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Kurzvorstellung KATSU Oberfräse 710W (UPDATE)

Da eine kleine, handliche Oberfräse auf dem Wunschzettel vieler Holzwerker steht, bekomme ich des öfteren Fragen was ich denn von der Katsu Fräse halte. Diese kleine Oberfräse schaut der bekannten Makita RT0700 zum verwechseln ähnlich und kommt auch mit weitestgehen identischem Zubehör.
Bis vor kurzem konnte ich dazu nichts sagen, da ich die Maschine nur vom Hören-Sagen kannte.

Dann hatte ich aber beim Black Friday Sale 2020 von Amazon die Chance, diese kleine Oberfräse aus China für nur etwas mehr als 40 EUR als Sunderangebot zu ergattern. Ohne Sonderaktion wird diese Fräse für um die 60 EUR angeboten. Und jetzt schildere ich hier kurz meine Eindrücke von diesem Maschinchen mit dem Markenlabel „KATSU“.

Lieferumfang

Die Lieferung erfolgt in einer einfachen braunen Schachtel mit Aufdruck.

Nach dem Öffnen strömt mir sogleich der typische Geruch von „Chinesium“ entgegen.

Mit Packmaterial wurde recht sparsam umgegangen, aber alles ist heil angekommen.

Die von mir bestellte Variante der Katsu Fräse war das Basispaket, welches aus Maschine, dem starren Fräskorb, einem Winkelanschlag und ein wenig Zubehör besteht.

Wer schon Besitzer der Makita Fräse ist, dem kommen diese Teile alle sehr bekannt vor. Abweichend von Makita fehlt der zweite Gabelschlüssel für die Spindel, dafür liegten aber Ersatzkohlen und eine Spannzange für 10mm Schaftfräser bei.

Die Qualität

Wo wir gerade beim Thema Spannzangen sind: Es liegen drei Spannzangen für Fräser mit Schaftdurchmesser 6mm, 8mm und 10mm bei. Wie bei der Makita auch, ist jedoch nur die 6mm Spannzange eine Dreibacken-Spannzange.

Für 8mm und 10mm sind es nur einfache geschlitzte Ringe. Und das ist in meinen Augen für die 8mm Fräser ja noch akzeptabel, aber für den 10mm Fräser fällt dieses Teil schon sehr zierlich aus. Ich empfehle daher den Einsatz von Fräsern mit 10mm Schaft auch nur im Notfall.

In aller Regel fährt man bei Oberfräsen dieser Leistungsklasse mit einem Satz preiswerter Fräser mit 6mm Schaft am besten. Diese sind den 710Watt dieser Maschine angemessen.

Der Fräskorb ist mit einer runden Grundplatte aus PVC ausgestattet, die allerdings recht rauh ist.

Das Gehäuse der Frässpindel dieser Maschine ist sehr einfach gefertigt und weisst noch eine Menge scharfer Kanten und Grate auf. Das spürt man beim Anfassen sofort. Mit einem scharfen Werkstattmesser und ein wenig Schleifpapier lässt sich dieses Problem aber beheben.

Der Schalter ist ein wenig schwammig, lässt sich aber gut betätigen. Die Drehzahlregelung ist auf der Oberseite angebracht. Dort ist sie gut erreichbar, kann aber leicht versehentlich verstellt werden.

Das Netzkabel der Maschine hat eine PVC-Isolation und ist  – wie bei Maschinen dieser Preisklasse üblich – relativ star. Mit einer Länge von knapp 2m ist es aber ausreichend lang um an der Werkbank ohne Verlängerungskabel auszukommen.

Die Aufnahme der KATSU-Spindel ist schon ab Werk ein wenig zerkratzt, aber sie lässt sich gut in den mitgelieferten Fräsorb einsetzen.
Auf dem nachfolgenden Bild sieht man die Abdeckungen der Motorkohlen. Diese können leicht gewechselt werden. (Ob das Rückschüsse auf die Qualität des Motors zulässt? Ich weiss es momentan noch nicht, werde aber zu gegebener Zeit darüber berichten)

Der mit dieser Katsu Oberfräse mitgelieferte starre Fräskorb ist ebenfalls ein wenig lieblos gefertigt. Dankenswerter Weise überdeckt die dicke Hammerschlaglackierung hier die schlimmsten Sünden…

Bei meinem Exemplar des KATSU Fräskorbs sind hier gleich noch ein paar Frässpäne mit eingebacken. Glücklicherweise im Inneren und daher ohne Einfluss auf die Funktion.

Der Fräskorb selbst ist mit Hartgummi verkleidet und lässt sich gut greifen.

Auf der Rückseite die Aufnahme für die einfache Parallelführung aus Blech.

Und weil ich mehrfach danach gefragt wurde: Nein, die Katsu Fräsespindel passt nicht in den Makita Korb und auch umgekehrt macht es keinen Sinn, weil weil da einfach zu viel Spiel ist. Die Frässpindel lässt sich nicht sauber arretieren.

Arbeiten mit der KATSU Oberfräse

Ich nutze diese KATSU Fräse als Zweitfräse mit einem permanent eingespannten 3mm Abrundfräser mit Kugellager und einer bei uns erhältlichen vergrößerten Grundplatte. Diese ist ursprünglich für die kleine Makita geplant worden, passt aber auch an der KATSU ohne Probleme.

Der Drehzahlbereich kann im Gegensatz zur Makita nicht ganz so weit geregelt werden, die niedrigste Drehzahl beträgt immer noch 13000 U/min. Zudem verliert die KATSU Fräse bei niedrigen Drehzahlen deutlich an Durchzugskraft, aber für die Holzbearbeitung ist es in jedem Fall ausreichend.

Ansonsten ist mir noch aufgefallen dass sich die KATSU doch im Dauerbetrieb erkennbar schneller erwärmt als dies bei der Makita der Fall ist. Leider ist in der ansonsten sehr gut gemachten Anleitung kein Hinweis auf die maximal zulässige Betriebsdauer. Ich empfehle daher nach spätestens 5-6 Minuten Dauerbetrieb unter Last (also Fräse im Werkstüch eingetaucht) eine Pause einzulegen und die KATSU Fräse erst mal wieder abkühlen zu lassen.

Nebenbei bemerkt: Das klingt nicht nach viel, aber in 6 Minuten Dauerbetrieb fräst man eine ganze Menge. Wer will, kann ja seine Zeiten mal stoppen und wird dann feststellen, dass man bei Kantenfräsen selten länger als 5 Minuten am Stück im Einsatz ist.

Und noch etwas: Für den Fräserwechsel braucht es unbedingt den zweiten kleinen Sechskant-Schlüssel um mit der Zwei-Schlüssel-Methode den Fräser zu wechseln. Mit der Einhand-Fixierung und dem mitgelieferten Blechschlüssel bekomme ich die Fräser nicht ausreichend fest gespannt.

Mein Fazit

Die an mich gelieferte Oberfräse ist brauchbar. Alle wesentlichen Teile liegen in einer ordentlichen Qualität bei. Zusammen mit der von uns CNC-gefrästen vergrößerten Grundplatte ist das Ganze dann eine sehr handliche und recht einfach zu führende Kantenfräse. Insgesamt eine Maschine auf dem typischen Heimwerker-Qualitätsniveau.

Allerdings fordert der niedrige Preis auch seinen Tribut, was sich wie beschrieben in vielen Details bemerkbar macht. Das ist aber zu erwarten, denn auch in China kann man nicht zaubern.

Wer ein wenig mehr investieren kann und will, dem empfehle ich nach wie vor das Original von Makita zu kaufen. Wer aber mit einem schmalen Budget auskommen muss und nicht unbedingt einen stundenlangen Dauereinsatz plant, der darf bei KATSU ruhig zugreifen.

Aufgrund der dann doch vorhandenen Qualitätsstreuungen bei KATSU (und anderen baugleichen Modellen) empfehle ich allerdings den Kauf bei AMAZON, denn da kann im Fall der Fälle die mangelhafte Oberfräse problemlos umgetauscht werden. Wird direkt bei einem chinesischen Versender bestellt, ist zwar der Preis nochmal ein paar Euros niedriger, aber Reklamationen werden dort erfahrungsgemäß nur sehr schleppend – wenn überhaupt – bearbeitet.

Als nahezu baugleiche Varianten gibt es noch:

Anmerkung: Diese 710W Oberfräse wird in baugleicher Form auch unter anderen Markennamen bei AMAZON  verkauft. Diese sind u.A. Frantech, Anesty, Kecheer – um nur die häufigsten zu nennen. Aber Achtung: Teilweise sind unter diesen Namen auch noch weiter abgespeckte Varianten solcher Kantenfräsen im Angebot. Die haben dann keine Drehzahregelung und auch nur einen Fräskorb aus Plastik.

Wer lieber daher zum Original von Makita greifen will, der wird hier fündig:

Für etwas mehr Geld gibt es die Makita RT0700 auch mit komplettem Zubehörsatz in einem Makpak-Systainer:

Als geeignetes FräserSet hat für die KATSU (und auch die Makita) sich bei mir dieses Set von BOSCH bewährt. Es handelt sich dabei um ein Set der gebräuchlichsten Fräser mit einem 6mm Schaft, die sich in diesen Oberfräsen der 710 Watt Klasse gut spannen lassen.

Und ja, es gibt noch billigere Fräsersets mit 6mm Schaft, aber deren Qualität ist wirklich unterirdisch. Ich kann davon nur abraten!

Denn auch bei einer Oberfräse wie der KATSU gilt: Wenn der Fräser nix taugt, kann auch die beste Maschine keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Daher hier lieber ein paar Euro mehr in die Hand nehmen.

 

5 Kommentare zu “Kurzvorstellung KATSU Oberfräse 710W (UPDATE)

  1. Wolfram,
    ein Fräser kostet bei dem Bosch Set grob 3,60 Euro pro Stück.
    Ich hab dieses Set auch immer wieder im Focus aber nie gekauft.
    Eigentlich kaufe ich nur einen Fräser wenn ich ihn brauche.

    Die Bosch-Blau Sachen gefallen mir, und hab etwas Werkzeug von denen.
    Bin aber klar Festool Fanboy und habe Fräser die deutlich(!) Faktor 10 teurer sind.
    Hatten Sie das Bosch Set mal im Einsatz, kann mich jetzt erinnern das Sie mal einen Bericht geschrieben hatten.
    Viele Grüße und nen guten Rutsch.

    Chris

    • Ich habe dieses BOSCH Set gerade als Werkzeugset für die kleinen Fräsen im Einsatz bei denen ich einen 6mm Fräser haben möchte. Mit der richtigen Drehzahl benutzt ist auch die Standzeit recht ordentlich. Aber mit den hochwertigen Fräsern von ENT oder Festool natürlich nicht zu vergleichen. Es ist nur nicht jedermanns Sache mehr für die Fräser als für die Maschine auszugeben, zumal wenn man die Maschine nur hin und wieder mal benutzt. Und für diese Anwendungsfälle ist das Set in meinen Augen eine gute Wahl.

  2. Spannend, dass du so viele Spannzangen dabei hattest. Bei meinen aus China waren nur eine 1/4 Zoll dabei.

    Ich habe mir wie Du eine zweite und dritt Fräse zu meiner Makita für Abrundfräser gekauft.
    Auch bekam ich so die 1/4 Zoll Spannzange und zusätzliche Halterungen für Grundplatte und Frästisch. Der Komfortgewinn im Vergleich zur Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt.

  3. Könntest du das Fräser-Set von Bosch nochmal verlinken, irgendwie fehlt der Link im Artikel.

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