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Minifrästisch für Makita RT0700

Ein kleiner Minifrästisch ist ein nützlicher Helfer in der Werkstatt. Gerade wenn es um das Bearbeiten von Kanten und Nuten an kleinen Werkstücken geht ist so ein kleiner Frästisch sehr hilfreich.

Hier stelle ich meine Version eines sehr schnell zu bauenden Minifrästisches für die Makita RT0700 vor, die ich in den letzten Wochen konstruiert habe.

Konstruktionsvorgaben

Minifrästische gibt es ja in unzähligen Varianten – zahlreiche Videos auf Youtube sind zu finden. Teilweise sind da auch echte Schmuckstücke. Ich wollte aber eine Konstruktion haben die einfach und schnell zu bauen ist. Für mich ist der Möbelbau das Ziel, der Minifrästisch ist nur ein Hilfsmittel.

Bei der Planung und Konstruktion des Minifrästisches habe ich daher folgende Ziele verfolgt:
– Geeignet für die Makita RT0700 Oberfräse und ihre Varianten
– Einfaches einsetzen und herausnehmen der Oberfräse mit Grundplatte
– Anschluß für eine Staubabsaugung
– Einsatz von hochwertigen Materialien für lange Lebensdauer

Die Tischplatte

Das wichtigste Bauteil eines jeden Frästisches ist die Tischplatte. Diese ist idealerweise gerade und möglichst glatt. Ich habe daher zu einem Stück 21mm starker Siebdruckplatte gegriffen. Warum 21mm? Ganz einfach weil dies gnügend „Fleisch“ hat um das Einlassen von Nutschienen zu ermöglichen, ohne dass die Stabilität verloren geht.

Da ich meine kleine Makitafräse fast nur noch in Verbindung mit der großen Grundplatte benutze sollte diese Einheit komplett in den Frästisch eingesetzt werden können. So kann ich mir langwieriges Herumschrauben ersparen bei Wechsel zwischen Minifrästisch und Handbetrieb.

Die nächste Frage ist die Größe der Tischplatte. Meine Platte hat die Abmessungen 40 * 26 cm. (Woher diese Maße kommen? Die Antwort für Kenner lautet: 42) Spaß beiseite: Ich wollte dass der Fräserschaft so ausgerichtet ist, dass dieser möglichst in der Mitte der Tischplatte positioniert wird. Das ist in meinen Augen wichtig, um eine größtmögliche Flexibilität beim Positionieren von Werkstücken zu haben.

Daher habe ich eine für die Grundplatte passende ovale Öffnung vorgesehen, die der Kontur der Grundplatte entspricht.

Die zeichnerische Konstruktion der Tischplatte erfolgte direkt in der CAM-Software VCarve pro mit der ich auch die Steuerungsdaten (G-Code) für die CNC-Fräse erzeuge.

Für den ersten Test habe ich die Tischplatte aus einem Reststück MDF gefräst um die Toleranzen für Grundplatte und Nutschienen zu überprüfen.

Nach Begutachtung des Testobjektes wurde die Konstruktion noch weiter optimiert. Die Anschlagschienen habe ich auf die Hälfte reduziert um vorne eine durchgängig glatte Auflage zu bekommen. Weiterhin ist hinten eine Auflage vorgesehen, an der bei Bedarf die Grundplatte festgeschraubt werden kann.

Anschließend folgte das Fräsen der endgültigen Version aus Siebdruckplatte. Hier ein Blick auf die glatte Oberseite.

Die Montage des Fräskorbs mit Grundplatte zeigte die weiteren konstruktiven Herausforderungen für die Unterseite. Um die Absaugung montieren zu können, sind hier einige Aussparungen nötig.

Glücklicherweise bietet VCarve pro von Vectric die Möglichkeit, auch zweiseitige Werkstücke zu bearbeiten. Es wurden dann entsprechende Ausparungen eingefräst.

Da die Unterseite der Siebdruckplatte ebenfalls eine Beschichtung hat, wurde diese bei der Gelegenheit noch partiell abgefräst um eine Klebefläche für den Unterbau zu schaffen.
Hier ein Blick auf die Unterseite der Frästischplatte.

Damit war die Konstruktion des Herzstückes des Minifrästischs abgeschlossen.

Der Unterbau

Durch die Größe der Tischplatte ist auch die Größe des Unterbaus vom Minifrästisch vorgegeben. Und weil das Maß noch auf der Tischkreissäge eingestellt war, habe ich einfach einen langen 26cm breiten Streifen einer 18mm starken Multiplexplatte zugesägt, aus dem dann die beiden Seitenteile mit den Abmessungen 26*26cm, der Boden mit 40*26cm und die Rückwand mit 26*15 cm gefertigt wurden. Damit ergibt sich ein Abstand von 26cm zwischen den beiden Seitenteilen.

Die trockene Passprobe der Teile gab dann eine erste Vorstellung von den Dimensiones des Minifrästisches.

Der nächste Schritt war das Anzeichnen verschiedener Aussparungen. Dies war ein seitlicher Durchlass für den Schlauch der Absaugung, da ich die Makita Fräse im Minifrästisch von unten absauge.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Die wollte auch beim Arbeiten ohne Fräsanschlag eine funktionierende Absaugung, weil sonst der ganze Staub in die Öffnungen der Makita Frässpindel fällt. Das gleiche Problem besteht auch wenn man verdeckte Nuten fräst.

Um die Position des seitlichen Auslass zu definieren wurde einfach mit einem am Rohr anliegeden Bleistift herumgefahren und so die ungefähre Position des Auslasses angezeichnet. Die Öffnung wurde auf ca. 6cm im Quadrat vergrößert ausgeführt.

Zum anderen habe ich eine Öffnung in der Bodenplatte ausgespart, um später das Wechseln der Frässpindel zu erlauben ohne die Fräsplatte aus dem Tisch herausnehmen zu müssen, falls diese verschraubt ist.

Auch diese beiden Teile habe ich dann kurzerhand mit der CNC Fräse bearbeitet, weil meine Dewalt-Stichsäge gerade an einen meiner Söhne verliehen war.

Alle Aussparungen und die vordernen Kanten wurden noch mit einem 2mm Radiusfräser abgerundet und verschliffen.

Der Zusammenbau

Die Montage des Frästisches war sehr einfach zu bewerkstelligen. Begonnen wird mit dem Unterbau. Zunächst Leim auf die Seitenteile auftragen, diese mit der Rückplatte ausrichten und mit Einhandzwingen fixieren.

Die Löcher für die Senkkopfschrauben 4*40 vorbohren, ansenken. Um das Bohren der Löcher zu erleichtern empfiehlt es sich eine Mittellinie aufzuzeichnen. Die Löcher sind freihändig mit einem 3mm Holzbohrer vorgebohrt.

Nochmals prüfen ob alles winklig ist und anschließend verschrauben. Fertig.

Die Verschraubung der Frästischplatte mit dem Unterbau erfolgt durch die Nuten der Nutschienen. Es muss nur ausreichend tief gesenkt werden, dass die Schraubenköpfe bündig sind.

Der Fräsanschlag

So ein Minifrästisch braucht natürlich einen Fräsanschlag. Um diesen befestigen zu können werden zwei 17mm breite und 15cm lange Alu-Nutschienen in die Frästischplatte eingelassen. Zunächst wollte ich diese einkleben, habe mich aber doch für das Verschrauben der Nutschienen entschieden. Dazu habe ich kleine Senkkopfschrauben der Größe 2*15 verwendet.

Der Fräsanschlag selbst ist ein einfacher Winkel aus zwei Streifen 15mm starke Siebdruckplatte. Um diesen verkleben zu können, wurde unten ein 15mm breiter Streifen der Beschichtung abgefräst.

Vor dem Verkleben des Fräsanschlages wurden noch mit einem 35mm Forstnerbohrer zwei Aussparungen gebohrt. So kann der Anschlag auch mittig über den Fräser geschoben werden.

Die Befestigung des Fräsanschlages erfolgt über M8-Sechskantschrauben die in die Nutschienen eingeschoben werden.

Mit zwei M8-Flügelmuttern und Unterlegscheiben kann der Anschlag fixiert werden.

Der fertige Minifrästisch

Hier ein Blick auf den fertigen Minifrästisch. Die Bodenplatte hat rechts und links absichtlich diese beiden Überstände. Damit kann im Falle eines Falles der Minifrästisch mit Zwingen an der Werkbank fixiert werden.

Erste Tests haben gezeigt dass die Absaugung von unten sehr wirkungsvoll ist, auch wenn mit dem Fräsanschlag gearbeitet wird. Als Sauger habe ich meinen Starmix iPulse im Einsatz.

Hier ein Blick auf die Rückseite des einsatzbereiten Minifrästisches:

Zur Sicherheit habe ich die Fräsplatte mit einer Spax 4*15 Senkkopfschraube an der Tischplatte fixiert. Das ist zwar nicht zwingend nötig, reduziert aber die Vibrationen gegenüber einer lose eingelegten Platte.

Hier ein Blick auf den gekippten Minifrästisch. Dank der Öffnung im Boden lässt sich die Spindel problemlos herausnehmen.


Mit den gegebenen Abmessungen passt auch die Akkuvariante der Makitafräse in den Frästisch.

Du willst auch so eine Tischplatte?

Während ich mit dem Bau meines Minifrästisches beschäftigt war  besuchte mich einer meiner Holzwerker-Kollegen – übrigens der erste der auch seinerzeit eine der vergrößerten Makita Grundplatten von mir bekommen hatte – und wollte natürlich sofort auch so eine CNC-gefräste Tischplatte haben. Glücklicherweise hatte ich noch genug 21mm Siebdruckplatte vorrätig – und eine Stunde später hatte auch er eine solche Minifrästischplatte in Händen.

Es kam natürlich wie es kommen musste. Kurz darauf haben noch weitere Holzwerker-Kollegen nach dieser Platte gefragt. Daher haben wir eine Kleinserie von 10 Stück dieser Minifrästischplatten auf der CNC-Fräse gefertigt. Davon sind jetzt noch 6 Stück übrig, die anderen sind bereits vergeben.

Wir geben die verbliebenen Platten für 48 EUR pro Stück inklusive Versand in Deutschland ab. Aufgrund der höheren Versandkosten nach Österreich, Schweiz und andere EU-Länder kostet es hier 52 EUR pro Stück.

Update 20.9.2020: Es sind alle Tischplatten vergeben. Bei entsprechendem Interesse fräsen wir in den Herbstferien nochmal welche.

Wenn Du also interessiert bist, auch so eine Frästischplatte zu erwerben, schicke eine Email an

projekt (ät) holzundleim . de

Wir werden Dich dann informieren, sobald die Minifrästischplatte wieder zu haben ist.

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