Ein kleiner Beistelltisch wurde gebraucht. Also frisch ans Werk. Solche kleinen Projekte sind die ideale Gelegenheit, diverse Resthölzer aus vorangegangenen Projekten einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Also wurde in der Restekiste gekramt und in der Tat ließen sich dort alle benötigten Teile auffinden.
Der Beistelltisch sollte eine Höhe von ca. 57cm haben und die Größe der Tischplatte war mit ca. 20 x 40 cm gewünscht.
Erster Schritt war daher die Suche nach dem Material für die Tischbeine, denn das ist bei so einem Projekt der Ausgangspunkt für alle weiteren Abmessungen.
Hier hatte ich noch einige Reststücke von gehobelten Kanthölzern mit einem Querschnitt von 25x35mm zur Hand. Diese mussten nur noch auf die Länge von 550mm angelangt werden.
Da die Tischplatte etwa einen Zentimeter Rand rund um das Tischgestell herum haben soll, ergab sich so eine Gestellgröße von ca. 18 x 38cm.
Die Querwangen des Gestells wurden aus einem 70mm breiten Reststück gesägt, wobei die Länge der Zuschnitte jeweils das Längenmaß abzüglich der Maße des Tischbeines beträgt. In diesem Falle also 180-25-25=130 mm für die Querhölzer und 380-35-35=310 mm für die Längshölzer.
Hier also der Blick auf die fertig zugesagten Bauteile für das Tischgestell.
Zum Verbinden der Bauteile des Gestells habe ich mich für 6x40mm Dominos entschieden. Das geht schnell, ist verdrehsicher und ich freue mich immer wieder, wenn ich die Festool-Dominofräse einsetzen kann. Natürlich hätte man hier auch klassisch mit einer Bohrschablone und zwei 8mm Runddübeln arbeiten können. Auch der Einsatz von 20er Flachdübeln wäre denkbar, wenn eine Flachdübelfräse zur Hand ist, denn für so ein kleines Möbelstück ist das immer noch hinreichend stabil.
Der der Querschnitt der Beine doch recht gering ist, würden sich beidseitig eingefräste 40er Dominos in die Quere kommen. Deshalb wurden die Dominos in der Höhe versetzt angeordnet. Das erlaubt zwar nur jeweils einen Dübel je Seite, aber das ist für so ein kleines Tischchen absolut ausreichend.
Also die Teile aneinander gelegt, die Mittellinie der Dominos angezeichnet und schon kann gefräst werden. Damit die Wangen an den Beinen etwas nach Innen versetzt sind, wird beim Fräsen der Schlitze in die Beine der Höhenanschlag um 5mm größer eingestellt als das Material der Wangen dick ist. Meine Wangen sind hier aus 15mm starkem Material, daher wird beim Fräsen der Tischbeine Höhenanschlag auf 20mm eingestellt. Beim Fräsen der Schlitze in die Wangen wird natürlich die wahre Materialstärke eingestellt, also der Höhenanschlag auf 15mm. So sitzen die Schlitze in der Mitte der Wange, die am Tischbei aber um 5mm nach hinten versetzt. Das ergibt am fertigen Beistelltisch eine schöne optische Kante.
Nach dem Fräsen der Dominos erfolgt eine Passkontrolle mit Test-Dominos. Das sind Dominos die ich etwas dünner geschliffen habe, damit diese leicht von Hand gesteckt und auch wieder herausgezogen werden können. Um ein versehentliches Verbauen dieser losen Dominos zu vermeiden, habe ich diese mit einem dicken X gekennzeichnet.
Bis hierher wurde bewußt darauf verzichtet, die Holzteile zu verrunden oder anderweitig in der Geometrie zu bearbeiten. Der Grund dafür ist einfach: Solange alles eckig und winklig ist, kann man die Dominofräse sehr einfach anlegen und im Winkel die Schlitze fräsen.
Erst nachdem diese Arbeitsschritte abgeschlossen sind, erfolgt das Gestalten der Optik.
Um dem Beistelltisch eine gefälligere Optik zu geben, wurde beschlossen, die Beine etwas konisch zu gestalten. Dazu kam wieder einmal das bewährte Klemmbrett zu Einsatz, beim dem mittels Kniehebelspannern das Material im Winkel fixiert werden kann.
Ein paar aufgeschraubte Holzklötzchen helfen dabei, die Beine in der stets gleichen Position fixieren zu können.
Die Tischbeine werden anschließend entsprechend ausgerichtet und passend gekennzeichnet, damit im weiteren Verlauf alles korrekt montiert wird.
Es folgt das Brechen aller sichtbaren Kanten mit einem 2mm Abrundfräser in der kleinen Makita Oberfräse. Dabei verwende ich die vergrößerte Grundplatte, welche gerade auch auf solch kleinen und schmalen Bauteilen das Kippeln der Fräse sicher verhindert, da man eine deutlich größere Auflagefläche hat.
Zu guter Letzt werden alle Teile mit dem Exzenterschleifer geschliffen. Zuerst mit Körung 80, dann 120 und zum Schluß 240.
Die Aufziehhilfe für das 150er Schleifpapier (das weiße Teil auf der Werkbank) ist ein von mir schon vor längerem erstelltes 3D-Druckteil, welches man hier bei PRINTABLES.COM finden kann.
Das Verkleben des Gestells erfolgt in zwei Schritten. Zunächst werden die Bauteile für die schmalen Seiten miteinander verklebt und mit Zwingen gepresst. Nachdem diese Verklebungen ausreichend getrocknet sind, erfolgt das Verleimen der langen Seiten. Überprüfen der rechten Winkel dabei nicht vergessen, sonst ist das Gestell hinterher möglicherweise verzogen.
Überquellender Leim wird sofort mit einem feuchten Lappen abgewischt, da ansonsten bei der späteren Oberflächenbehandlung unschöne Ränder entstehen.
Die Tischplatte wurde aus einer selbstgefertigten Leimholzplatte zugeschnitten, die aus dem verleimen von Reststücken aus dem Projekt „Wandregal“ übrig geblieben waren. Die resultierende Kiefernholzplatte hatte nach dem Hobeln eine Stärke von 16mm.
Vor dem Zusägen wurden Maße nochmals anhand der Wangen geprüft, um sicherzugehen dass hier auf allen Seiten auch tatsächlich ein entsprechender Überstand der Tischplatte rundherum entsteht. Dabei habe ich mich dann für eine etwas breiteres Maß für die Tischplatte entschieden – hier dann 22cm statt der ursprünglich geplanten 20cm.
Abschließend wurde auch die Tischplatte geschliffen und die Kanten mit der Oberfräse verrundet.
Da eine Massivholzplatte ein wenig arbeitet, ist eine lose Befestigung sinnvoll, die kleinere Längenänderungen kompensieren kann. Ich habe mich hier für eine Befestigung mit kleinen Aluwinkeln entschieden.
Hier sind die Löcher in den Aluwinkeln mit 5,5mm Durchmesser deutlich größer als die verwendeten 3,5mm Schrauben, was den erforderlichen Spielraum gibt wenn das Holz arbeitet.
Das Gestell wird auf die Tischplatte gelegt, auf allen Seiten entsprechend ausgerichtet und dann mit den Aluwinkeln verschraubt.
Und damit findet das Projekt „kleiner Beistelltisch“ sein vorläufiges Ende.
Insgesamt dauerte der Bau des Tischchens rund 7 Stunden reine Arbeitszeit – die allerdings aufgrund von familiären Verpflichtungen stundenweise über insgesamt fünf Nachmittage verteilt waren – weshalb in Summe doch etwas mehr Zeit erforderlich war als zunächst gedacht.
Wenn man die Chance hat, am Ball zu bleiben kann man so einen kleinen Beistelltisch sicherlich an zwei Nachmittagen erstellen – Trocknungszeit für die Verleimungen nicht enthalten.
Die finale Oberflächenbehandlung überlasse ich hier bewußt dem Empfänger des kleinen Beistelltischchens. So kann man es entsprechend an das vorhandene Mobiliar anpassen. Beispielsweise kann das Tischchen farbig gebeizt und anschließend mit einem Hartöl versiegelt werden, wenn es bunt werden soll. Für eine dezentere Gestaltung könnte es auch mit einer getönten Lasur behandelt werden. Diese beiden Ideen dienen dabei nur als Anregung.
Vielleicht reicht es dem Empfänger aber auch, das ganze Tischen einfach mit einem hochwertigen Möbelwachs zu behandeln und so die Holzmaserung zur Geltung zu bringen.













0 Kommentare zu “Kleiner Beistelltisch aus Resthölzern”