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Pflege der Führungsschiene für die Tauchsäge

Was soll den an einer Führungsschiene schon kaputt gehen? Das ist doch Unsinn. Die hält doch ewig.

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Wer so denkt, darf hier gerne mit dem Lesen aufhören, alle anderen lesen weiter.

Mechanische Schäden

Ja, in der Tat geht an einer Führungsschiene normalerweise nix kaputt, wenn man diese nicht grob misshandelt.

Leicht verbogene Führungsschienen kann man mitunter wieder gerade biegen. Bei schweren Schäden die heftige Deformationen verursacht haben kann man ggf. die Führungsschiene kürzen und den intakt verbliebenen Teil als kurze Schiene weiter verwenden.

Manchmal passieren aber auch kleine Missgeschicke – z.B. wenn die Führungsschiene zusammen mit der Oberfräse zum Einsatz kommt.

Solange nur die Vorderkante der Schiene beschädigt ist, die Tauchsäge ansonsten aber noch gut auf der Schiene gleitet, kann das Problem durch tauschen der Gummilippe behoben werden.

Die Gummilippe aka Splitterschutz

Ein wichtiger Punkt der aber oftmals kaum beachtet wird ist der Zustand der Gummilippe – von den Herstellern oft als Splitterschutz bezeichnet – an der Vorderkante der Führungsschiene. Dies ist ein für den exakten Zuschnitt relevantes Teil weil daran die Führungsschiene ausgerichtet wird.

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Schon mehrfach habe ich die Klage gehört, dass die Ergebnisse mit der Führungsschiene nicht maßhaltig wären. In all diesen Fällen musste ich feststellen, dass die Gummilippe der Führungsschiene in einem schlechten Zustand war.

Die beiden häufigsten Ursachen hierfür sind falsche Lagerung und Verwendung verschieden breiter Sägeblätter.

Falsche Lagerung der Führungsschiene

Die Führungsschiene wurde falsch gelagert (z.B. im heißen Auto im Sonnenschein) und in der Folge hat sich die Gummilippe nach Außen verzogen. Oder aber die Führungsschiene wurde hochkant auf der Gummilippe stehend aufbewahrt oder transportiert, dann ist die Gummilippe nach Innen verschoben. In beiden Fällen sind die Probleme vorprogrammiert.

Wird nun die Gummilippe als Bezugskante für das Maßnehmen gewählt, wird die Führungsschiene um wenige Bruchteile eines Millimeters falsch angelegt. Das ist vor allem dann fatal, wenn mehrfach nacheinander Streifen geschnitten werden, bei denen immer wieder die Bezugskante der vorherige Sägeschnitt ist. Der Fehler addiert sich und am Ende hat man sehr krum gesägte Teile.

Verwendung verschieden breiter Sägeblätter

Ein anderes Problem ist die Verwendung von verschiedenen Sägeblättern. Das ist an sich kein Problem, solange die Sägeblätter alle die gleiche Schnittbreite aufweisen. Ein Standard-Festool Sägeblatt mit 160mm Durchmesser sägt einen 2,2mm breiten Schnitt und hat eine Stammblatt-Dicke von 1,4mm. Verwendet man stets die Sägeblätter des gleichen Herstellers sind in der Regel auch die Schnitte immer gleich breit.

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Es gibt aber „Dünnschnitt“-Sägeblätter die nur einen 1,8mm breiten Schnitt haben. Auch hier wieder das Problem dass dann die Gummilippe und der tatsächliche Schnitt nicht zusammenpassen, wenn z.B. die Gummilippe mit dem 2,2mm Blatt eingesägt wurde, später aber tatsächlich ein 1,8mm Blatt zum Einsatz kommt.

Verschlissene Gummilippen tauschen

Und dann nagt auch ansonsten der Zahn der Zeit an der Gummilippe / Splitterschutz einer Führungsschiene. Daher ist es von Zeit zu Zeit ratsam, diese Gummilippen einfach auszutauschen.

Der Austausch verschlissener Lippen ist recht einfach zu bewerkstelligen. Diese nennen sich bei Festool und anderen Herstellern „Splitterschutz“. Sie sind als Ersatzteil in Packungen mit 5m Inhalt zu bekommen.

Diese Lippe ist sehr hochwertig und passt auch an viele andere Führungsschienen – beispielsweise auch bei den Parkside Führungsschienen die mit einer relativ minderwertigen Lippe ausgestattet sind.

Einfach ein passend langes Stück aus der Packung ziehen mit einer scharfen Schere abschneiden. Ein wenig Überlänge ist hier sinnvoll.

Dann die alten Gummilippe von der Führungsschiene abziehen. Eventuell verbliebene Kleberreste kann man mit Aceton entfernen.

 Die Klebefläche muss durchgängig sauber und fettfrei sein, damit die neue Gummilippe wieder lange hält.

Das Aufkleben erfolgt schrittweise durch wechselseitiges Andrücken und Abziehen der Schutzfolie. Dabei darauf achten, dass die neue Gummilippe immer bündig an der Innenkante der Führungsschiene anliegt.

Nach dem Aufkleben mit einem glatten Holzklotz o.ä. die Gummilippe auf ganzer Länge nochmal fest andrücken.

Zum Schluß die Überstände an den Ecken mit einem scharfen Cuttermesser bündig abschneiden. Dabei unbedingt von der vordern Kante der Führungsschiene nach Innen schneiden!

Ansonsten kann es passieren, dass die neue Gummilippe gleich wieder nach außen gezogen wird. Die erste Ungenauigkeit ist dann schon wieder vorprogrammiert.


 Jetzt die Führungsschiene wieder einsägen. Dazu diese auf ganzer Länge auf eine alte Holzplatte legen. Wenn möglich die Drehzahl an der Tauchsäge auf Stufe 2 reduzieren und Sägetiefe auf 2mm einstellen. Nun mit gleichmäßigem Schub einmal die Säge auf der Führungsschiene entlang führen. Fertig!

Jetzt kann wieder exakt und maßgenau gearbeitet werden.

Ersatz kaufen

Hier verlinke ich die entsprechenden Ersatz-Gummilippen von Festool und Makita.

Für alle Besitzer einer Parkside-Tauchsäge mit den entsprechenden Führungsschienen empfehle ich im Fall des Falles die Gummilippe von Makita

Weitere Tipps zum Thema gibt es in meinem Artikel zum Arbeiten mit der Tauchsäge.

5 Kommentare zu “Pflege der Führungsschiene für die Tauchsäge

  1. Hallo Wolfram,

    mit herzlichem Dank für den informativen Beitrag die folgende Frage:

    Wie bewahrt man eine Führungsschiene idealerweise auf? Aus den Weiten des Internets ist zu hören, dass sich Führungsschienen allein durch falsche Lagerung verziehen können. Auch wenn ich mir das nur schwer vorstellen kann, hat es mich verunsichert. Die gerade gekauften Schienen (140cm) sollen mich möglichst lange begleiten. Naheliegende Optionen dürften sein:

    – horizontal liegend, flach
    – horizontal liegend, auf der Längskante
    – vertikal stehend
    – vertikal hängend (wenn Loch vorhanden)
    – horizontal hängend (wenn Löcher vorhanden)

    Bei vielen, mich eingeschlossen, sprechen Platzgründe für eine der vertikalen Alternativen.

    Würde mich freuen, Deine Meinung zu hören.

    Danke vorab und viele Grüße
    Bruno

    • Hallo Bruno,

      ich habe meine Führungsschienen hochkant liegend auf der Rückseite gelagert, sodaß die Gummilippe nicht belastet wird. Hängen ist sicher die beste Lösung, aber dazu fehlt mir die Wandfläche. Wenn ich verhunzten und verzogenen Führungsschienen begegnet bin, war die Ursache meist der Umstand, dass da irgendwelches schweres Zeug draufgestapelt worden war oder die Schiene im heißen Auto lag.

  2. Danke für die Antwort, Wolfram.

    Zwischenzeitlich habe ich den Vorsatz gefasst, mir Holzkästen für meine Führungsschienen zu bauen. Damit wären die Schienen sowohl beim Transport als auch bei Lagerung optimal geschätzt. In einen solchen Kasten sollen zwei Schrauben kommen, so dass die Schiene in den dafür vorgesehenen Löchern fixiert wird und die Außenseiten der Schiene die Wände des Kastens nicht berühren. Nicht meine Idee, sondern angeregt hierdurch: https://www.youtube.com/watch?v=nEBdjtBsxs4. Nur die Schrauben möchte ich nicht außen überstehend haben wie dort gezeigt, damit Stapelung besser möglich ist.

    Gleich zum Holzhandel, um eine 6 mm Sperrholzlatte für die Böden und Deckel in den Maßen 150 cm x 90 cm zu besorgen und – ja, sehr großzügig bemessen – eine 18 mm Multiplexplatte in den Maßen 150 cm x 40 cm, um daraus Leisten zu sägen, die als Seitenwände der Kästen dienen sollen. Für mich als absoluten Anfänger gleich die erste große Ernüchterung: die beiden Holzplatten sollen knapp 60 EUR (!!!) kosten. Ich habe dann noch mal klargestellt, dass ich nicht 150 Meter meinte, sondern Zentimeter … war aber leider kein Missverständnis.

    Das ist ja wirklich krass. Selbst wenn die Preise aktuell besonders hoch sind und sich in Zukunft normalisieren sollten und das Ganze beispielsweise nur noch 35 EUR kosten würde, wäre das für so ein Projekt meines Erachtens zu viel. Ich hatte gedacht, auf Geld würde man erst schauen müssen, wenn man in Richtung Kirsche oder Walnuss geht … wohl weit gefehlt.

    Habe ich bei bei der angedachten Materialwahl einen Anfängerfehler gemacht? Womit würde ein Profi solche Transport-/Lagerkästen bauen?

    Nochmals danke vorab und viele Grüße
    Bruno

    PS: Die Multiplex-Platte war natürlich mit viel Verschnitt kalkuliert. Ich schätze, dass 10 mm starke Leisten für die Kästenwände reichen. Habe aber nur eine Handkreissäge und keine Tischkreissäge, so dass ich ausreichend Auflagefläche für die Säge benötige.

  3. Edit:

    Rechtschreibfehler, es muss heißen:

    „… eine 6 mm Sperrholz p latte für die Böden und Deckel …“

  4. Hallo Wolfram,

    ich hatte hier vor ein paar Tagen eine ausführliche Antwort geschrieben. Sie ist aber nicht (mehr) sichtbar. War mit dem Inhalt möglicherweise etwas nicht in Ordnung, so dass Du sie gelöscht hast? Für einen aufklärenden Hinweis wäre ich dankbar.

    Beste Grüße
    Bruno

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