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Feilenheft montieren ganz einfach

In diesem Artikel zeige ich kurz, wie man an eine Feile oder eine Raspel ein Heft montiert. Als Mitbringsel vom DICTUM Kurs „Sägebank bauen“ hatte ich mir eine handgehauene Herdim-Raspel gegönnt.

Aber die kommt natürlich ohne Heft (Griff) – der muss separat gekauft und montiert werden.

Die Herdim Raspel

Die handgehauene Herdim-Raspel hat die Körnung 10 – ist also sehr fein. Dabei hinterlassen die handgehauenen Raspeln eine wesentlich bessere Oberfäche als die maschinell hergestellten Raspeln. Grund ist ist die unregelmäßige Anordnung der kleinen Raspelzähne, die ein riffeliges Schliffbild verhindern.

So eine Raspel ist nicht ganz billig und muss auch gepflegt werden. Daher habe ich gleich noch eine kleine Reinigungsbürste dazu gekauft. Wird mit der Raspel z.B. harziges Kiefernholz bearbeitet, dann sollte man dieses auch gleich nach der Arbeit wieder ausbürsten, damit die kleinen Zähnchen der Raspel nicht ihre Schärfe verlieren. Sparsame Menschen können hier übrigens auch eine harte, alte Zahnbürste benutzen.

Das richtige Heft

Egal of Feile oder Raspel – wichtig ist der Kauf eines passenden Heftes. Dabei ist nicht das Loch im Griff das Maß der Dinge, sondern der Durchmesser des Heftes rund um den oberen Metallring, der „Zwinge“ genannt wird. Diese Zwinge muss im Durchmesser zur Breite der Angel der Feile bzw. Raspel passen.
Anmerkung: Die Angel ist das Ende der Raspel, auf welches das Heft aufgeschlagen wird.

Hier bei der Herdim Raspel ist die Angel blau lackiert. Die Angel steckt später idealerweise bis zum Kragen im Heft, also in etwa so weit wie diese auch lackiert ist.

Damit das klappt, muss die Bohrung im Heft aufgeweitet werden. Um das nötige Maß zu ermitteln, wird die Dicke und die Breite der Angel gemessen.

Hier ist die Angel 3 bis 5mm dick und 4 bis 10mm breit. Eine kurze Prüfung des Heftes ergibt dass die Angel zwischen der Zwinge einen Durchmesser von 10,5mm hat, also für diese Raspel passt.

Jetzt muß die Bohrung aufgeweitet werden. Ich greife daher zum Akkuschrauber mit 4mm Bohrer. Es werden jeweils seitlich zwei Bohrungen schräg zur Mitte hin gebohrt. Die Tiefe beträgt ca. die Hälfte der Länge der Angel.

Das Ergebnis ist ein Heft mit einer V-förmigen Bohrung, passend zur Angel meiner Raspel.

Jetzt braucht es einen Schonhammer und ein kleines Hartholzklötzchen als Unterlage. Das Feilenheft wird auf die Angel gesteckt und mit etlichen Schlägen mit dem Schonhammer auf die Raspel getrieben.

Und damit ist die Sache im Prinzip erledigt. Wer will kann jetzt schon mit der Raspel oder Feile arbeiten.

Die Angel darf bis zum Rand der Zwinge in das Heft getrieben werden. So sitzt alles dauerhaft fest und man braucht sich keine Sorgen zu machen, dass sich das Feilenheft wieder löst.

Oberflächenbehandlung des Heftes

Das von mir verwendete DICTUM Feilenheft ist aus unbehandelter Esche und bekommt daher noch eine Oberflächenbehandlung.

Und da solche schönen und teueren Werkzeuge wie diese Herdim Raspel manchmal auf Wanderschaft gehen, bekommt der Griff erst mal noch einen Namen. Hier benutze ich einfache Buchstaben-Schlagstempel um meinen Namen anzubringen.

 Die Konturen werden mit einem spitzen Bleistift nachgezogen um die Lesbarkeit zu verbessern. Zum Schluß wird noch alles mit ein wenig Leinölfirnis eingerieben.

Das macht den Holzgriff unempfindlicher gegen Handschweiß und Schmutz ohne die angenehme Haptik des Eschenholzheftes zu stören.

Und damit kann jetzt mit dieser Raspel gearbeitet werden.

7 Kommentare

  1. Guten Tag,Wolfram
    für mich ein sehr lehrreicher Beitrag.Ehrlich gesagt,habe ich mir noch nie Gedanken gemacht wie eine Feile mit dem Heft miteineinder verheiratet werden.Ich habe immer das Loch größer aufgebohrt.
    Aber mit meiner Variante sind auch schon einige Griffe aufgeplatzt.
    Mich würde es interessieren welchen Zwingendurchmesser Dein
    Griff hat.(15 oder 19mm)
    Viele Grüße
    Klaus

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  2. Hallo und danke für den informativen Beitrag.
    Eine Frage habe ich: was ist eine gute Bezugsquelle für z. B. einen Hammergriff oder eben solch ein Heft?
    Danke und viele Grüße, Uwe

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  3. Jörg Fuhrmann

    24/01/2018 @ 14:32

    Schöne Anleitung, aber das EINSCHLAGEN ist nicht richtig dargestellt. Was machst du z.B. mit einer spitzen Feile aus gehärtetem Kohlenstoffstahl (Japanraspel)? Mit deiner Methode bricht die glatt durch! Die korrekte Vorgehensweise ist folgende: die Angel ins Heft stecken soweit es geht – jetzt das Heft packen (NICHT die Raspel) und das Ende des Heftes (NICHT der Raspel!) mit voller Gewalt auf die Werkbank hauen – wiederholen bis die Angel ganz im Heft verschwunden ist. Klingt verrückt, funktioniert aber super und vor allem wird die Feile nicht belastet.

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    • Hallo Jörg,
      Danke für Deinen Kommentar. Dass die von Dir beschriebene Methode funktioniert, glaube ich sofort. Die Massenträgheit der Feile treibt diese beim Aufstoßen ins Heft. Da ich gerade eine weitere Raspel bestellt habe, werde ich das mal ausprobieren und dann berichten. Das Loch im Heft muss natürlich trotzdem gut für die Angel der jeweiligen Feile angepasst werden.

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      • Jörg Fuhrmann

        02/02/2018 @ 13:21

        Natürlich. Deshalb sagte ich ja, nur beim Einschlagen gibt’s noch Verbesserungsbedarf. Habe es heute gerade wieder praktiziert und möchte noch anmerken: am allerbesten geht die Methode, wenn man das Heft auf den WERKSTATTBODEN haut (Beton bei mir), gerne noch ein Hartholzklötzchen drunter. Die Werkbank federt doch immer noch nach, wenn auch minimal…

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