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SEOGEO Plattenfräse – eine CNC für den Möbelbau – Teil 1

Der Entschluß ist gefasst: Ich baue eine CNC Fräse für den Möbelbau! Mit diesem Artikel beginne ich den Bau- und Erfahrungsbericht, der sich sicherlich über mehrere Beiträge erstrecken wird.

Warum baue ich eine CNC-Fräse für den Möbelbau?

Mit der CNC Technik habe ich ja schon einige Erfahrungen gesammelt. Meine erste CNC Maschine war die kleine EAS EASY300. Eine sehr robuste Fräse die ich im Jahr 2010 für den Einsatz mit Modellbau gekauft hatte. Ich bin mit dieser CNC Fräse sehr zufrieden, aber der Arbeitsbereich von 300*800mm ist für viele Anwendungen beim Holzwerken einfach zu klein.

Als Lösung hatte ich mir dann im vergangen Jahr eine SHAPER Origin gekauft. Damit kann man theoretisch beliebig große Werkstücke bearbeiten und auch der Platzbedarf wenn die Maschine nicht verwendet wird, ist gering. In Verbindung mit der SHAPER WORKSTATION hat man dann ein wirklich sehr vielseitiges Werkzeug.

Allerdings haben sich beim Arbeiten mit der SHAPER Origin einige (für mich) gravierende Nachteile gezeigt:

  • Die Frässpindel ist mit Ihren 700 Watt recht schwach und man muß teilweise sehr viele Durchgänge mit geringer Zustellung fräsen. Das ist sehr zeitaufwändig.
  • Die SHAPER kann keine 3D-Konturen fräsen. Es ist eine gute Maschine um Plattenmaterial zu bearbeiten oder mit der SHAPER STATION Zapfen und Zinken zu fräsen. Wenn man aber ein Relief, gekrümmte Vertiefungen oder ähnliches fräsen möchte, ist dies (zumindest derzeit STand Juni 2021) nicht möglich.
  • Die SHAPER ORIGIN ist ein handgeführtes Werkzeug. Das bedeutet dass man selbst der „Stellmotor“ für die Fräse ist, weil diese ja nur im Bereich von 25x25mm selbst die Spindel bewegen kann. In der Folge steht man auch immer selbst am Werkstück. Gerade beim anfertigen vieler gleichartiger Teile ist das ein wenig ermüdend. Bei einer 3-Achs CNC Fräse läuft die Maschine alleine und man kann in der Zwischenzeit andere Arbeiten ausführen.
  • Der CAD/CAM-Workflow ist bei der SHAPER Origin durch den Einsatz von SVG-Dateien sehr einfach gehalten. Das hat den Vorteil dass man es schnell erlernen kann, aber auch den Nachteil dass man z.B. den Fräsvorgang der Teile vor dem echten Fräsen nicht am PC simulieren kann. Gerade bei teueren Werkstoffen ist das aber wünschenswert, um hier mögliche Fehler nicht erst am fertigen Werkstück zu erkennen.

Meine Anforderungen an die Fräse

Bei der Frage welche Fräse ich den bauen werde, waren zunächst die Anforderungen zu klären. Der wichtigste Punkt war dabei die Größe des Arbeitsbereiches. Dieser soll so groß sein, dass eine handelsübliche Multiplex-Platte mit den Abmessungen 125*250cm im Ganzen bearbeitet werden kann.

Des weiteren stand der Wunsch nach einer leistungsfähigen Frässpindel mit mindestens 2KW auf dem Plan. Die KRESS Frässpindel mit Ihren 1100 Watt kommt bei der einen oder anderen Anwendung doch recht schnell an Ihre Grenzen

Und zu guter Letzt: Die betriebsfertige CNC Fräse Projekt sollte deutlich unterhalb eines 5stelligen Budgets bleiben.

Die möglichen Optionen

Ich habe dann verschiedene Anbieter von CNC-Maschinen und CNC-Bausätzen mir angeschaut, die solch große Maschinen zu einem überschaubaren Preis anbieten.

Zunächst hatte ich ja mit der SmartBench von YetiTool im Vertrieb von SAUTER Shop geliebäugelt. Die Maschine hatte ich ja auf Holzwerken Live im Jahr 2019 in Aktion bewundern können.

Vorteil dieser Fräse ist der große Arbeitsbereich und die Tatsache, dass man die Maschine abbauen kann. Es ist also kein großer, permanenter Platzbedarf vorhanden. Nachteil ist die doch relativ schwache Spindel und der Umstand wie das Material geklemmt wird. Für das Bearbeiten von Plattenmaterial sicher eine gute Lösung, aber eben doch mit einigen Kompromissen zugunsten der Portabilität. Pluspunkt: Die Yeti-Fräse kommt ohne PC oder Laptop aus, sie hat eine eigene Steuereinheit.

Des weiteren habe ich mir die großen CNC-Fräsen von SOROTEC und von MECHAPLUS angeschaut. Beide Anbieter haben Maschinen mit Arbeitsbereichen von 1000*2000mm im Angebot. Bei SOROTEC ist dies die AluLine Heavy Serie, die als Mechanik-Bausatz erhältlich ist und dann individuell mit den entsprechenden Komponenten wie Schrittmotor, Steuerung, Frässpindel etc. ausgerüstet wird. Eine sicherlich sehr schöne und leistungsfähige CNC-Fräse, die aber bis zur Fertigstellung schnell ein 5-stelliges Budget erfordert.

Die Alternative wäre dann eine Maschine der ProVario Serie von MECHAPLUS gewesen. Allerdings ist hier die Maschinengröße bautechnisch auf 2000mm limitiert. Auf Anfrage produziert MECHAPLUS auch größere Versionen der Maschine und auch sonst muss ich die fachliche Kompetenz von Herrn Pech loben. Auf seiner Facebook-Gruppe „Hobbyfräsen“ sind viele wertvolle Informationen rund um das Thema CNC Fräse zu finden.

Und dann bin ich bei der Internet-Recherche auf die CNC-Plattenfräse von SEOGEO gestoßen. Eine Maschine die von Anfang an kompromisslos auf die Bearbeitung von ganzen Sperrholzplatten bzw. Möbelbauteilen ausgelegt wurde. Da diese CNC-Fräse einen Antrieb mittels Zahnstangen hat, kann die Maschine theoretisch sehr groß gemacht werden, da es keine Längenbeschränkungen wie bei Kugelumlaufspindeln gibt. Der Nachteil ist natürlich die etwas geringere Wiederholgenauigkeit die das zur Folge hat, aber im Möbelbau kann man damit leben.

Und was dann noch sehr angenehm war: Daniel Seoane Boga, der hinter der Fa. SEOGEO steht, wohnt in Neckarsulm – also keine 5km von mir entfernt.

Also gleich einen Termin vereinbart und die Maschine vor Ort in Augenschein genommen.

Wir haben dann eine Weile zum Thema CNC und Holzbearbeitung auf mit einer CNC Maschine gefachsimpelt und auch ein paar kleinere Fräsungen gemacht. Die mit dem Zahnstangenantrieb erreichbare Genauigkeit hat mich sehr überrascht – sie liegt wie bei meiner kleinen EAS Fräse im Bereich von um die 0,05-0,07 mm – also mehr als ausreichend.

Die CNC Fräse von SEOGEO wird ebenfalls als Bausatz angeboten, wobei Daniel nur die „kritischen“ Bauteile selbst verkauft. Das sind hier die CNC-gefrästen Alu-Bauteile und die Zahnstangen.

Die großen Baugruppen wie z.B. die Aluminiumprofile sind als fertiges SEOGEO-Set bei DOLD-Mechatronik zu bekommen, ebenso gibt es bei ACT-Motors ein komplettes Antriebsset mit Netzteilen, Servomotoren und den passenden Steuergeräten.

Für alle weiteren Bauteile gibt es von Daniel eine Liste der Lieferanten mit genauer Typenbezeichung. Man kann sich diese Teile dann beim Lieferanten seiner Wahl bestellen.

Und so kam was kommen musste, ich habe mir den Teilesatz für eine SEOGEO Fräse gleich mitgenommen.

Jetzt aktuell ist die Beschaffung der Bauteile in vollem Gange. Der erste Schritt wird der Aufbau des Schaltschrankes sein, da die mechanischen Bauteile doch aktuell etwas längere Lieferzeiten haben.

Weitere Berichte werden folgen.

3 Kommentare zu “SEOGEO Plattenfräse – eine CNC für den Möbelbau – Teil 1

  1. Sven Liebrich

    Hallo Wolfram,

    ich verfolge deinen Blog nun schon seit einigen Jahren mit großem Interesse.
    Deine Themen sind sehr Interessant und informativ!
    Diese große Fräse baust du dir dann nur für den Eigenbedarf?
    Eine andere Frage ich hatte mal ein Bild von gedruckten MPCNC Teilen bei dir gesehen, hast du das Projekt verworfen?

    Viele Grüße und weiter so!
    Sven

    • Hallo Sven, die Fräse baue ich zusammen mit meinem ältesten Sohn weil wir für das kommende Jahr ein paar größere Projekte geplant haben. Und ja, das ist für den „Eigenbedarf“ – lässt sich im Fall der Fälle aber sicher auch gut verkaufen. Die MPCNC hatte ich mal ins Auge gefasst, weil ich eine CNC Fräse mit größerer Arbeitsfläche bauen wollte. Ich hatte auch schon begonnen, die Kunststoffteile auszudrucken, habe das Projekt MPCNC aber dann nicht wirklich begonnen. Grund dafür ist zum einen dass diese Maschinenmechanik aus 3D-Druckteilen bei einem größeren Arbeitsbereich (geplant war 1*1,5m) einfach zu weich und zu ungenau wird. Ich hatte eine MPCNC bei einem Bekannten in Augenschein nehmen können und danach war klar, dass das für meine Ansprüche im Möbelbau nix wird. Und der Zeitaufwand den man in eine MPCNC stecken muss ist praktisch der gleiche den auch eine stabile Maschine erfordert. Daher haben wir lieber ein wenig gespart und bauen jetzt „was richtiges“.

  2. […] Bau meiner neuen CNC-Fräse habe ich mich für den EInsatz des MASSO G3 CNC-Controllers entschieden. Der Grund dafür ist der […]

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