Artikelformat

Hartöl richtig anwenden – ganz anschaulich

Die Oberflächenbehandlung mit Hartöl ist – richtig angewendet – eigentlich eine ganz einfache Sache. Trotzdem erreichen mich immer wieder Leserfragen zu diesem Thema weil zum Beispiel die behandelte Holzoberfläche „klebrig“ bleibt.

Hier zeige ich deshalb, worauf es nach meiner Erfahrung bei der Anwendung von Hartöl ankommt.

Es gab im vergangenen Jahr schon einmal einen Artikel zum Thema Oberflächenbehandlung mit Hartöl von mir, aber dennoch sind hier noch Fragen offen. Insbesondere wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie der Ölauftrag denn aussehen soll. Deshalb folgen hier einige ergänzende Informationen und entsprechende Bilder dazu.

Die Ausstattung

Um ein Hartöl zu verarbeiten, benötigt man eigentlich nur das Hartöl, einen weichen Pinsel und einen sauberen Baumwoll-Lappen der möglichst nicht fusselt. Für das spätere Abwischen ist das Tragen von Einmalhandschuhen empfehlenswert.
Wichtig ist auch eine nicht zu kalte Werkstatt – die meisten Hartöle sollten bei Temperaturen über 12 Grad verarbeitet werden.

Vorbereitung der Holzoberflächen

Die Holzoberflächen sollten fein gehobelt oder geschliffen sein. Wenn verschiedene Bauteile aneinander stoßen, so sollten auch deren Oberflächen gleich behandelt sein. Also entweder alles gehobelt oder alles geschliffen. Grund ist die unterschiedliche Aufnahmefähigkeit – das Hartöl zieht dann unterschiedlich tief ins Holz. Das kann leichte Farbunterschiede zur Folge haben.

In der Regel sind die Oberflächen geschliffen. Ich beginne hier mit 80er Körnung und arbeite mich dann über 120er und 180er bis 240er hoch.

Nach dem Schleifen ist es sinnvoll die Oberfläche zu entstauben, insbesondere wenn man während des Schleifens nicht mit einem leistungsfähigen Staubsauger abgesaugt hat. Hierzu haben sich handelsübliche Staubbinde-Tücher für den Haushalt bestens bewährt.

Auftragen des Hartöls

Es empfiehlt sich das Hartöl portionsweise in einen kleinen Becher zu geben. So ist sichergestellt dass die große Dose mit dem Hartöl nicht verschmutzt wird. Kommt Sägestaub und anderer Schmutz in die Hartöldose, so kann dieses verklumpen oder sich verfärben. In jedem Fall leidet die Verarbeitbarkeit.

Ich trage Hartöl immer mit einem weichen, breiten Qualitätspinsel auf. Dabei wird das Hartöl richtig dick aufgetragen, sodaß unmittelbar eine glänzende Schicht entsteht.

Idealerweise sind die Fläche alle waagerecht. Aber das ist natürlich nicht immer möglich. Wichtig ist dann, dass man senkrechte Flächen immer zuerst bearbeitet und erst danach die darunterliegenden waagerechten Flächen. So kann das herablaufende Hartöl dann auf der waagerechten Fläche weiterverteilt werden. An den Kanten muss man darauf achten, dass sich an der Unterseite keine Tropfnasen bilden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Kanten mit Hirnholz. Da hier besonders viel Hartöl von den Holzfasern aufgenommen wird, sollte man diese Stellen mehrfach einstreichen.

Danach gilt es zwischen 15 und 30 Minuten zu warten. bis sich in der Fläche erste matte Stellen bilden. Mit dem Finger kann man prüfen, ob das überstehende Hartöl eine etwas klebrige Konsistenz hat.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das überstehende, nicht ins Holz eingezogene Hartöl abzuwischen. Und die Sorgfalt mit der dieser Vorgang des Abwischens ausgeführt wird ist entscheidend für die resultierende Oberfläche.

Abnehmen des Überstandes

Dieser Arbeitsschritt ist der wichtigste, denn er entscheidet über die Qualität der resultierenden Oberfläche. Das Abwischen muss immer mit einem sauberen, saugfähigen Lappen erfolgen, Ich persönlich erhalte die besten Resultate mit feinen Baumwollstoffen die z.B. von alten T-Shirts oder Unterhemden stammen.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man den Kanten widmen. Gerade hier muss überschüssiges Hartöl sorgfältig entfernt werden, um später keine klebrigen Ecken zu bekommen. Ebenso sollte Hartöl das auf die Unterseite gelaufen ist, entfernt werden.

Als Auflage benutze ich hier Dreikantleisten, auf denen ich das Werkstück abstütze, ohne dass die mit Hartöl benetzten Flächen auf der Werkbank wieder verschmiert werden.

Beim Abreiben muss man regelmäßig den Lappen wechseln. Nur ein trockener Lappen hat genügend Saugkraft um das überschüssige Hartöl aufzunehmen. Sobald sich der Lappen dunkel färbt, ist es Zeit diesen durch einen trockenen Neuen zu ersetzen.

Alle Stellen die jetzt noch glänzen, müssen solange durch Reiben bearbeitet bis diese seidenmatt werden. Genauso müssen ganz matte Stellen noch ein wenig nachgerieben werden. Das Abreiben ist dann fertig, wenn die gesamte Oberfläche einen gleichmäßigen, seidenmaten Glanz hat.

Jetzt muß nur noch gewartet werden, bis das Hartöl entsprechend getrocknet ist. In der Regel sind hier 12-24 Stunden nötig, bis ein zweiter Auftrag erfolgen kann. Je nach Anspruch kann aber auch schon ein einmaliger Auftrag ausreichend sein.

Sonstige Hinweise

Beim zweiten Auftrag ist die Vorgehensweise identisch, allerdings wird in der Regel deutlich weniger Hartöl aufzutragen sein, um den glänzenden Auftrag zu erhalten.

Bei schmalen Bauteilen wie z.B. Schranktüren empfiehlt es sich, immer zuerst die sichtbare Aussenseite zu behandeln. Der Grund dafür ist ganz einfach: Falls doch übergelaufenes Hartöl Tropfen bildet, so sind diese an der Innenseite.

Zudem ist es sinnvoll, die Rückseite auf jeden Fall binnen 12-24 Stunden zu behandeln. Dann sind die übergelaufenen Hartölreste noch frisch genug, dass diese durch den nachfolgenden Auftrag des neuen Hartöls wieder angelöst werden. So sind diese beim nachfolgenden Abnehmen des Überstandes wieder wegzureiben.

Typische Fehlerquellen

Wenn eine mit Hartöl behandelte Oberfläche klebrig und stumpf bleibt, so hat dies zwei mögliche Fehlerursachen:

  • Es wurde beim Abreiben nicht sorgfältig genug gearbeitet. Gerade wenn der Lappen nicht rechtzeitig ersetzt wird kann es Probleme geben. Denn wenn dieser nicht mehr genügend aufnahmefähig ist, bleibt zu viel Hartöl auf der Oberfläche zurück, das dann nicht ordentlich aushärten kann.
  • Bis zum Abreiben des Überstandes wurde zu lange gewartet. Hier sollte man im Zweifelsfalle eher früher als später mit dem Aufnehmen des überstehenden Hartöls beginnen. Falls dann doch ungesättigte Stellen bleiben, kann man diese mit einem zweiten Auftrag behandeln.
  • Das verwendete Hartöl ist überaltert oder verschmutzt. Wenn bereits Verklumpungen im Hartöl schwimmen, ist das Risiko groß, dass das Gebinde überaltert ist.

War die Holzoberfläche zuvor schon einmal mit Lack oder Lasur behandelt worden, empfehle ich vom Einsatz von Hartöl Abstand zu nehmen. Selbst wenn der Lack von Oberfläche zuvor vollständig abgeschliffen wurde, gibt es immer wieder fleckige Resultate. Grund sind die tief im Holz steckenden Lösungsmittelreste.

 

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

15 Kommentare

  1. Auch direkte Sonneneinstrahlung ist keine gute Idee – kann ich aus leidiger Erfahrung sagen 🙁
    Persönlich mache ich den zweiten Auftrag direkt, nachdem der erste „eingezogen“ ist, also nach ca. 20 Minuten. Danach geht es genauso weiter wie beschrieben.
    Das gute Abreiben ist m.E. wirklich sehr wichtig!
    Bei Innenseiten sollte man mit dem Ablüften nicht sparen. Viele Öle haben einen unangenehmen Geruch, den sie auf den Innenseiten leider nicht so schnell loswerden. 1-2 Wochen an der „frischen Luft“ hat bei mir geholfen – aber nicht im Herbst …

    Antworten
    • Ja, das mit der direkten Sonne ist auch ein häufiger Fehler – das Hartöl trocknet dann sehr unregelmäßig. Werde ich mal noch ergänzen.

      Antworten
  2. Danke für,die hervorragende Anleitung. Mit Hartwachsöl habe ich bisher noch nichts gemacht, allerdings viel mit Leinölfirnis, was im Prinzip ähnlich abläuft.

    Eine Frage: Wie reinigst Du den Pinsel oder bewahrst ihn auf?

    Antworten
    • Ich reinige den Pinsel mit dem passenden Lösungsmittel – in vielen Fällen ist da bei Hartöl einfaches Testbenzin geeignet. Dann auf einem sauberen Tuch ausstreichen bis der Pinsel wieder trocken ist.

      Antworten
  3. Hab vor kurzem eine Holzkiste gebaut und mit dem Hartwachs ÖL behandet. Allerdings ist das ergebnis nicht so geworden wie bei dir. Allerdings habe ich auch nicht so satt aufgetragen wie du. Und ich habe nur ein tuch zum abnehmen genommen.
    Das war vor ca. 2 wochen. Lohnt jetzt noch ein dritter versuch??

    Antworten
    • Hallo Alexander, wenn Du das gleiche Öl aufträgst, lohnt das auf jeden Fall. Ich weiß ja nicht, was da nicht so toll geworden ist, aber wenn es fleckig ist ggf. mal mit 240 Papier kurz anschleifen und dann nochmal auftragen. Wenn die Oberfläche noch klebrig ist, kannst Du mal versuchen, das mit einem mit Waschbenzin getränkten Lappen abzureiben. Am besten im Freien, weil das schon recht ordentlich riecht..

      Antworten
      • Schifter Alexander

        21/09/2017 @ 10:34

        Danke Wolfram für die Rückantwort!
        Mit nicht so toll hab ich gemeint, dass die Oberflächen bei mir nicht so schön glänzen wie die auf Deinen Fotos hier oben.
        Es klebt nichts, Gottseidank, und nicht ist fleckig, daher brauch ich den Schritt nicht machen.

        Ich werd es nochmals probieren und auch ordentlich Tücher verbrauchen. Auch das Abreiben hab ich nicht gemacht, stand aber auch nicht auf der Dose.

        Das von Dir ebenfalls empfohlene Buch „OBerflächen behandeln“ hab ich bereits bestellt, da ich auf diesem Gebiet doch erheblichen Nachholbedarf habe.

        Antworten
  4. Hallo Wolfram,
    danke für den ausführlichen und hilfreichen Artikel! Finde es echt klasse, dass du so viele Bilder gemacht hast.
    Hatte auch das Problem, dass mein Tisch nach der Hartölbehandlung klebrig war. Es lag einfach daran, dass ich zu lange bis zum Abreiben gewartet habe.
    Viele Grüße 🙂

    Antworten
  5. Klaus Moerders

    20/10/2017 @ 10:30

    Hallo Wolfram,
    wenn ich die Hölzer zugeschnitten, geschliffen (meist 180-Korn) und entstaubt habe, streiche ich die Flächen ein mal. Die Kontaktflächen öle ich nicht ein !!!
    Dann verleime ich die Konstruktion.
    Im zusammengebauten Zustand erfolgt der zweite Anstrich in der Art wie von dir geschrieben.
    Auf diese Weise erhält man einen gleichmäßigeren Auftrag, insbesondere bei komplizierten Gewerken.

    Was hältst du von meiner Vorgehensweise ?
    LG
    Klaus

    Antworten
    • Hallo Klaus,

      das kann man so machen – ich habe da nur immer Sorge wegen überquellendem Leim. Aber ich werde da für mein aktuelles Projekt des Beistelltisches mal in Betracht ziehen.

      Antworten
  6. Lässt sich denn geöltes Holz noch leimen? Ich habe einen Schrank, den ich ölen möchte. Aber natürlich nicht in der Wohnung. Zusammengebaut bekomme ich ihn aber nicht dahin. Deswegen würde ich jetzt die Leim Flächen abkleben mit crepband vor dem ölen. Reicht das?

    Antworten
    • Hallo Stefan,

      geöltes Holz lässt sich mit normalem Holzleim nicht mehr kleben. Das Abkleben der Leimflächen vor dem Ölen funktioniert, erfordert allerdings ein hochwertiges und vor allem frisches Kreppband. Gute Erfahrungen habe ich mit TESA Malerkrepp gemacht, da sind die Kanten nach dem Anreiben schön dicht und es kann kein Öl unter das Klebeband wandern. Das Kreppband muß beim Aufkleben aber in jedem Fall auf einer glatten, entstaubten Oberfläche gut festgerieben werden.

      Antworten
  7. Vielen Dank für die super Erklärung. Eigentlich wollte ich nun zur Tat schreiten da muss ich lesen das es bei vorher lackierten Flächen nicht geeignet ist diese mit Hartöl zu behandeln. Was soll ich denn dann verwenden?
    Würde mich freuen wenn sie einen Rat für mich hätten!

    Antworten
    • Hallo Alex, bei lackierten Flächen geht nur neu lackieren oder halt den Lack komplett abschleifen, dann kann man auch wieder mit Hartöl arbeiten…

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Webseiten benutzen Cookies für statitische Zwecke. Hier kannst Du mehr über Cookies erfahren.