Grundlagenwissen Handarbeit Möbelbau Werkstatt

Experimente mit Holznägeln im Möbelbau

In früheren Zeiten war der Einsatz von Holznägeln im Möbelbau sehr gebräuchlich. Diese waren preiswerter als Nägel aus Eisen und konnten vom Holzwerker selbst hergestellt werden.

Holznagel - 14

Wenn man heute nach Informationen zum Arbeiten mit Holznägeln sucht, findet man kaum brauchbare Informationen. Daher habe ich ein paar Experiemente angestellt, deren Ergebnisse ich hier teilen möchte.

Hintergrund

Ausgangspunkt meiner Versuche ist ein Gespräch mit einem alten Schreinermeister das ich vor einigen Jahren im Heimat-Museum Ötztal in Österreich geführt hatte. Er hatte mir erzählt dass er in seiner Lehrzeit noch sehr viel mit Holznägeln beim Bau von Möbeln gearbeitet hat. Nach seinen Aussagen dürfen Holznägel nur gespalten werden, damit diese ausreichend haltbar sind. Das Material soll die gleiche Holzart sein wie das Holz in welches die Nägel eingeschlagen werden. Er schilderte mir auch dass die Nägel stets in einem Stoffsäckchen in der Nähe des Werkstattofens aufbewahrt wurden, damit diese immer schön trocken waren.

Ansonsten gibt es dann noch in dem bekannten Buch „Möbelbau“ von  Spannagel eine kurze aber detailreiche Abhandlung über den Einsatz von Holznägeln. Man kann dieses Kapitel des Buches bei Google Books einsehen. Wer lieber Papier möchte – eine gedruckte Neuauflage ist im Vicenz-Verlag erschienen.

Anfertigen der Nägel

Ich habe für meine Versuche ein Reststück altes, knochentrockenes Fichtenholz mit einem möglichst geraden Faserverkauf ausgesucht. Auf meiner Tischkreissäge habe ich diese hochkant eingespannt und mit der Zugfunktion in ca. 8-9mm breite Brettchen aufgesägt. Mit maximaler Höheneinstellung ist es mir auf der CS-70 möglich, das Ausgangsmaterial für bis zu 70mm lange Holznägel herstellen.

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Die eigentlichen Nägel werden dann durch spalten der zugesägten Brettchen hergestellt. Dazu wird ein Hobeleisen zusammen mit einem Abstandsbrettchen und einem Anschlagbrettchen in die Vorderzange der Hobelbank eingespannt. Das Anschlagbrettchen sollte dabei eine möglichst glatte Oberfläche haben, darum habe ich hier eine Spanplatte mit Resopalbeschichtung benutzt.

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Das Brettchen wird mit einem Schonhammer auf die Schneide des Hobeleisens geschlagen. So lassen sich in kurzer Zeit eine große Anzahl recht gleichförmiger Holznagelrohlinge herstellen.

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Die fertigen Holznagelrohlinge werden in einem luftdichten Schraubglas (altes Gurkenglas) aufbewahrt. So bleiben diese trocken und können später jederzeit verwendet werden.

Erste Versuche

Die so hergestellten Rohlinge haben eine leicht rechteckige Form. Das wird im Buch von Spannagel als ideal beschrieben.

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Die Spitze des Holznagels wird an den Kanten angeschrägt, der damit fertig zum Einschlagen in das zuvor gebohrte Loch ist.

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Damit der Nagel auch wirklich hält, ist der richtige Bohrdurchmesser entscheidend. Ich habe hier Holznagelrohlinge die eine Kantenlänge von 7-8mm auf der Schmalseite und 8-9mm auf der Breitsteite haben.

Es wurden Bohrungen mit 8mm Durchmesser angefertigt in welche die Holznägel eingeschlagen wurden. Das ging recht leicht und ohne größeren Kraftaufwand. Im Ergebnis blieben hier aber kleine Spalte.
Eine zweite Versuchsreihe wurde mit Bohrungen von 7mm Durchmesser gemacht. Hier waren deutlich härtere Schläge nötig um die Nägel ins Holz zu treiben, aber das Ergebnis war überzeugend. Eine vollständig ausgefüllte Bohrung, bombenfester Sitz des Holznagels.

Holznagel - 26Oben die 8mm Bohrung, unten die 7mm Bohrung. Ein Millimeter macht hier den entscheidenden Unterschied!

Einen der Holznägel habe ich nicht bündig abgesägt sondern wieder aus der Bohrung gezogen. Auf dem nachfolgenden Bild kann man sehr gut erkennen wie sich der Nagel durch das Einschlagen in der Bohrung verformt. Die Holzfasern an der Spitze werden verdichtet und die Bohrung vollflächig ausgefüllt.

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Für weitere Tests wurden zwei Leisten mit ca. 25*25mm mit Holznägeln verbunden. Das funktionierte gut und schon mit dem ersten Holznagel war eine erstaunlich hohe Festigkeit der Verbindung gegeben.

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Es wurde dann ein zweiter Nagel eingeschlagen, um die Bruchfestigkeit prüfen zu können. Das Ergebnis ist nachfolgend zu sehen:

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Es bricht das Holz, nicht der Nagel!

Bei einem zweiten und dritten Versuch splitterte immer das Holz beim Einschlagen des Nagels. Eine sorgfältige Analyse der Brüche förderte die Ursache zutage: Die rechteckigen Holznägel waren mit der Längsseite quer zur Holzrichtung eingeschlagen! Der Druck in der 7mm Bohrung war dabei so groß dass das Holz aufgerissen ist.

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Es folgte ein vierter Versuch  bei dem der Holznagel stärker angespitzt wurde und auf die Ausrichtung des Nagels geachtet. Die Längsseite des rechteckigen Nagels wurde parallel zur Faserrichtung eingeschlagen. Und so klappte es wieder.
Bei ersten Versuch hatte ich zufällig beide Nägel richtig ausgerichtet, bei den folgenden Versuchen beide Male falsch herum.

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Erstes Fazit

Diese kleine Testreihe hat mir ein gutes Gefühl vermittelt was mit Holznägeln im Möbelbau wohl möglich ist. Das ist natürlich nur ein erster Anfang, aber einem ersten Test im Projekt „Tiroler Truhe“ steht jetzt nichts mehr im Wege.

Wer von meinen Lesern hat selbst Erfahrungen mit der Verwendung von Holznägeln gesammelt? Über entsprechende Kommentare bedanke ich mich schon mal im Voraus.

 

4 Kommentare zu “Experimente mit Holznägeln im Möbelbau

  1. Christoph Meyer

    Hallo Wolfram,

    im englischen gibt es die Bezeichnung Drawboring. Eine gute deutsche Übersetzung habe ich nicht. Die Technik habe ich schon erfolgreich bei Schlitz & Zapfenverbindung eingesetzt. Die Holznägel ziehen den Zapfen stramm in die Verbindung.
    Hier sind Holznägel wirklich einfach und günstig.

    Grüße
    Christoph

  2. Vielen Dank für die spannenden Versuche. Bin sehr neugierig, wie das weitergehen wird!

  3. Hallo,
    ich habe sehr gute Eichenstühle und nun sind diese im Laufe der Zeit etwas wackelig, so daß die Füße mit Leim und einer guten Schraubzwinge wieder befestigt werden sollen. Das Problem sind die Holzdübel an den Füßen. Wie bekommt man die heraus? Sind die verleimt oder nur eingeschlagen?

    • Hallo Albrecht,
      ich vermute jetzt mal dass die Dübel von außen sichtbar sind. Ober verleimt oder nicht das kommt drauf an ob die Holzdübel eine echte Funktion haben oder nur Zierrat sind, um die Optik aufzuwerten. Da die Füße wackeln, vermute ich letzeres. Am einfachsten ist es, die Dübel auszubohren und dann später wieder neue Dübel einzuschlagen. Alternativ könntest Du versuchen, ein Loch in den Dübel vorzubohren, eine Schraube in den Dübel zu drehen und diesen damit herauszuziehen.

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