Allgemein Handarbeit Werkstatt

Meine Werkzeugwand – ganz pragmatisch

Die am häufigsten gebrauchten Werkzeuge übersichtlich platziert und schnell im Zugriff zu haben, war das Ziel einer kleinen Reorganisation meiner Garagenwerkstatt.

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In diesem Artikel stelle ich kurz meine neue Werkzeugwand zum Holzwerken vor.

Nach dem Bau meiner stabilen Werkbank hatte ich den größten Teil der Elektrowerkzeuge im Unterbau unterbringen können. DIe klassischen Handwerkzeuge wie Hobel, Zinkensägen und Beitel sind überwiegend in meiner „Dutch Toolchest“ gelagert und Dank des Deckels auch gut vor Staub und Schmutz geschützt.

Die gängigen Handwerkzeuge wie Winkel, Schraubendreher, Schraubenschlüssel usw. hatte ich jedoch weiterhin an einer kleinen, billigen Lochplatte von ALDI aufgehängt. Diese war aber inzwischen viel zu klein geworden. Es mußte also eine neue Lösung her.

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Dazu habe ich mir dann verschiedene Möglichkeiten angeschaut, so eine Werkzeugwand zu realisieren.

Option 1: Lochbleche

Da mir die Lochbleche eigentlich wegen Ihrer schnellen Montage gut gefallen, habe ich hier nach einem professionellen System gesucht. Hier bin ich dann auf das Lochplatten-System von Kaiser+Kraft gestoßen. Dieses unter dem Namen „Eurokraft“ angebotene professionelle System ist seit vielen Jahren am Markt und hat breites Spektrum an Zusatzteilen. Alle Erweiterungs- und Ersatzteile werden also auch in etlichen Jahren noch problemlos erhältlich sein.

Option 2: French Cleat System

Viele Holzwerker favorisieren Lösungen mit Keilleisten – auch unter dem Namen „French Cleat“ bekannt. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Bericht auf dem Blog von Holzwurm Tom. Er hat seine Werkstatt mit diesem System ausgestattet und dann mit Schrittweise mit den verschiedensten Werkzeugen und Halterungen bestückt. Eine sehr gelungene Umsetzung.

Option 3: Holzwand aus Multiplex

Viele Holzwerker schrauben einfach eine Platte an die Wand und montieren daran Ihre Werkzeughalterungen. Ein bekanntes Beispiel hierfür präsentiert der bekannte Holzwerker Matthias Wandel aus Kanada auf seiner Webseite woodgears.ca. Er liefert auch gleich die Begründung mit, warum er die aufwändigen Lösungen nicht umgesetzt hat – weil er seine Werkzeuge nur selten an einen anderen Platz hängt.

Meine Planung

Die Entscheidung fiel gegen die Lösung mit den Lochblechen weil mir offen gesagt die Optik gar nicht gefällt und auch gegen das Verstauben habe ich da keine Lösung gefunden. Ein French-Cleat System wäre schön, kostet für meinen Geschmack aber zu viel Bautiefe. Denn neben der Holzplatte kommte die Keilleiste und danach der Werkzeughalter aufeinander. Wenn man das aus gängigem 18mm Multiplex baut, ergibt sich hier eine Tiefe von 54mm nur für die aufeinander liegenden Platten. Da meine Werkbank direkt an der Wand steht, gibt das einen unnötig großen überdeckten Bereich.

Ich habe mich daher nach einigen Überlegungen für eine paragmatische Lösung entschieden – einen offenen Rahmen mit einer Holzwand dahinter. Der Rahmen erfüllt dabei zwei Aufgaben: Er bietet eine Ablagefläche um für die jeweiligen Projekte die nötigen Kleinteile parat zu haben, zudem kann so darunter eine Reihe von Sichtlagerkästen platziert werden. Zun Anderen kann ich hier später Türen, eine Vorhang oder ähnliches anbringen, um das Werkzeug vor dem Verstauben zu schützen.

Der Bau der Werkzeugwand

Die Werkzeugwand wurde komplett aus verschiedenen Reststücken 18mm Birkenmultiplex gebaut, die ich gerade zur Hand hatte. Gerade ettliche schmale Streifen mit 10 und 20cm Breite konnten hier einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden.

Basis ist eine 18mm starke Multiplexplatte mit den Abmessungen von 160*80cm. An diese habe ich einen Rahmen von rund 10cm Tiefe mit Flachdübeln geklebt und von hinten mit 4*40 Spax Senkkopfschrauben verschraubt.

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Für die Sichtlagerkästen wurden – ebenfalls mit Flachdübeln und Schrauben – zwei jeweils 20cm tiefe Ablagen an den unteren Rand der Platte montiert.

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Der Abstand ist mit 9cm so gewählt, dass hier später die bewährten Sichtlagerkästen von „Ab-in-die-Box“ zu stehen kommen.

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Ein erster Test zeigt, dass hier 15 Sichtlagerkästen der Größe 2 untergebracht werden können. Der Rahmen wurde zweimal mit Clou-Schnellschliffgrundierung behandelt, um einen gewissen Schutz für die Holzoberfläche zu erreichen.

Die Montage

Da diese Werkzeugwand doch ein ganz ordentliches Gewicht hat, wurde diese mit Holzklötzen unterstützt und horizontal ausgerichtet.

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Die anschließende Verschraubung erfolgte mit 8mm Schlüsselschrauben und Unterlegscheiben, die in Fischer U10 Dübel gedreht sind.

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Hier bewährte sich einmal mehr mein kleiner MAKITA-Schlagschrauber, der auch diese Schrauben im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen eingedreht hat.

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Anschließend erfolgte das Anfertigen der Werkzeughalter und die Bestückung der Werkzeugwand mit den Werkzeugen. Dies war aber ein erstaunlich zeitaufwöndiges Unterfangen, das sich über mehrere Nachmittage hingezogen hat. Dabei werden die Werkzeughalterungen einfach an die Rückwand geschraubt.

Ausblick

Diese Werkzeugwand hat sich trotz (oder gerade wegen) der einfachen Konstruktion schon nach wenigen Tagen bewährt. Dank der Werkzeughalter sind die wichtigsten Handwerkzeuge sofort im Zugriff und können auch einfach wieder aufgeräumt werden. Das ist vor allem dann wichtig, wenn wieder einmal mein Nachwuchs in der Garage werkelt.

Auch die Sichtlagerkästen haben sich schnell mit den gebräuchlichen SPAX-Schrauben gefüllt, die jetzt jederzeit in Reichweite sind.

Wenn irgendwann die Fläche an der Werkzeugwand nicht mehr ausreichen sollte, plane ich zwei Türen mittels Klavierbandscharnieren an den Rahmen zu montieren, Dort können weitere Werkzeuge untergebracht werden und das Problem mit dem Verstauben der Werkzeuge wäre dann auch gelöst.
Wenn es soweit ist, werde ich berichten.

 

12 Kommentare zu “Meine Werkzeugwand – ganz pragmatisch

  1. Hallo Wolfram!

    Deine Werkzeugwand,sieht gelungen aus.Bei dem Bild,unter dem Akkuschrauber,stellt sich jedoch ein kleines Beleuchtungsproblem
    dar.Der Schattenwurf,deiner Leuchtstoffröhre ist nicht zu übersehen.
    Hier könnte eine Deckenleuchte eventuell für bessere Ausleuchtung sorgen.
    Den Abstand zur Wand,solltest Du so wählen,daß dein Arbeiten an der Werkbank keinen Schatten darauf wirft.

    Mfg:Manfred

    • Hallo Manfred, die Lampe muß noch weiter vorrücken, da hast Du recht. Mein „Betriebselektriker“ ist nur zur Zeit nicht greifbar.

  2. Hallo Wolfram,

    das sieht nach einer richtig guten und vor allem auf dich abgestimmten Lösung aus. Gefällt mir gut.
    Ich habe mich aber gerade gefragt – wenn du noch Türen anbringen möchtest, an denen dann auch wiederum Werkzeuge aufbewahrt werden, ist dann die Werkzeugwand tief genug konzipiert, dass sie sich dann noch schließen lassen? Auf dem letzten Bild sieht es ein wenig so aus, als wäre da wenig Platz nach außen hin.
    Aber vielleicht trügt da auch nur die Perspektive.

    Ich wünsch dir auf jeden Fall weiterhin viel Spaß an deiner Werkzeugwand!

    • Hallo Silvana, der obere Rahmen ist 10cm tief, die untere Ablage hat 20cm. Damit kann ich die Türen später auch 10cm tief machen – abzüglich der Materialstärke der Türen. Mein Problem ist eher dass ich die Türen nicht auf 180 grad öffnen kann, weil rechts und links andere Regale sind. Aber mal sehen, da kommt mir sicher noch eine Idee.

  3. Joel Wille

    Sieht toll aus! Und was machst du mit der ALDI-Billig-Lösung? Mich hätten noch mehr die Werkzeughalterungen interessiert: scheinst einfach Holzblöcke genommen zu haben, aber reicht ja denke ich meist auch aus. Da sieht man auch wieder die durchdachten Schreinerwinkel von Starrett! Hauptsache die fallen nicht runter, da man die ja nur auflegt, so wie den Hammer und einige andere Werkzeuge in der Wand. Ist nur auf dem Foto schwer zu erkennen.

    Lg Joel

  4. Hallo,

    wenn du Türen anschlagen willst, würde ich noch eine Mittelwand einsetzen und nicht 2 sondern 4 Türen machen, da sie ansonsten sehr breit sind und somit tief über die Werkbank ausschlagen.

    Gruß Clemens

  5. Sieht sehr schön aus, aufjedenfall deutlich ordentlicher als bei mir 😀

    Mein persönlicher Vorschlag wäre, in die Werkzeugwand noch einige zusätzliche kleine Lämpchen einzubauen, würde erstens schöner aussehen und zweitens findest du dann sicher schneller die Geräte! 😉

    Aber ehrlich, ist dir echt gut gelungen, muss sowas ähnliches auch mal bei mir machen, vielleicht poste ich es dann mal hier in die Kommentare.

    gruß, hannes

  6. Hallo,
    kleiner Hinweis, ich bin nur gerade beim Lesen deines Beitrages darüber gestolpert. Die verwendeten Schrauben sind Sechskant Holzschrauben (nach DIN 571) auch Schlüsselschrauben genannt, weil man einen Schraubenschlüssel zum Eindrehen braucht. Schlossschrauben haben ein metrisches Gewinde (–> Mutter) und einen flachen Kopf mit darunter liegendem Vierkant als Verdrehsicherung.
    Ich schau immermal wieder bei dir im Blog vorbei, finde es auch meist ganz interessant 😉
    Grüssle Micha

  7. Muss denn für die Anbringung neuer Werkzeughalterungen die ganze Werkzeugwand abmontiert werden? Ich finde diese Werkzeugwand echt sehr praktisch, dann verlegt man wenigstens nicht sein ganzes Werkzeug im Arbeitsraum.

    • Nein, denn die Halterungen werden einfach auf die Rückplatte aufgeschraubt. Das ist simpel und schnell gemacht, da spare ich mir den Aufwand mit Keilleisten (French Cleats)

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