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Anschlagreiter für Festool-Anschlagschiene

Hier stelle ich meinen neuen selbstgebauten Anschlagreiter für die Festool CS70 vor, der jetzt über ein Scharnier verfügt.

Warum habe ich aber diesen Anschlagreiter selbst gebaut?

Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist der von Festool verkaufte Anschlagreiter für die Kreissäge CS70 sündhaft teuer – ein Plastikteil mit einem Blechwinkel soll knapp 40 EUR kosten. Zum anderen weil mein bisheriger selbstgebauter Anschlagreiter nur ein einfacher, fester Winkel ist.

Der alte Reiter war seinerzeit schnell gemacht und erfüllt seinen Dienst. Aber beim Ablängen von Kanthölzern mit einem vorherigen Kappschnitt ist er recht unkomfortabel, da man hier entweder den Reiter ganz entfernen muss oder aber zuerst alle Kappschnitte machen und erst dann ablängen kann.

Die Konstruktion

Da ich derzeit viel unterwegs bin und nur wenig Zeit in der Werkstatt zubringen kann, habe ich mich bei der Konstruktion für ein Teil aus dem 3D-Drucker entschieden.
So kann ich den Anschlagreiter in CAD auf meinem Laptop konstruieren, auch wenn ich nicht zuhause bin. Später dann erlaubt mir der 3D-Drucker stellvertretend für mich etwas für meine Werkstatt zu produzieren, während ich zur Arbeit bin.

Als CAD-Programm habe ich diesmal Autodesk Fusion360 eingesetzt. Das ist ein leistungsfähiges 3D-CAD mit guter Dokumentation und einer relativ steilen Lernkurve. Zudem ist das Programm für den privaten Einsatz kostenfrei.
Natürlich ist FUSION360 nicht ganz so einfach zu benutzen wie das TinkerCAD das ich bei meinem Experiment mit den Bankhaken aus dem 3D-Drucker benutzt habe, aber dafür natürlich funktional erheblich mächtiger.

Die konstruierten Teile konnte ich am PC in Fusion360 voll umfänglich auch mit den Drehachsen simulieren und so war das Ergebnis auf Anhieb ein 100% passendes Teil. Mr Spock würde hier sagen „Faszinierend“.

Zeitbedarf für die CAD-Konstruktion alles in allem rund 8 Stunden, die mehreren Etappen geleistet wurden.

3D-Druck

Der Druck der beiden Kunststoffteile in unserem Flashforge Dreamer dauerte insgesamt rund 3h. Verwendetes Filament ist PLA grün, Schichtdicke 0,18mm, Infill 25%, 4 Lagen Perimeter

Der Zusammenbau

Neben den beiden Teilen aus dem 3D-Drucker benötigt man für diesen Anschlagreiter noch folgenden Kleinteile:

  • 2 x Zylinderkopfschrauben M4*20
  • 1 x Sechskantschraiube M6*30
  • 1 x Flügelmutter M6
  • 1 x Unterlegescheibe 6mm Bohrung

Die Bohrungen in den beiden Teilen sind dabei so ausgelegt, dass die beiden M4-Schrauben in der Klappe sich selbst ein Gewinde schneiden. Im oberen Teil für die Klemmung hingegen hat die Bohrung einen Durchmesser von 4,3mm sodass dort die Schraube beweglich bleibt.

Die beiden Schrauben des Scharniers müssen dabei soweit angezogen werden, bis dieses in horizontaler Richtung spielfrei ist. Dann kann die M6-Sechskantschraube mit der Unterlegscheibe und der Flügelmutter montiert werden.

Der Einsatz

Der erste Einsatz dieses Anschlagreiters erfolgte beim Ablängen von kleinen Kanthölzern aus Buchenholz.

Erster Kappschnitt mit hochgeklappten Reiter.

Jetzt den Reiter herunterklappen und den Ablängschnitt durchführen.

Einfach perfekt!

Für Nachbauer

Wer ebenfalls Zugang zu einem 3D-Drucker hat und die STL-Dateien für diesen Anschlagreiter haben möchte, der kann diese bei Thingiverse herunterladen: http://www.thingiverse.com/thing:2127283

Dieser Reiter passt übrigens auch auf den Anschlag des Festool MFT Tisches und ebenso bei einigen der Kappex-Sägen.

4 Kommentare

  1. Hallo Wolfram,

    super Idee und toll umgesetzt! So langsam sehe ich einen Sinn in 3D Druckern…bisher habe ich das immer nur als Spielerei angesehen.

    Und Danke für den Tipp das Autodesk Fusion360 für den privaten Bereich kostenfrei ist. Ist das dann die Vollversion oder vom Funktionsumfang eingeschränkt?

    Vielen Dank fürs Zeigen und viele Grüße
    Achim

    Antworten
  2. Klaus Brandtscheit

    06/03/2017 @ 09:49

    Hallo Wolfram
    ich bin ein begeisteter Leser über Deine Blockbeiträge.
    Habe soeben Deinen Blog aboniert.
    Tolle Projekte,tolle Umsetzung und an dieser Stelle ein riesen-
    großes Dankeschön für Deine Wissensweitergabe an die
    Woodworkergemeinde.
    Danke und viele Grüße
    K.B.

    Antworten
  3. Hallo Wolfram,
    Super Idee und Umsetzung!
    Hab mich bei Zubehör von festool auch schon oft über den übertriebenen Preis geärgert…
    Wird zeit, mir auch mal so einen Drucker zuzulegen 🙂
    Viele Grüße
    Daniel

    Antworten

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