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Verbinder für zerlegbare Möbel

In den letzten Jahren habe ich in der Möbelkonstruktion diverse Bauweisen mit modernen Verbindern in unterschiedlichen Möbelstücken angewendet.

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Hier folgt nun eine rückblickende Zusammenfassung meiner bisherigen Erfahrungen wenn es um den Bau zerlegbarer Möbelstücke geht.

Anforderungen an die Möbelkonstruktion

Bei der Konstruktion eines Möbels ist zunächst die Frage zu klären, ob das Möbel demontierbar sein soll oder nicht.

Gerade wenn irgendwann ein Umzug im Bereich des Möglichen ist, kann es sehr sinnvoll sein, dass das Möbelstück wieder zerlegt werden kann. Ob dies dann ein Umzugsunternehmen macht oder man selbst Hand anlegt ist dabei egal. Das Zerlegen von Möbeln reduziert auch die Umzugskosten auf langen Strecken deutlich, weil mehr Hausrat und Mobiliar mit einer Fuhre transportiert werden kann.

Ein anderer Grund ein Möbel zerlegbar zu gestalten kann darin liegen, dass das Möbelstück einfach zu groß oder zu schwer ist. Dann ist es sinnvoll das Möbelstück in Einzelteilen in der Werkstatt anzufertigen und zu erst an Ort und Stelle endgültig zu montieren.
Gerade bei sehr großen Möbeln wie z.B. raumhohen Schränken erleichtert dies den Aufbau ganz erheblich.

Schrankbau mit Exzenterverbindern

Mein erstes größeres Möbelbauprojekt war im Jahr 2012 der Bau eines Wandschrankes in ganz speziellen Abmessungen, um eine Wand im Hobbyraum optimal nutzen zu können.

Hier habe ich zum ersten Mal mit Exzenter-Verbindern und Lochreihen im System32 gearbeitet. Inspiriert dazu hatte mich das Video „Chaostheorie“ von Guido Henn.

Der Vorteil dieser Bauweise: Exzenterbeschläge wie der VB36 von Hettich sind in der Metall-Variante hochbelastbar und sehr preiswert zu bekommen. Wenn halbwegs genau beim Zuschnitt und beim Bohren der Lochreihen gearbeitet wurde, ist auch die Montage aller Beschläge sehr einfach.

Der Nachteil: Ohne Oberfräse und die passenden Beschlagfräser eine sehr mühselige Angelegenheit. Außerdem sind entsprechende Schablonen nötig. Es empfiehlt sich dabei, diese hochwertigem Multiplex anzufertigen, sonst wird es nix.

Die mehrfache Montage und Demontage ist problemlos möglich, vorausgesetzt es wurden hochwertige Exzenterverbinder aus Metall verbaut und beim Transport der Möbelteile die hervorstehenden Verbindungsbolzen abgeschraubt. Ansonsten werden diese leicht versehentlich abgebrochen.

Wer die ganze Story zu dieser Bauweise erfahren möchte, dem empfehle ich das Studium meiner mehrteiligen Artikelserie zu Planung und Bau von Schränken im System32.

Möbelkonstruktion mit Konfirmat-Schrauben

Eine weitere Alternative beim Möbelbau ist der Einsatz von Konfirmat-Schrauben, umgangssprachlich auch als „IEKA-Schraube“ bekannt.

Diese Schrauben habe ich in mehreren Projekten sehr erfolgreich eingesetzt. Darunter waren verschiedene Regale, eine sehr große modulare Schrankwand und ein Computertisch. Erhältlich sind diese Schrauben im gut sortierten Beschlaghandel zu günstigen Preisen. Vom Kauf im Baumarkt muss wegen hoffnungslos überteuerten Preisen dringend abgeraten werden.

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Der große Vorteil dieser Bauweise: Außer einer Bohrmaschine und dem passenden Stufenbohrer wird kein weiteres Werkzeug benötigt. Einfach die Teile fixieren, Loch bohren, Konfirmat-Schraube eindrehen – fertig! Ideal wenn man die Platten schon im Holzhandel hat zuschneiden lassen.

Der Nachteil: Der Stufenbohrer ist nicht ganz billig und erfordert schon einen etwas stärkeren Akkubohrschrauber wenn die Löcher sauber werden sollen. Zudem sind die Schraubenköpfe sichtbar – auch wenn man diese mit Abdeckkappen etwas kaschieren kann.

Die Zerlegbarkeit des Möbels ist gegeben – die Confirmat-Schrauben lassen sich mit einem Sechskantschlüssel auch wieder problemlos herausdrehen. Allerdings geht das mehrfach nur bei Möbeln aus höherwertigem Plattenmaterial wie z.B. Birkenmultiplex, Kiefernleimholz usw.

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Bei billigen Werkstoffen wie Pressspanplatte, MDF oder OSB-Platte ist das selbstschneidende Gewinde recht schnell ausgenudelt und die Schrauben halten dann nicht mehr. Für den einmaligen Umzug reicht es aber auch hier.

Möbelbau mit Festool-Verbinder KV-SYS D8

Erst seit kurzem habe ich die Festool KV-SYS Verbinder für meine Festool Domino-Fräse im Gebrauch. Diese Verbinder habe ich mir besorgt, weil der Vor-Ort-Bau von Möbeln anstand, die zudem noch demontierbar sein sollten.

Der KV-SYS Verbinder ist ein typisches Festool-Produkt: Nicht ganz billig, aber sehr gut durchdacht. Daher empfiehlt sich auch der Kauf des Komplettpaketes im Festool-Systainer.

Der Vorteil: Es sind keinerlei Schablonen und Vorrichtungen nötig. Einfach wie gewohnt die Schlitze fräsen und schon kann der Verbinder montiert werden.  Zudem entsteht beim Verarbeiten fast kein Staub – auch auf schwarzem Teppichboden konnte gearbeitet werden, ohne hierher den „großen Schmutzalarm“ auszurufen.

Der Nachteil: Die KV-SYS Verbinder sind relativ teuer. Und natürlich muß man eine Festool DF-500 Fräse nebst passendem 8mm Fräser haben. Das ist für viele Hobbywerker außerhalb ihres Budgets.

Die Verbinder KV-SYS von Festool sind aber sehr stabil und vertragen problemlos das mehrfache Auf- und wieder Abbauen des Möbels. Ideal also für alle Arten von Mobiliar dass häufig umgezogen wird.

 

9 Kommentare

  1. Hallo Wolfram,

    sehr interessanter Beitrag!

    Da ich seit einiger Zeit stolzer Besitzer des neuen Duodüblers von Mafell bin, werde ich mich in nächster Zeit mit den Verbindern von Scheulenburg beschäftigen.

    Bei mir stand im Vorwege auch die Entscheidung im Raum, ob ich mir den Duodübler oder die Dominofräse zulege. Nachdem ich bei Heiko Rech einen Kurs besucht habe und mit ihm über die Maschinen sprechen konnte, habe ich mich für den Duodübler entschieden.

    Bisher habe ich es nicht bereut, auch wenn man sich mit dem komplexen Anschlagsystem erstmal auseinandersetzen muss. Nachdem ich nun den ersten Einbauschrank damit gebaut habe, weiss ich die einfache Handhabung wirklich zu schätzen.

    Der ausschlaggebende Faktor für meine Kaufentscheidung war die Tatsache, dass es auch lösbare Verbindungssysteme für den Duodübler gibt. Sonst hätte ich wohl auch die Dominofräse gekauft. Den Hauptvorteil der Dübelverbindungen sehe ich in den Kosten der Verbinder und der Möglichkeit Reparaturen an Schränken auch mal mit dem Akkuschrauber durchführen zu können.

    Herzliche Grüße

    Frank

    Antworten
    • Ja, den Mafell DuoDübler hatte ich seinerzeit (2014 – nach einem Kurs bei Heiko Rech) auch in der Hand, habe mich dann aber doch für die Festool DF-500 Domino entschieden weil diese mir für den Rahmenbau wie er z.B. bei Stühlen praktiziert wird, etwas universeller erschien.

      Antworten
      • Kann ich gut nachvollziehen, da das alte Modell vom Duodübler mir viel zu kompliziert erscheint.
        Der neue ähnelt im Bereich des Anschlagsystems stark der Dominofräse, allerdings mit zusätzlichen Optionen, die das Leben einfacher machen…

        Antworten
  2. Hallo Wolfram,

    guter Artikel.

    Anregung: Könnten Sie mal bitte erläutern wie Sie die Schablone für die Topfbänder gebaut haben?
    Ich habe nach zwei Versuchen aufgegeben. Hatte nur geringe Abweichungen, die waren aber halt nicht gut genug um die VB36 zu montieren. Meine Lochreihe ist perfekt (LR 32 System…)

    Mir geht es nur um das Prinzip, die Maße haben wir ja alle aus Herrn Henns Buch…

    Danke & Gruß
    Chris

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    • Hallo Chris, für solche Bohr- oder Frässchablonen nehme ich nur Siebdruckplatte. Da kann man auf der glatten Seite die Maßlinien mit einem Cuttermesser sauber anreissen. Dann die Kreuzungspunkte exakt ankörnen und die Löcher in der Ständerbohrmaschine bohren. Um die Anschläge exakt zu positionieren, klebe ich diese mit doppelseitigem Klebeband fest, bevor ich diese verschraube. Da beides Male die glatte Seite der Siebdruckplatte zusammengeklebt wird, hält das gut und es kann beim verschrauben nix verrutschen. Ich hoffe das hilft Dir weiter.

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      • Servus Wolfram,

        Ständerbohrmaschine hatte ich damals nicht. Hatte das Freihand gemacht. Hab jetzt den Wabeco Ständer und eine gute Bohrmaschine.
        Anriss hatte ich auch nicht mit Cuttermesser gemacht.

        Diese Hinweise sind hilfreich.

        Danke & Gruß
        Chris
        Chris

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  3. Habe bei den Festool Verbindern immer wieder Probleme gehabt, dass ich den Bolzen abgedreht habe. ann steckt das Expandierteil im Holz fest und den Gewinderest bekommt man nicht raus. Man muss es dann zerbohren. Meiner Erfahrung nach ist das Material des Bolzens etwas weich, daher passiert es so. Denn etwas Kraft braucht man ja um das Stück zur Expansion zu bringen dass es sich festkrallt.

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    • Hallo Uli, ich kann da nur sagen dass man die Bolzen nur handfest anziehen muss/darf. Mit dem Akkuschrauber waren die bei mir gleich abgedreht. Der Keil geht schon bei geringen Kräften auseinander und krallt sich dann im Material fest.

      Antworten

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