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Schrankbau im System32 – Teil 1 Planung des Korpus

Mit diesem Beitrag beginne ich eine Artikelserie in der ich den Bau eines einfachen Schrankes im System32 beschreibe.

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Das System32 ist ein Baukasten von in den Abmessungen genormten Beschlagteilen die sehr rationell den Bau von Möbeln aus Plattenmaterial erlauben. Es wurde von den deutschen Beschlagherstellern wie HETTICH, GRASS und BLUM in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und hat mittlerweile eine weltweite Verbreitung gefunden.Wenn man komplexere Möbel baut, muss man das System32 ganz strikt einhalten. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man Mobiliar mit Schubfächern, Schiebetüren, Klappen usw. baut.

Für einfachere Projekte wie diesen Schrank ist es aber ausreichend, nur die Kernmaße für Lochreihen und Beschlagteile wie Exzenterverbinder, Topfscharniere usw. einzuhalten.
Die Höhe der Seitenteile und deren Tiefe werde ich so wählen, dass ich möglichst wenig Verschnitt bei den Holzplatten habe.

Materialwahl

Da es sich hier um einen einfachen Aufbewahrungsschrank im Hobbyraum handelt, kommen als Plattenmaterial OSB-Platten mit Konti-Finish zum Einsatz. Dies hat mehrere Gründe: OSB-Platten sind sehr preiswert (Quadratmeterpreise um die 4 bis 5 EUR) und sie sind deutlich stabiler als vergleichbare normale Spanplatten. Die OSB-Platten mit Kontifinish haben eine gewachste Oberfläche und daher kann sich die Oberflächenbehandlung auf ein Minimum beschränken. Wenn man die hölzerne OSB-Optik akzeptiert, dann müssen nur die Kanten bearbeitet werden.

Weil die Schnittkanten der OSB-Platten nicht sonderlich schön sind, werden hier später Massivholzleisten aufgeklebt und bündig gehobelt.

Die meisten Beschlagteile im System32 sind für Plattenmaterial mit einer Stärke von 19mm ausgelegt, deshalb werden OSB-Platten mit 18mm gewählt. Diese werden als ganze Platten mit den Maßen 125*250cm im Holzhandel gekauft.

Aufbau des Korpus

Beim Bau eines Möbelstückes im System32 kann man den Korpus in einer Vielzahl verschiedener Methoden aufbauen. Grundsätzlich ist die Entscheidung zu treffen, ob der Korpus demontierbar bleiben soll oder ob dieser fest aufgebaut wird.

Der Vorteil eines festen Korpus ist die billigere Bauweise – hier kann man einfach die einzelnen Platten mit Flach- oder Runddübeln fest verbinden. Der Nachteil ist jedoch darin zu sehen, dass der Aufbau bei so großen Möbeln sehr schwierig werden kann, weil die Teile zu groß und schwer werden.

Hier hat ein demontierbarer Korpus klare Vorteile. Alle Bauteile können in der Werkstatt vorbereitet werden, dann kann ein Testaufbau durchgeführt werden. Anschließend kann man alle Teile wieder demontieren und anschließend das Möbelstück an der richtigen Stelle endgültig aufbauen. Auch im Falle eines Umzugs ist so eine demontierbare Bauweise sehr vorteilhaft.

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In diesem Projekt werden daher die sogenannten Exzenter-Verbinder mit Doppelzapfen eingesetzt. Diese sind hoch belastbar, vertragen einen mehrfachen Auf- und Abbau ohne Auszuleiern und sind zudem sehr einfach zu verarbeiten.

Die Planung des Korpus

Der Schrank soll eine Breite von 338cm bekommen. Dazu gehe ich wie folgt vor: Zuerst lege ich die Aufteilung der Schrankfächer fest. Hier möchte ich zwei breite Fächer mit zweiflügeligen Türen und dann rechts und links jeweils zwei Reihen mit kleineren Fächern sowie einfachen Türen

Um das Plattenmaterial optimal auszunutzen, empfehlen sich Maße die sich gut auf die 125cm Breite abbilden lassen. Dies sind Breiten von 30, 40 oder 60cm. Je nach Schnittbreite der Säge kann man noch den einen oder anderen Zentimeter dazugeben.

Mit der oben genannten Aufteilung werden 7 Seitenteile und jeweils 8 kleine Ober- und Unterteile sowie 4 große Ober- und Unterteile benötigt. Um das verfügbare Plattenmaterial optimal zu nutzen, werden die Seitenteile 41cm tief ausgelegt. Damit können aus jeder Platte drei Streifen geschnitten werden.

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Die Breite der großen Schrankfächer wird mit 80cm angenommen, die Breite der schmalen Fächer mit 40cm. Um die Berechung einfach zu machen, addiere ich alle Maße einfach zusammen. Damit ergibt sich folgendes Gesamtmaß:

18+400+18+400+18+800+18+800+18+400+18+400+18=3326mm

Die 18mm sind die Materialstärke der Seitenwände, 400mm und 800mm die jeweiligen Fachböden.

Wir haben also noch rund 4cm Platz. Damit bietet es sich an, die Breite der schmalen Fächer von 40 auf 41cm zu vergrößern. Damit ergeben sich dann die folgenden Maße:

18+410+18+410+18+800+18+800+18+410+18+410+18=3366mm

Der Schrank wird damit 336,6cm breit und kommt dem geplanten Maß von 337cm sehr nahe.

Die Höhe des Schrankes ohne Sockel wird auf 200cm festgelegt. Um einen solchen hohen Korpus zu stabilisieren, empfiehlt es sich, nicht nur oben und unten sondern auch in der Mitte einen mit Exzenterverbindern versehenen Boden einzusetzen.

Es ergibt sich daher für den Bau des Korpus folgende Schnittliste:

  • 12 Platten 41*41cm (Kleine Fachböden)
  • 6 Platten 41*80cm (Große Fachböden)
  • 7 Platten 41*200cm (Seitenteile)

Da alle Teile 41cm breit sind können die 18mm OSB-Platten entsprechend aufteilt und abgelängt werden. Aus 4 OSB-Platten kann so der ganze Korpus gebaut werden.

Planung der Türen

Um die Maße der Türen zu bestimmen, muss zuvor der Typ der verwendeten Topfscharniere festgelegt werden. Ich verwende hier das INTERMAT von HETTICH. Es ist leicht erhältlich, preiswert und sehr robust.

Die Türen des Schrankes sollen auf dem Korpus aufliegen. Damit diese sich ungehindert bewegen können, ist bei diesen Scharnieren laut Datenblatt ein Luftspalt von 2mm nötig.

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Wenn allerdings zwei Scharniere an ein und dem selben Seitenteil montiert werden, wie dies z.B. bei Fächern zweiflügeligen Türen der Fall ist, werden die Luftspalte verdoppelt.

Der Aufschlag auf dem Korpus ist daher wie folgt:

16mm an den äußeren Seitenteilen, 8mm an den Seitenteilen mit nur einem Scharnier, 7mm an den Seitenteilen mit zwei Scharnieren. Damit ergibt sich für die Türen folgende Abfolge der Maße in mm:

16+410+8 8+410+7 7+400 400+7 7+400 400+7 7+410+8 8+410+16

Aufsummiert sind dies jeweils:

434    425   407   407    407  407  425  434

Es werden also je zwei Türen mit einer Breite von 43,4cm und 42,5cm benötigt sowie vier Türen mit einer Breite von 40,7cm. Die Höhe ist mit den Seitenteilen identisch, also 200cm.

Da die Schnittkanten mit einem 5mm breiten Massivholzumleimer versehen werden sollen, kann von den Maßen jeweils 1cm abgezogen werden.

Die Schnittliste für die Türen:

  • 2 Stück 424 * 200 cm
  • 2 Stück 415 * 200cm
  • 4 Stück 397 * 200 cm

Damit ist die Planung der Maße der Holzteile dieses Schrankes abgeschlossen und es kann im nächsten Schritt mit dem Zuschnitt begonnen werden.

Anschließend folgt das Bohren der Löcher nach den Vorgaben des System32 für das Befestigen der Beschläge.

Hier alle Artikel dieser Serie Schrankbau im Überblick:

Schrankbau im System32 – Teil 1 Planung des Korpus
Schrankbau im System32 – Teil 2 Zuschnitt der Holzplatten
Schrankbau im System32 – Teil 3 Anleimen der Massivholzkanten
Schrankbau im System32 – Teil 4 Die Verbindungsbeschläge
Schrankbau im System32 – Teil 5 Topfscharniere
Schrankbau im System32 – Teil 6 Der Aufbau
Schrankbau im System32 – Teil 7 Fragen und Antworten

 

6 Kommentare

  1. Hi Meister Wolfram,
    Endlich mal was brauchbares in Puncto Schrankplanung und -bau für Heimwerker, das meine Fragen größtenteils beantwortet.
    Ich plane einen Einbauschrank in der Zimmernische von Fläche 76×250 cm, mit fallender Höhe von 235 auf 190 cm v.l.n.r.
    Diese Tiefe ist natürlich unübersichtlich bei Fachböden, daher wären da Schubladenauszüge besser.
    Ich überlege noch, ob 19 mm Fichten Zuschnittplatten oder Tischlerplatten für die Korpusse, und ob Sytem 32 hilfreich wäre. Das zerlegbare System hat natürlich auch seine Vorteile bei meiner kleinen niedrigen Kellerwerkstatt.
    Ich dachte erst, Du seist ein Tischler, aber dem ist offenbar nicht so.

    Etwas kryptisch finde ich die Planungsseite deines Schrank-Bogs, da habe ich noch nicht alles kapiert
    …ich plage mich dagegen mit dem gratis 3D-Tool „Sketch up“, aber das ist mir irgendwie zu kompliziert.

    Antworten
  2. Oh jeh: von Intermat Topfscharnieren + Kreuzplatten gibts ja scheinbar endlos Varianten, aber welche soll ich nehmen?
    Für einen Kleiderschrank mehrteilig

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