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Know-How für Möbelbauer: Alles über Confirmat-Schrauben und ihre Verarbeitung

Fast jeder Holzwerker hat diese Schrauben irgendwo herumliegen, aber kaum jemand benutzt sie: Confirmat Schrauben – oft auch als IKEA-Schrauben oder Eckschrauben bezeichnet. In diesem Blogartikel erkläre ich, wozu man diese Schrauben einsetzen kann und wie man diese richtig anwendet.

Confirmat-Schrauben  sind die stillen Helden des modernen Möbelbaus. Jeder der einmal ein typisches Selbstbaumöbel (wie ein IKEA-Regal) aufgebaut hast, hatte sie garantiert schon in der Hand. Und bei vielen Holzwerkern liegen irgendwo auch diese Schrauben herum weil man beim Entsorgen älterer Möbel diese Schrauben herausgedreht und in die Werkzeugkisten geworfen hat. Aber kaum jemand weiß, warum des diese Schrauben überhaupt gibt und wie man sie korrekt verarbeitet. Deshalb dieser Beitrag.

Was macht Confirmat-Schrauben so besonders?

Diese Möbelschrauben wurden speziell dafür entwickelt, stumpfe Eckverbindungen in weichen Holzwerkstoffen – vor allem in Spanplatten und MDF-Platten – extrem stabil, einfach und materialschonend miteinander zu verbinden.
Eigentlich sind Confirmat-Schrauben gar keine klassischen Schrauben sondern sie sind eher als ein Stahldübel mit einem Gewinde zu betrachten, da sie ohne entsprechendes Vorbohren gar nicht zu verarbeiten sind.

Im Gegensatz zu einer normalen Holzschraube hat der Schraubenkörper bei einer Confirmat-Schraube einen sehr großen Durchmesser. Das gibt diesen Verbindern eine hohe Scherfestigkeit, d.h. die Schraube kann sehr hoch belastet werden, ohne aus dem Material auszubrechen.

Wo und wann verwenden?

Für welches Material sind Confirmat-Schrauben denn nun geeignet? Confirmat-Schrauben wurden speziell für industriell produzierte Werkstoffe entwickelt – sprich für MDF, Spanplatten und OSB. Aber auch für weiche Sperrhölzer wie z.B. 3-Schichtplatten aus Nadelholz funktionieren diese Schrauben gut.

Da Spanplatten und MDF keine haben keine durchgehende Faserstruktur haben, finden hier normale Holzschrauben kaum Halt und „zerbröseln“ das Material im Bohrloch. Die Confirmat-Schraube hingegen verdrängt das Material und schneidet sich mit ihrem tiefen Gewinde perfekt in die verdichtete Struktur rund um das Bohrloch ein.

Hier ein Blick auf eine aufgesägte Confirmat-Verbindung. Rechts die 7mm Durchgangsbohrung, links das von der Schraube beim Eindrehen geschnittene Gewinde.

Für den Einsatz in Massivholz sind Confirmat-Schrauben allerdings nur bedingt geeignet. In weichem Nadelholz wie z.B. Fichte oder Kiefer funktionieren sie durchaus, den richtigen Durchmesser bei der Bohrung vorausgesetzt. Aber für Massivholz wie Eiche oder Buche sind sie nicht gedacht. Sie lassen sich hier nur sehr schwer eindrehen und wenn das Massivholz arbeitet kann das Holz rund um die Schraube reißen. Bei Massivholz sollte man daher besser klassische Holzverbindungen wie Buchenrunddübel, Dominos oder ggf, auch SPAX Schrauben verwenden.

Aufbau einer Confirmat-Schraube

Eine Confirmat-Schraube hat drei konstruktive Merkmale:

  • Schraubenkopf mit Kragen: Der Schaubenkopf am Kragen der Schraube ist mit einem kleinen Kragen versehen. Das ermöglicht das flächenbündige Eindrehen.
  • Zylindrischer Schaft (ohne Gewinde): Direkt unter dem Kopf ist die Schraube dick und glatt. Dieser Teil liegt im ersten Bauteil (z. B. der Schrankaußenseite) wie ein Passstift und verhindert, dass sich die Platten unter Last gegeneinander verschieben.
  • Breites, tiefes Gewinde: Das Gewinde schneidet sich formschlüssig in die weichen Holzfasern der Stirnseite des zweiten Bauteils ein, ohne das Material zu sprengen. Da die Schraube in ein perfekt vorgebohrtes Loch greift, benötigt sie keine Schneidspitze.

Der große Vorteil: Weil das Gewinde so tief greift, kann man eine Confirmat-Verbindung mehrmals auseinander- und wieder zusammenschrauben, ohne dass das Holz ausleiert – das klappt mit normalen Spax-Schrauben in Spanplatten fast nie. Natürlich gibt es auch hier Grenzen, aber bei hochwertiger Möbelspanplatte kann man eine Confirmat.Schraube schon 4-6 mal ein- und wieder ausdrehen, bevor die Verbindung „ausgenudelt“ ist. Voraussetzung ist allerdings ein gefühlvolles Anziehen der Schraube von Hand. Mit dem Akkuschrauber ist die Gefahr sehr groß, dass man die Schraube überdreht und so das ins Holz geschnittene Gewinde zerstört.

Als Antrieb verwenden Confirmat-Schauben entweder einen klassischen Kreuzschlitz, einen Sechskant-Kopf (ist am gebräuchlichsten) oder einen Tore-Antrieb (von rechts nach links).

Confirmat-Schrauben richtig anwenden

Um Confirmat-Schrauben erfolgreich in eigenen Möbelbauprojekten einzusetzen, sind zwei Punkte zu beachten:
– Erstens die Wahl der richtigen Schraubengröße und Länge
– Zweitens das korrekte Vorbohren der Löcher

Plattenstärke und die richtige Schraubengröße

Confirmat-Schrauben gibt es in verschiedenen Dimensionen, wobei die Größen mit dem 7mm Schaft bei weitem am gebräuchlichsten sind. Die Varianten mit 5mm Schaft eher selten anzutreffen und werden hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt.
Wenn man die falsche Größe bzw. Länge wählt, besteht die Gefahr dass die Platte an den Seiten aufplatzt oder ausbeult und/oder die Schraube nicht genug Halt findet.

Schraubenmaß Typische Anwendung Mindest-Plattenstärke Passender Stufenbohrer
5 x 40
oder
5 x 50 mm
Klein-Möbel, Schubladen, dünne Platten Ab 12 mm 5-mm-Systembohrer
7 x 50 mm
oder
7 x 60 mm
Der Standard für Korpusbau (z. B. Küchenschränke) 16 mm bzw. 19 mm 7-mm-Stufenbohrer
7 x 70 mm Schwere Regale, dicke Arbeitsplatten Ab 22 mm 7-mm-Stufenbohrer

Um eine optimale Festigkeit zu erreichen, sollte eine Confirmatschraube immer wenigstens die zweifache Länge der Plattenstärke in der Stirnseite erreichen.
Nachfolgendes Bild zeigt verschiedene Confirmat-Schrauben bei der Verbindung von 24mm starkem Plattenmaterial.

Hier ist eindeutig zu sehen, dass die linke 50mm Schraube zu kurz ist, die 60mm Variante in der Mitte ist gerade noch so ok, die rechts gezeigte 70mm Schraube ist optimal.

Achtung bei 16 mm Spanplatten: Hier ist die Standard-7×50-Schraube beim Vorbohren sehr schnell an der Grenze. Man muss beim Bohren extrem präzise die Mitte der Stirnseite treffen und auch absolut senkrecht bohren. Weicht man nur geringfügig ab, drückt das Gewinde die Beschichtung der Platte nach außen weg. Von daher rate ich vom Einsatz in Confirmat-Schrauben in solch dünnem Material ab, insbesondere dann, wenn man freihändig bohrt.

Ich persönlich setzen nur die 7mm Varianten der Confirmat-Schrauben ein und verwende diese auch nur in Spanplatten von mindestens 19m Plattenstärke oder mehr.

Der wichtigste Arbeitsschritt: Das Vorbohren

Die Verwendung von Confirmat-Schrauben erfordert zwingend das Vorbohren. Da die Confirmat-Schraube drei unterschiedliche Durchmesser hat (Gewindekern, glatter Schaft und Senkkopf), verwendet man dazu in der Regel einen speziellen Stufenbohrer.  Alternativ kann man es auch mit Standard-Holzbohrern umsetzen, was ich weiter unten zeige.

Oben ein Stufenbohrer für 50 und 60mm Schrauben – Tiefenstellring ist dabei nicht korrekt justiert. Unten ein Stufenbohrer für 70mm Confirmat Schrauben mit korrekt justiertem Tiefenstellring.

Aber egal mit welcher der nachfolgend beschriebenen Arbeitsweise man seine Löcher bohrt, eines ist ein unverzichtbarer Arbeitsschritt: Die zu bohrenden Bauteile müssen exakt ausgerichtet und sicher fixiert werden. Es darf beim Bohren absolut nichts verrutschen!

Arbeiten mit dem Stufenbohrer

Das Arbeiten mit dem Stufenbohrer ist extrem einfach und liefert in meinen Augen die besten Ergebnisse – die Verwendung eines hochwertigen Stufenbohrers vorausgesetzt (Vom Kauf billiger Stufenbohrer im Baumarkt bzw, bei AMAZON kann ich nur abraten. Dann lieber die weiter unten gezeigten manuelle 2-Stufen-Methode anwenden).

Man setzt den Stufenbohrer exakt im rechten Winkel (90-Grad-Winkel) an der Außenseite an. Dabei wird durch die erste Platte hindurch gebohrt und gleichzeitig auch ausreichend tief in die Stirnseite der zweiten Platte gebohrt. In der Regel haben diese Stufenbohrer einen Anschlag, der so eingestellt ist, das auch die integrierte Senkstufe des Bohrers greift, damit der Schraubenkopf später bündig mit der Plattenoberfläche abschließt.

Wichtig: Je nach Länge der verwendeten Schraube sollte man auch einen entsprechend langen Stufenbohrer einsetzen. Dabei ist es wichtig, die Bohrung ausreichend tief auszuführen. Daher sollte der Stufenbohrer auch zur jeweiligen Schraubenlänge passen. So ist sichergestellt, dass die Bohrung in der Stirnseite des Bodens immer etwas tiefer ist als die Confirmat-Schraube lang ist (bei einer 60-mm-Schraube also ca. 63 bis 65 mm Gesamttiefe ab Plattenaußenseite).

Um saubere Ergebnisse zu erhalten, empfiehlt es sich, die Mittellinie des Gegenstückes auf der Außenseite der Seitenwand anzuzeichnen. Bei einer 20mm starken Spanplatte würd diese Linie also 10mm vom Rand entfernt angezeichnet.

Die Bohrung selbst sollte mit dem Stufenbohrer in einem Rutsch erfolgen. Also bohren bis der Stufenbohrer mit dem Anschlag aufliegt. Damit vermeidet man das Ausbrechen und Ausfransen der Bohrlöcher und erhält eine sauber gesenkte Kante.

TIPP: Wer sicherstellen will dass sich die Möbelschraube hinterher auch wirklich bündig einschrauben lässt, sollte die Bohrung aussaugen oder ausblasen, um das Bohrmehl zu entfernen. Anschließend muß nur noch die Schraube eingedreht werden – fertig!

Bohren mit Standardbohrern

Wer nur gelegentlich mit Confirmat-Schrauben arbeitet oder nur einmal damit experimentieren möchte, der wird möglicherweise vor dem Kauf des doch relativ teuren Stufenbohrers (aktuell ca. 40-70 EUR – Stand Juli 2026) zurückschrecken.

Es geht aber auch ohne Stufenbohrer, wie die nachfolgenden Bilderstrecke zeigt.

Für die Verarbeitung einer Confirmat-Schraube mit dem gängigen 7mm Schaft werden die folgenden Werkzeuge benötigt: ein Spiralbohrer mit Zentrierspitze 5mm, ein Spiralbohrer 7mm OHNE Zentrierspitze und ein Kegelsenker 15mm oder größer.

Und so geht es:

Schritt 1: Bauteile fixieren

Mit geeigneten Zwingen die Bauteile gründlich fixieren. Wenn während des Bohrens plötzlich etwas bei den Bauteilen verrutscht, ist in aller Regel eine saubere Verbindung dahin. Ich empfehle hier die Winkelspanner von Bessey.

Schritt 2: Mittellinie anzeichnen

Um die Bohrungen hinterher auch mittig in das Trägerbrett zu bekommen, empfehle ich unbedingt die Mittellinie anzuzeichnen. Das verhindert ärgerliche Falschbohrungen die zudem bei Plattenmaterial nur sehr schwer wieder auszubügeln sind.

Schritt 3: Die Löcher mit 5mm vorbohren

Zuerst wird mit dem 5mm Bohrer durch beide Teile durchgebohrt. Wichtig ist hier dass der 5mm Bohrer ausreichend lang ist, damit das Loch in der Stirnseite tief genug gebohrt werden kann.

Sollte der 5mm Bohrer nicht lang genug sein, ist das auch nicht tragisch. Man muss dann einfach nur einmal die Stirnseiten nachbohren. Wichtig: Auf senkrechtes Bohren achten!

Schritt 4: Die Bauteile auseinander nehmen

Um jetzt die 7mm Durchgangsbohrungen nachzuarbeiten, müssen die Zwingen gelöst werden.

Hier ein Blick auf das Ergebnis. Wie unschwer zu erkennen, ist das mittlere Loch nicht wirklich senkrecht gebohrt und liegt daher etwas außermittig. Da es sich hier um 24mm Plattenstärke handelt, ist das aber gerade noch akzeptabel.
Wichtig: Falls der 5mm Bohrer nicht tief genug gebohrt hat, ist jetzt die Moment gekommen, um die 5mm Bohrungen in der Stirnseite auf die erforderliche Tiefe nachzubohren.

Schritt 5: Aufbohren und Ansenken der Seiten

Die Bohrungen in den Seitenteilen werden jetzt auf 7mm aufgebohrt, Damit der sich der größere 7mm Bohrer in den kleinen 5mm Löchern sauber zentriert, sollte hier unbedingt ein Bohrer OHNE Zentrierspitze verwendet werden. (Die besten Ergebnisse erzielt man mit einem geschliffenen Spiralbohrer für Metall)

Zuletzt werden die Bohrungen im Seitenteil mit einem Kegelsenker angesenkt. Aber Achtung: Hier muss nur ganz vorsichtig mit wenig Druck ein klein wenig angesenkt werden.

Schritt 6: Bauteile fixieren und verschrauben

Nun werden die Bauteile wieder ausgerichtet und mit den entsprechenden Zwingen erneut fixiert.

Anschließend werden die Confirmat-Schrauben gefühlvoll eingeschraubt. Fertig!

Wenn man einigermaßen genau gearbeitet hat, ergeben sich auch mit dieser Methode sauber fluchtenden Kanten und dichte Ecken.

Wenn man noch nie zuvor mit dieser Methode Confirmat-Schrauben verarbeitet hat, dann empfehle ich die ganze Prozedur einmal mit zwei Reststücken von Plattenmaterial durchzuexerzieren. Das gibt Sicherheit und man kann dabei auch feststellen, ob die verwendeten Bohrer scharf genug sind, um ausrißfreie Bohrungen herzustellen.

Hat man das einmal erfolgreich praktiziert, so gelingen mit ein wenig Sorgfalt auch ohne Einsatz eines Stufenbohrers stabile Verbindungen mit Confirmat-Schrauben-

Wichtige Faustregeln

Zum Schluß noch einige wichtige Hinweise für die Verarbeitung von Confirmat Schrauben:

Beim Korpusbau immer durchlaufende Seitenwände einplanen. Das bedeutet: Die Seitenteile gehen von ganz unten bis ganz nach oben durch, während der Ober- und der Unterboden mit den Confirmat-Schrauben dazwischen geschraubt werden. Das ist statisch am stabilsten, da die Belastung direkt in die Seiten geleitet wird.

Auf ausreichenden Randabstand achten. Man sollte das erste Loch nie zu nah an der Vorder- oder Hinterkante der Platte bohren. Als Faustregel hat es sich bewährt, mindestens 40 bis 50 mm Abstand zur Außenkante einzuhalten, damit die Spanplatte an den Ecken nicht wegplatzt.

Wie viele Schrauben? Für eine typische Korpustiefe von 600 mm wie bei einem Schrank verwendet man standardmäßig 4 bis 5 Schrauben pro Eckverbindung, bei Möbeln mit weniger Tiefen (z.B. Regale mit 300 mm) reichen meist 2 bis 3 Schrauben.

Beschichtete Spanplatten sind oftmals extrem glatt. Daher ist ein Vorstechen des Bohrpunktes mit einer Ahle oder einem Vorstecher unbedingt empfehlenswert. Das verhindert, dass die Zentrierspitze des Bohrers beim Anlaufen wegrutscht.

Ausblasen/aussaugen nicht vergessen! Das Bohrloch vor dem Eindrehen kurz ausblasen oder aussaugen. Wenn zu viel Bohrmehl im Sackloch bleibt, lässt sich die Schraube am Ende nicht ganz eindrehen oder sprengt beim Festziehen die Beschichtung der Platte.

Gefühlvoll mit dem Akkuschrauber arbeiten! Wenn man die Confirmat-Schrauben mit dem Akkuschrauber eindreht, ist es empfehlenswert die Rutschkupplung (Drehmomentbegrenzung) relativ schwach einzustellen. Denn wenn man die Confirmat-Schraube mit voller Kraft erst einmal überdreht hat, ist das Gewinde im weichen Spanplattenkern ausgerissen und die Haltekraft ist dahin. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, der zieht seine Confirmat-Schrauben am besten mit der Hand an.

Damit endet dieser Beitrag und dem erfolgreichen Einsatz von Confirmat-Schrauben sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen. Wenn dennoch Fragen hat oder ergänzende Hinweise geben möchte, der darf gerne einen Kommentar hinterlassen.

 

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