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Warum ich Sketchup von meinem PC gelöscht habe

Das CAD-Programm Sketchup ist ein Programm das bei vielen Holzwerkern in Gebrauch ist. Und auch ich habe in der Vergangenheit etliche meiner Projekte wie zum Beispiel den „Computertisch“ mit Sketchup geplant.

Nun aber habe ich mich von diesem Programm verabschiedet und es von meinem PC gelöscht.

Die Gründe

Meine Entscheidung künftig nicht mehr mit dem Programm Sketchup zu arbeiten hat mehrere Gründe.

Grund Nummer eins ist die Update-Politik der vergangenen zwei Jahre. Es gibt mittlerweile kein Programm mehr, das auf dem PC direkt genutzt werden kann. Die kostenlose Community-Edition wurde vor einiger Zeit eingestellt und selbst ältere Installationen funktionieren bei mir nicht mehr.
Sie lassen sich nicht mehr starten und es wird ein „Lizenzfehler“ angezeigt:

Grund Nummer zwei ist die Tatsache dass ich mit den von  Sketchup erzeugen Datenformaten nicht zufrieden bin. Solange man nur eine Konstruktion visualisieren möchte ist das ja alles ganz nett. Sobald man aber mit den Daten eine CNC-Maschine (also entweder eine CNC-Fräse oder einen 3D-Drucker) steuern möchte, stößt man auf viele Hürden.
Dann ist man entweder gezwungen zu einer der Bezahlversionen von Sketchup wechseln oder aber man muss mit mehr oder weniger leistungsfähigen Konvertierungsprogrammen die Daten in geeignete Formate wie DXF oder STL bringen.

Mein Wechsel zu Fusion360

Was benutze ich stattdessen? Nun ich habe seit zwei Jahren zunehmend mehr mit Fusion360 von Autodesk gearbeitet. Zuerst um verschiedene kleine Projekte für den 3D-Drucker umzusetzen, dann aber auch mehr und mehr für meine Holzwerker-Projekte.

Und damit man dies mit vernünftiger Produktivität erledigen kann, ist ein regelmäßiges Arbeiten mit Fusion360 Programms sinnvoll. Nur so bekommt man als Hobbyanwender die nötige Routine im Umgang mit solch einem mächtigen digitalen Werkzeug.
Das gilt, nebenbei gesagt, eigentlich für jede CAD-Software, egal für was man sich da entscheidet. Auch bei Sketchup habe ich seinerzeit eine Lernkurve durchlaufen.

Und hier kommt ein weiterer Pluspunkt von Fusion360 zum tragen: Die unglaublich vielen und wirklich guten Online-Tutorials die den Einsatz von Fusion360 und die dort gebotenen Möglichkeiten erklären. Als Beispiel möchte ich nur auf den YouTube Kanal von Lars ChristensenYouTube Kanal von Lars Christensen verweisen der die Grundlagen zum Programm wirklich sehr gut erläutert.

Den finalen Ausschlag für den ausschließlichen Einsatz von Fusion360 hat dann mein Kauf der ShaperOrigin Fräse gegeben. Wenn man mit so einem intelligenten Werkzeug arbeiten möchte, braucht man ein Hilfsmittel mit dem man die Projekte entsprechend am Computer planen und konstruieren kann.

Um die für den Shaper Origin erforderlichen SVG-Dateien zu erzeugen, kann man in Fusion360 ein PlugIn installieren, welches dann mit wenigen Mausklicks die Aufbereitung der Daten einschließlich der Farbkodierung für das Fräsen von Konturen und Taschen erledigt.

Was kostet Fusion360?

Aktuell (Stand Juni 2020) ist der Einsatz von Fusion360 für Studenten, Hobbyanwender und Kleinunternehmen mit weniger als 100.000 EUR Jahresumsatz kostenlos. Man bekommt eine kostenlose Lizenz immer für die Dauer von 12 Monaten – danach muss man eine Verlängerung beantragen, indem man einen kleinen Fragebogen ausfüllt. Diese Verlängerung habe ich jetzt schon das dritte Mal gemacht und es hat immer Problemlos geklappt.
Natürlich besteht das Risiko dass auch Fusion360 irgendwann einmal etwas kosten wird, aber wie schon gesagt, zum heutigen Tage ist es in meinen Augen das leistungsfähigste 3D-CAD das man kostenlos bekommen kann und das auch eine hohe Datenqualität als Output liefert.

Ist Fusion360 schnell zu lernen?

In meinen Augen ja, wenn man sich die Grundprinzipien von Fusion360 vor Augen hält. Neben dem Arbeiten mit Volumenkörper kann man bei Fusion auch über Skizzen arbeiten, die dann in 3D-Konstruktionen überführt werden.

Wenn man sich des Prinzips bedient, zunächst eine Seitenansicht eines Möbels zu zeichnen und dann alle Bauteile daraus als Extrusion ableitet, gelingen die ersten Konstruktionen sehr schnell. Für den Möbelbau ist das in meinen Augen das optimale Vorgehen, weil man so ganz einfach alle Zuschnitte ableiten kann.

Für den Neuling einen guten Einstieg in die Nutzung von FUSION360 bietet dabei dieses deutschsprachige Werk:

Welche CAD Software benutze ich sonst noch?

Eine Frage die mir immer wieder gestellt wird lautet welche Software ich zum Planen meiner Projekte benutze.

Dazu ein Hinweis vorab: Ich plane nur dann meine Projekte am Computer, wenn dies auch tatsächlich nötig ist. Also zum Beispiel weil ich Teile davon mit der Shaper Origin oder an der CNC-Fräse herstellen will, weil ich fertige Holz-Zuschnitte beim Holzhändler bestellen will oder um konstruktive Details zu überprüfen, bevor ich teueres Massivholz bearbeite.

Zuschnitte planen

Für den einfachen Zuschnitt von Möbelteilen für Schränke, Regale etc. plane ich häufig mit der Tabellenkalkulation EXCEL.

Wie genau das geht, habe ich in einem Blogartikel mit Video erklärt.

2D-CAD

Für einfache Skizzen in 2D benutze ich ein einfaches 2D-CAD namens „Autodesk Autosketch“. Dieses Programm wird allerdings seit 2011 nicht mehr weitergepflegt und bekommt auch keine Unterstützung mehr. Da ich mit diesem Programm aber seit 1996 gearbeitet habe und es quasi „im Schlaf“ bedienen kann, benutze ich es immer noch. Für einen Neueinstieg ins 2D-CAD muss ich aber definitiv davon abraten.


Eine moderne Alternative ist das Programm „QCAD“. Es hat eine recht ähnliche Bedienphilosophie wie Autosketch und kostet als „Professional Edition“ auch nur knappe 40 EUR. Zudem ist QCAD für Windows, MAC OS und LINUX erhältlich.

CAM Software für Schilder und dekorative Reliefs

Für das Herstellen von Schildern und dekorativen 3D-Reliefs mit der CNC-Fräse benutze ich die Software VCarve pro von dem englischen Anbieter Vectric. Dies ist eine überaus leistungsfähige Software, mit der man nicht nur die Schilder und Reliefs konstruieren kann, sondern auch gleich den  gesamten Fräsvorgang am Computer umfassend simulieren kann.

Zum Arbeiten mit diesem Programm hatte ich ebenfalls vor kurzem einen Artikel über CNC im Möbelbau geschrieben.

Was es sonst noch so gibt

Kennst Du noch andere Software die man als Holzwerker kennen sollte? Wenn ja, dann hinterlasse doch bitte einen Hinweis in den Kommentaren.

Gibt es jemanden unter meinen Lesern der eine bezahlte Version von Sketchup benutzt? Was sind Eure Erfahrungen mit den aktuellen Versionen von Sketchup?

 

14 Kommentare zu “Warum ich Sketchup von meinem PC gelöscht habe

  1. Interessanter Artikel. Ich habe zwar noch eine lauffähige Sketchup Version 17 auf dem PC, benutze aber auch seit einiger Zeit Fusion 360. Kein Zweifel, dass ist eine Software für Profis. Der Grund bei mir war , dass ich die Möglichkeit vermisst habe, in Sketchup vernünftige 2D Zeichnungen auszudrucken. Und das ist bei Fusion perfekt.

    Trotzdem bin ich mit Fusion nicht wirklich zufrieden. Es wird verbessert und erweitert, aber Fehler, deren Behebung eigentlich keinen großen Aufwand darstellen, werden nicht behoben. Wenn in dem Artikel bemängelt wird, dass Sketchup nur noch im Netz läuft, dann gilt das für Fusion aber auch. Hier mal eine kleine Liste der störenden Dinge:

    1. Alles läuft im Netz. Alle Projekte liegen auf irgendeinem Server. Ich bin Maschinenbau und Elektrotechnik Ing. und hatte in meinen Berufsleben natürlich auch mit CAD Programmen zu tun gehabt. Ich habe auch Entscheidungen für oder gegen solche Programme treffen müssen. Wenn ich ein Programm gekauft hätte, bei dem alle Projekte in Walletucken auf einem Server liegen, bei dem die Druckdateien NUR auf dem Server liegen, hätte man mich raus geworfen.
    Ich stelle mir wirklich die Frage, welche Firma akzeptiert das? Bei mir spielt es keine Rolle. Die Firmen, bei denen ich gearbeitet habe, hätte das nie akzeptiert.
    Welchen Sinn hat das Programm bei Autodesk überhaupt? Die habe doch Konkurrenz im eigenen Haus.

    2. Fusion erkennt, wenn eine Druckdatei nicht mehr aktuell ist. Meistens gelingt es Fusion auch, die Änderungen selber einzufügen. Eine feine Sache mit einem großen Aber. Wenn ich ein Projekt mit 30 Einzelteilen und 30 Druckdateien habe und ich speicher dieses Projekt ab, dann sind alle Druckdateien nicht mehr aktuell. Nur weil ich speichern gewählt habe.
    D. h. man kann sich überhaupt nicht darauf verlassen, ob die Datei sich geändert hat oder nicht.

    3. Ein Projekt für z.B. einen Schrank kann schon eine Menge Skizzen besitzen. In der „obersten“ Projektdatei, blende ich sie aus, weil man sie dort nicht braucht und alles nur unübersichtlich wird. Wenn ich eine Skizze zum Ändern aufrufe und ich habe das Ausblenden der Skizzen nicht abgeschaltet, sehe ich die Skizze beim Bearbeiten nicht. Was ist das für eine Unsinn? Wenn ich den Punkt Skizzen aufrufe, dann will ich nur eines sehen: Skizzen.
    So etwas zu ändern ist ein das Abfragen eines Flags.

    4. Das Dateimanagement ist eine Quälerei. Mal eben eine Datei hin und her kopieren um etwas auszuprobieren, kann man völlig vergessen. Plötzlich hat man zwei Dateien im selben Verzeichnis unter einem identischen Namen. Dabei entstehen automatisch Abhängigkeiten und man bekommt den Mist nicht mehr gelöscht. Und wenn man die Abhängigkeiten mühevoll aufgelöst hat, lässt sich die Datei u.U. trotzdem nicht löschen. Das sei ein Fehler, hat mit jemand gesagt.

    5. Die Geschwindigkeit ist eine Katastrophe. Das liegt natürlich daran, weil es eben eine Weblösung ist.

    6. Die Kompatibilität ist zumindest fragwürdig. Nach einem großen Update kann ich bei meinen alten Projekten die Skizzen nicht mehr ändern.

    Alternative ? Ja vielleicht. Mir hat im Grunde Freecad sehr gut gefallen. Beim Erstellen der Skizzen bekommt man angezeigt, wie viel Abhängigkeiten noch nicht geschlossen sind. Das 2D Drucken hat zwar auch einige Unsinnigkeiten, aber damit kann man leben.
    Ich kann mir vorstellen, dass ich neue Sachen in Zukunft mit FreeCad erledige.
    Ich mache fast immer Zeichnungen, bevor ich Späne erzeuge. Beim Konstruieren entdecke ich immer bessere Lösungen.

    Das große Plus bei Fusion ist jedoch die Community, bei der man Fragen stellen kann und meisten nach ein paar Minuten die Antwort hat. Das ist unschlagbar.

    • Hallo Peter,
      ich stimme Dir was die Schwächen von Fusion360 betrifft zu. Aber: Welche Software ist schon perfekt – vor allem bei solch komplexen Produkten wie Fusion360. Wie im Artikel geschrieben ist für mich der entscheidende Punkt dass die Qualität der Datenausgabe einfach eine ganz andere Dimension hat. Gerade was STL-Dateien, DXF-Files oder die von Dir beschriebenen Ausdrucke betrifft, ist das bisher in meinen Augen unerreicht.

    • [Zitat]1. Alles läuft im Netz. Alle Projekte liegen auf irgendeinem Server. Ich bin Maschinenbau und Elektrotechnik Ing. und hatte in meinen Berufsleben natürlich auch mit CAD Programmen zu tun gehabt. Ich habe auch Entscheidungen für oder gegen solche Programme treffen müssen. Wenn ich ein Programm gekauft hätte, bei dem alle Projekte in Walletucken auf einem Server liegen, bei dem die Druckdateien NUR auf dem Server liegen, hätte man mich raus geworfen.
      Ich stelle mir wirklich die Frage, welche Firma akzeptiert das? Bei mir spielt es keine Rolle. Die Firmen, bei denen ich gearbeitet habe, hätte das nie akzeptiert.
      Welchen Sinn hat das Programm bei Autodesk überhaupt? Die habe doch Konkurrenz im eigenen Haus. [/Zitat]

      Firmen greifen meist gleich zu der Inventor Version wenn es was „richtiges“ sein soll, dort dann auch mit eigener „Vault“…

      kleinere StartUps fehlt häufig das Bewusstsein dafür wo die Daten liegen und wer alles Zugriff drauf hat, die sind erstmal froh arbeiten zu können…

      • Für Firmen und komplexe Maschinenbauprojekte ist Fusion360 sicherlich nicht geeignet – da setzt man sicher auf Autodesk Inventor. Das liegt allerdings preislich in Regionen die für Hobbyanwender unerreichbar sind!
        Zum Thema „Alles läuft im Netz“ – das stimmt so nicht. Man kann Fusion360 auch Offline benutzen, muss aber wenigstens alle 30 Tage eine Verbindung zum Lizenzserver aufnehmen. Ansonsten wird das Programm selbst auf dem Lokalen PC ausgeführt, von ein paar Spezialitäten wie z.B. GenerativesDesign, HighQuality Rendering etc. abgesehen.

        • „Für Firmen und komplexe Maschinenbauprojekte ist Fusion360 sicherlich nicht geeignet – da setzt man sicher auf Autodesk Inventor“

          Warum nicht geeignet?

          Das Offline-Arbeiten erscheint aber mehr theoretischer Natur zu sein. Druckdateien kann man m.E. nicht exportieren.

          Ich werde neue Sachen einmal mit FreeCAD testen.

          • Warum Inventor für Profis? Frag meinen Sohn, der ist Ingenieur im Anlagenbau – und da gibt es zahlreiche Punkte bei denen Fusion360 an seine Grenzen kommt.
            Zum Thema Offline arbeiten: das praktiziere ich mit meinen Macbook – geht recht problemlos.

        • Ich bin auch Ing. aber kann man das verallgemeinern? Die maschinenbaulichen Dinge mit denen ich zu tun hatte, wären mit Fusion alle zu erledigen gewesen. Mag sein, dass es Grenzen gibt. Die Alltagstauglichkeit würde ich aber dem Programm wirklich in Frage stellen.

  2. Hallo Wolfram,
    die Fähigkeiten die Fusion mitbringt, sind sicher unbestritten. Einem geschenkten Gaul sollte man auch nicht zu tief ins Maul schauen. 🙂

  3. Als CAM wird häufig auch https://www.estlcam.de/ genannt…

    (z.B. Uncle Phil auf YT verwendet das)

    • Zum Thema CAM werde ich noch einen gesonderten Artikel schreiben. Das ESTL-CAM habe ich auch schon benutzt, aber aufgrund der fehlenden UNDO-Funktion für große Projekte in meinen Augen nur bedingt geeignet.

  4. Tom Lazar

    Ich habe eine ähnliche „Reise“ hinter mir, ich habe allerdings nur sehr kurz bei Fusion 360 „angehalten“, da mich das cloud-only einfach zuviel Unwohlsein bereitet hat. Gelandet bin ich schlussendlich bei FreeCAD (https://freecadweb.org/) – komplett Open Source und genau wie Fusion voll parametrisierbar und sketchbasiert.
    Es hat eine etwas steilere Lernkurve als Fusion und als Open Source Software ist die Bedienung auch nicht ganz so flauschig wie bei einer Anwendung an der vollzeitbezahlte UX Designer mitarbeiten.
    Ich stosse auch immer wieder auf ein paar „Ecken und Kanten“ (z.B. muss ich ein Spreadsheet „Spreadsheet“ nennen, sonst kann ich die Zellen darin nicht von anderen Bauteilen aus referenzieren) aber im grossen und ganzen bin ich sehr zufrieden damit und kann alles machen, was ich mir so vorstelle – es macht richtig Spass!
    Es gibt auch dazu viele Tutorials, aktuell schaue ich gerne bei „flowwie“ (https://www.youtube.com/user/stolz3d) und „way of wood“ (https://wayofwood.com/freecad-for-woodworkers-03-parametric-routing-template-with-the-spreadsheet-workbench/) vorbei.
    FreeCAD ist bestimmt nicht für jeden etwas aber definitiv einen genaueren Blick wert.

  5. Danke für den guten Artikel. Ich schwanke noch, vor allem, weil dank „cloud“ eben ganz schnell alles weg oder teuer sein kann.Vectary ist ein Beispiel. freeCAD scheint mir ne höhere Einstiehshürde zu haben…

    • Wer will, kann seine konstruktionsadaten von Fusion360 auch lokal auf dem PC speichern. Ist halt nicht der Default.

      • Die Druckdateien (nicht PDF) aber nicht. Dafür gibt es keine Exportfunktion. Falls doch, bitte ich um Aufschlaung.

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