Start/Möbelbau/Upcycling-Projekt: Kleines Regal

Upcycling-Projekt: Kleines Regal

Von Wolfram 12. Juli 2026 5 Min. Lesezeit 7 Kommentare
Upcycling-Projekt: Kleines Regal

Hier zeige ich ein kleines Upcycling-Projekt, bei dem aus den Spanplatten eines alten Schrankes ein nettes kleines Regal entstanden ist. Dabei kamen nur ganz wenige Werkzeuge zum Einsatz. Ebenso wurde eine sehr einfache Bauweise gewählt, die eigentlich jeder Heimwerker nachvollziehen kann. Das gesamte Projekt konnte dabei an einem Nachmittag umgesetzt werden.

Um einen kleinen Kühlschrank in einem Zimmer auf einer behindertengerechten Höhe unterzubringen, wurde ein kleines Regal gebraucht. Und wieder mal war der Bedarf sehr kurzfristig an einem Wochenende entstanden – und zudem musste es wieder schnell gehen.

Nach Durchsicht meiner Materialbestände fiel mein Augenmerk auf die Reste eines Schrankes aus 21mm starker Pressspanplatte mit einer robusten, in Holzoptik laminierten Oberfläche. Es standen das Boden- und Deckelteil sowie die zwei Seitenteile zur Verfügung.

Als Abmessungen des Regals war ein ungefähres Maß von B/T/H  45 x 40 x 55 cm gewünscht. Dies diente dann als Grundlage für die weitere Planung.

Ein Nachmessen des vorhandenen Spanplattenmaterials ergab eine Tiefe von rund 44cm bei den verfügbaren Seitenteilen, weshalb dieses Maß dann auch für die Tiefe gewählt wurde.

Die Planung erfolgte mit dieser kleinen Handskizze. Die Seitenteile werden seitlich an den Boden geschraubt, so wird die Schnittkante verdeckt. Ebenso wird der Deckel von oben auf die Seitenteile geschraubt, auch wieder um die Schnittkanten zu verdecken. Die in den Teilen vorhandenen Nuten und Bohrungen werden idealerweise auch nutzbar gemacht. Beispielsweise wird die Rückwand aus 4mm Hartfaserplatte einfach in die vorhandenen Schlitze der Seitenteile gesteckt.
Um mir das Bohren von Lochreihen für den Zwischenboden zu ersparen, werden die Seitenteile so zugeschnitten, dass die dort vorhandenen Löcher direkt weiterverwendet werden können.

Schritt 1 war das Zusägen des Bodens. Hier wurden vom vorhandenen Bodenteil die Randleisten abgelöst – sie waren nur mit Kunststoffdübeln befestigt und können nach dem Ablängen weiterverwendet werden.

Das Bodenteil wurde auf Maß gesägt und anschließend wurden die Bodenleisten wieder rundherum mit 8mm Holzdübeln befestigt. Dazu mussten 8mm Löcher gebohrt werden.

Als Tiefenbegrenzung wurde etwas Klebeband auf den Holzbohrer geklebt. Keine dauerhafte Lösung aber für das einmalige Bohren von insgesamt 6 Löchern völlig ausreichend. Leider habe ich kein Bild vom Bodenteil gemacht, aber die Dübel wurden mit etwas Weißleim bestrichen und dann mit dem Schonhammer in die Bohrungen getrieben.

Nächster Schritt war das Zusägen der Seitenteile. Hier wurden beide Seitenteile mit der gleichen Einstellung gesägt und auch beide Male an der gleichen Seite angelegt. So sind die beiden Teile absolut identisch – eventuelle Toleranzen werden ausgeglichen.

Die Konstruktion sollte ohne großen Aufwand erfolgen, weshalb ich mich für den Einsatz von Confirmat-Schrauben für den Zusammenbau entschieden habe. Dies ist eine einfache Methode die in Spanplatten recht robuste Verbindungen ergibt und mit der ich schon zahlreiche Projekte realisiert habe. Wer mehr zum Thema Confirmat-Schrauben wissen will, dem empfehle ich meinen Blogartikel <<HIER>>

Um diese Confirmatschrauben verarbeiten zu können, braucht man einen entsprechenden Stufenbohrer mit Tiefenanschlag.

Hier wurden die Teile mit den bewährten Bessey Winkelspanner miteinander fixiert, der sogar die doch erhebliche Unterschiede in der Materialdicke zwischen Seitenteil und Boden bewältigen konnte. Alles nochmal genau ausgerichtet und schon konnte das Loch gebohrt werden.

Der Bohrstaub wird abgesaugt und die Confirmat-Schraube bündig eingedreht – fertig.

Hier der Korpus nachdem alle vier Confirmat-Schrauben eingedreht waren. J

Da die Nut für die Rückwand bereits in den Seitenteilen vorhanden war, konnte ich mir das Nutfräsen ersparen.

Es wurden die Maße vom bis hier gebauten Korpus abgenommen und eine 4mm Hartfaserplatte passend zugesagt. Diese wird in die Nuten eingeschoben und übernimmt als Rückwand die wichtige Funktion, das Regal seitlich zu stabilisieren..

Damit war auch schon der Zeitpunkt gekommen, den Deckel aufzuschrauben. Dieser wurde ebenfalls aus dem Material vom Oberteil des alten Schrankes zugesägt.

Um zu verhindern dass sich die Seitenteile beim Bohren der Löcher für die Confirmat-Schrauben möglicherweise schräg verziehen, wurde der Fachboden in den Korpus eingelegt und alles auf Rechtwinkligkeit geprüft. Mit dem Winkelspanner wurde der Deckel fixiert und anschließend konnten die Löcher gebohrt werden.

 Jetzt mussten nur noch die Confirmatschrauben von oben eindreht werden und fertig war das Upcycling Regal.

Bis auf die rechte Kante des Deckels sind alle Schnittkanten unsichtbar, da die bestehende Beschichtung an allen Kanten beibehalten werden konnte. Eine Oberflächenbehandlung konnte daher entfallen.

Da das kleine Regal später mit der rechten Seite an der Wand steht, wäre die offene Seite  eigentlich unsichtbar. Ich habe mich aber trotzdem entschlossen diese Schnittkante zu versiegeln.
Aber woher bekommt man am Sonntag Nachmittag ein passendes Umleimerband?
Es wurde daher einfach ein sehr dickes, braunes Paketklebeband (welches zufällig einen sehr ähnlichen braunen Farbton hatte) in drei Lagen aufgeklebt und mittels eines Bügeleisens mit niedriger Hitze aufgebügelt. Das Ergebnis war erstaunlich gut.

Und hier ist es also, das fertige Upcycling Regal, dem auch noch ein paar Filzgleiter als Füßchen spendiert wurden. Deutlich hochwertiger als z.B. ein vergleichbares Teil von IKEA, denn hier ist nichts aus furnierter Pappe.

Um die bündig eingeschraubten Confirmat Schraubenköpfe optisch verschwinden zu lassen, werde ich noch die passenden Abdeckkappen bestellen und anbringen. Aber das kann ich später noch nachreichen.

Jetzt kommt das kleine Upcycling Regal erst mal zum Empfänger und wird dort aufgebaut.

 

Wolfram

Ähnliche Beiträge

7 Kommentare

  1. Super gemacht. Ich mach ja auch gerne aus Holzresten irgendwelche kleine Möbel. Finde es immer schade wenn ich Holz wegwerfen muss.
    Pressspanplatten muss ich aber ehrlich gestehen landen bei mir im Müll, ich finde sie einfach nur grausam. Aber wie erwähnt, für dieses Projekt sicherlich einsetzbar.

    Antworten
    1. Bei Spanplatten gibt es große Qualitätsunterschiede. Von billigem, mit Papierfurnier beklebtem Material das nicht mal ansatzweise wasserfest ist bis hin zu 25mm hochverdichteter Spanplatte mit Echtholzfurnier ist alles zu finden. Dünnes, vergibtes oder verzogenes Spanplattenmaterial werfe ich auch sofort in den Müll. Aber hier war es ein Hülsta-Schrank aus sehr hochwertiger 20mm Spanplatte von dem ich dann die großformatigen Teile gerettet habe. Haupteinsatzzweck von solchen Spanplattenmaterial in meiner Werkstatt ist aber der Bau von Vorrichtungen, Anschlägen usw. die man meist eh nur einmalig braucht. Sind diese aus quasi kostenloser Spanplatte kann man diese hinterher ohne schlechtes Gewissen entsorgen und kein Platz in der Werkstatt wird auf Dauer belegt.

      Antworten
      1. Genau, ich mach solche Hilfsmittel auch aus Abfallholz das eh entsorgt wird.

        Antworten
      2. Das sehe ich genauso. Für den Zweck eine schönes Ergebnis. Habe auch noch diverse von diesen Schrauben Zuhause. Wusste nicht, dass man dafür einen Spezialbohrer benötigt. Kannst du ein Fabrik empfehlen?

        Antworten
        1. Hallo Dirk, ich habe meine Stufenbohrer für die Confirmat-Schrauben von WÜRTH bzw. von HÄFELE gekauft. Das sind sehr hochwertige Bohrer und eine Anschaffung fürs leben. Da ich damals eine große Schrankwand damit gebaut habe, hat sich die Inverstition gerechnet, denn nichts ist ärgerlicher als eine vermurkste Bohrung in beschichtetem Spanplattenmaterial.

          Antworten
  2. Ich kenne diese Schrauben, hab sie aber noch nie verwendet. Aber warum einen Spezialbohrer ?

    Antworten
    1. Nun, man kann auch mit zwei Bohrern bohren, aber da die richtige Tiefe zu treffen und auch die Senkung sauber auszuführen ist schon eine etwas knifflige Sache. Lies Dir meinen Artikel zum Thema Confirmat-Schrauben mal durch.

      Antworten

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.