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So lassen sich klebrige Hartölreste entfernen

Das Anwenden von Hartöl auf Holzoberflächen ist eigentlich nicht sonderlich kompliziert. Trotzdem passiert es gelegentlich, dass etwas schief geht und die Oberfläche klebrig bleibt.

Da mich immer wieder Fragen erreichen, wie man eine klebrig gebliebene Hartöl-Behandlung wieder korrigieren kann, beschreibe ich hier meine Vorgehensweise.

Um klebriges Hartöl zu entfernen, kann man verschiedene Wege gehen. Man kann es abschleifen, abschaben oder auch abreiben. Das Abschleifen ist die radikalste Methode, die allerdings auch ein hohes Risiko beinhaltet, die Holzoberfläche dauerhaft zu beschädigen weil man z.B. Dellen ins Holz schleift. Zudem verstopft das Schleifpapier mit klebrigem Hartöl sehr schnell und daher ist man dann geneigt, ein zu grobes Schleifpapier zu benutzen.

Das Gleiche gilt für das Abschaben. Auch hier ist die Gefahr groß, die Holzoberfläche zu beschädigen.

Die von mir favorisierte Methode ist das maschinelle Abreiben, die ich nachfolgend beschreibe. Das ist recht schonend und minimiert das Risiko, die Holzoberfläche zu beschädigen.

Die Arbeitsmittel

Ich benutze zum Abreiben einen Exzenterschleifer mit einem passenden Polierfilzteller, ein entsprechendes Lösungsmittel und natürlich genügend saugfähige Putzlappen.
Man kann es auch von Hand versuchen, aber offen gesagt, das ist nur für ganz kleine Flächen praktikabel. So ein Exzenterschleifer kostet nicht sehr viel und sollte eigentlich in keiner Werkstatt fehlen.

An den Exzenterschleifer selbst werden keine Besonderen Ansprüche gestellt. Er sollte lediglich eine ausreichend hohe Drehzahl mit einem entsprechend starken Motor bieten, damit die Filzplatte auch wirklich rotiert. Falls der Exzenterschleifer eine Drehzahlregelung hat, dann bitte auf maximale Drehzahl stellen.

In der Regel genügt ein einfacher Exzenterschleifer mit einem 125mm Teller, wenn man z.B. eine Tischplatte oder ein anderes Möbelstück bearbeiten möchte. Sobald man aber größere Flächen wie z.B. einen Fußboden behandeln möchte, empfehle ich möglichst den Einsatz eines Exzenterschleifers mit einem 150mm Schleifteller. Die Zeitersparnis mit dem größeren Schleifteller ist hier nicht unerheblich.

Als Lösungsmittel muss man ein Mittel einsetzen, dass die im Hartöl enthaltenen Wachse und Silikone lösen bzw. erweichen kann. Dafür kann man die zum jeweiligen Hartöl passende Verdünnung benutzen oder aber ein Reinigungskonzentrat aus Orangenschalenöl. Teilweise funktioniert auch Waschbenzin.

Recht gute Erfahrungen bei den verschiedensten Hartölen habe ich mit der EV-Verdünnung von Clou gemacht.

Was nach meiner Erfahrung gar nicht funktioniert sind klassische Lösungsmittel wie Aceton, Nitroverdünnung etc.

Es werden dann noch entsprechende Polierplatten aus Hartfilz benötigt, die zum jeweiligen Exzenterschleifer passen. Dabei möglichst die harte Variante benutzen.
Diese Polierfilze sind in der Regel ein wenig größer als der Schleifteiler. Bei einem 125mm Teller sind es 130mm, bei einem 150mm Teller sind Hartfilzplatten mit 160mm empfehlenswert. Diese stehen dann am Rand ein wenig über, was das Risiko senkt, beim Schleifen an Innenkannten das Holz zu beschädigen.

Wollpads wie hier links auf dem Bild gzeigt sind nach meiner Erfahrung weniger geeignet, diese sind einfach nicht hart genug um das klebrige Hartöl abzunehmen.

Als Putzlappen sind am besten solche aus Baumwollstoff geeignet. Ich verwende alte T-Shirts, Unterhemden oder Bettbezüge, die ich in ca. DIN-A4 Große Stücke zerteile.

Davon sollte man je nach Größe der zu bearbeitenden Fläche einen ausreichenden Vorrat parat haben.

So geht es

Bei Arbeiten mit dem Lösungsmittel auf jeden für gute Lüftung sorgen. Idealerweise im Freien oder auf dem Balkon arbeiten. Egal welches der oben genannten Lösungsmittel man verwendet, alle haben einen Duft der nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Die Vorgehensweise hängt davon ab, wie alt der klebrige Hartöl-Auftrag ist. Sind erst 2-3 Tage vergangen, kann man die klebrige Fläche mit einem Lappen und reichlich EV-Verdünnung einstreichen. Danach dann mit dem Exzenterschleifer und dem Polierfilz das klebrige Öl abtragen. Falls man Orangenölreinigungskonzentrat verwendet, dieses mit dem Pinsel auftragen, ca. 10-20 Minuten einwirken lassen, dann mit Lappen abwischen. Anschließend die Prozedur mit dem Exzenterschleifer und Polierfilz wiederholen.

Ist die klebrige Schicht schon etwas älter, tränke ich die Putzlappen mit Orangenölkonzentrat und lege diese auf die betreffenden Stellen. Das lasse ich dann ca. 1h einwirken. Wichtig: Kein direkter Sonnenschein, sonst trocknet das Orangenölreinigungskonzentrat und wirkt nicht richtig. Anschließend auch hier wieder mit dem Lappen abreiben und anschließend mit dem Polierfilz die verbliebenen Ölrückstände abtragen.

Gegebenenfalls muss die Anwendung mehrfach wiederholt werden. Zudem ist es auch ratsam, mehrere Polierfilze für den Exzenterschleifer parat zu haben, da sich diese teilweise mit Öl zusetzen. Oft kann man diese dann mit EV-Verdünnung wieder ein wenig reinigen, aber wenn die Oberfläche gesätigt ist, muss ein neuer Filz auf die Maschine.

Und ja, das ganze ist trotz Einsatz von Elektrowerkzeuge eine elende Arbeit und dauert einfach seine Zeit. Aber mit dieser Vorgehensweise bleibt die Holzoberfläche unbeschädigt.

Falls meine Leser noch andere Tipps haben wie man klebriges Hartöl entfernen kann, immer her damit. EInfach unten einen Kommentar hinterlassen.

Empfehlenswerte Arbeitsmittel

Nachfolgend zeige ich die von mir erfolgreich eingesetzten Arbeitsmittel beim Entfernen von klebrigen Hartöl-Resten.

Die EV-Verdünnung von CLOU ist mein bevorzugtes Lösungsmittel zum Entfernen von klebrigen Hartöl-Rückständen:

Alternativ das Orangenölreinigungskonzentrat, das ebenfalls recht gut funktioniert:

Hier die Polierfilze von BOSCH professional. Diese sind sehr robust und langlebig. Hier immer die harte Variante wählen.

Dies ist die 128mm Variante mit Klett, die auf die alle Heimwerker-Geräte mit 125er Schleifteller passt:

Hier die 160mm Variante für große Exzenterschleifer:

Und hier noch der BOSCH Exzenterschleifer PEX 400 AE. Eine Maschine mit guter Leistung und angenehmer Handhabung die ich gerne benutze:

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4 Kommentare

  1. Normalerweise nehme ich ein Öl, mit dem so etwas nicht passiert. Ich bin dann einmal “fremd gegangen” und habe Danish Oil genommen und damit ein Bett geölt. Am Tag darauf war das Entsetzen groß. Ich habe das Bett mit einer hohen Körnung abschleifen müssen und bin dann noch einmal mit einer dünnen Schicht eines anderen Öls darüber gegangen. Das habe ich auch mit einer Filzscheibe “eingeschliffen”.
    Das Ergebnis war dann sehr gut. Die Haptik der Oberfläche ist so, als würde man ein Kunststoff Holzimitat anfassen.
    Ich habe sehr gute Erfahrungen mit einem Hartöl der Firma naturalfarben.de gemacht. Der Preis ist zwar deutlich höher, wenn man das Öl nach eine Weile abwischt, passiert so etwas nicht. Das Öl hatte Heiko Rech einmal vorgestellt.
    Danish Öl verwendet ich aber auch noch, aber starkes Abreiben ist Pflicht. Ich nehme immer eine Küchenrolle.

    Antworten
  2. Marco Röscher

    09/11/2019 @ 18:50

    Hallo liebe Handwerkprofis,

    ich habe eine Bitte und zu gleich eine Frage zu Ihrer Meinung was ich tun kann, nach dem folgendes Problem bei mir aufgetreten ist:

    Ich habe neue Dielen im Wohnzimmer (geschliffen bei 240) verlegt. Danach habe ich diese Dielen mit Hartwachsöl gestrichen. Nach etwa 24 Stunden später, habe ich die zweite Schicht Hartwachsöl aufgetragen. Das sah danach wunderbar aus…

    Nun zeigt sich nach und nach das Problem:
    Nach ein paar Monaten Wohnen & Leben in dem Raum, beginnt sich nun die zweite Schicht Hartwachsöl von der ersten, unteren Schicht zu lösen. Es ist wie eine dünne Folie, welche man abziehen kann. Stück für Stück blättert etwas ab – mal ganz winzig, mal etwas größer. Das ist ganz unangenehm, da man vor allem auch barfuß, nun immer ein paar Öl-„Schnipsel“ am Fuß kleben hat.

    Haben Sie eine Idee, wie man das recht einfach beheben kann? Kann man mit einem Trick die oberste Schicht komplett lösen oder abkratzen? Oder sollte ich sogar nochmal darüber streichen, damit dies noch besser „zusammenklebt“?

    Und inwiefern ist Ihrer Meinung nach Hartwachsöl giftig? Wenn zum Beispiel mal ein Stück Käse auf die Dielen fällt und dann klebt ein Stück Öl-„Folie“ an dem Käse und man isst dies?!

    Ich bitte Sie um einen hilfreichen Rat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Marko Roscher

    Antworten
    • Hallo Marco,
      hast Du eine Fußbodenheizung? Mir scheint dass das zuerst von Dir aufgetragene Hartöl schon voll ausgehärtet war, als Du die zweite Schicht aufgetragen hast. Oder Deine Fußbodendielen waren zuvor mit Kunstharz, Lack o.ä. versiegelt – dann kann das Hartöl nicht ins Holz einziehen. Ein Anschliff mit 240er Papier reicht da nicht. Es bildet dann eine Hartwachsschicht auf der versiegelten Oberfläche. Die löst sich aber wieder wie von Dir beschrieben.

      Um des abzubekommen probiere mal folgendes: Paketklebeband aufkleben, gut anreiben, eine Stunde warten und dann wieder abziehen. Mit etwas Glück geht die Hartwachsschit mit ab.

      Ob das Hartwachs “giftig” ist, höngt vom Fabrikat ab. Ich empfehle dazu den Hersteller mal anzurufen.

      Antworten

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