wolfram!
    Ich finde die Sägebank spannend, vor allem für Arbeiten außerhalb der Werkstatt. Da sucht man immer nach einer vernünftigen Auflage zum Sägen.
    Das Auftrennen einer Latte habe ich bisher auch noch nicht ausprobiert. Das werde ich aber bestimmt nachholen.

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  5. Hallo Wolfram,

    ich hab mir den Artikel gerade durchgelesen und finden Ihn gut gelungen. Leider werden solche nützlichen Beiträge, mit so vielen Tipps und Mehrwert, viel zu selten veröffentlicht. Kompliment für diesen tollen Blog!

    Lg Mirko

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