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Kleiner Epoxy River Table – Teil 1

Das Trendthema „Expoxy-River-Table“ hat jetzt auch mich erreicht. Mein Sohn Felix will so einen Tisch haben. Also folgt hier unser Baubericht in mehreren Teilen, da so ein Projekt einige Zeit in Anspruch nimmt.

Und eines gleich vorneweg: Der Bau eines Epoxy-River-Table ist nix für Ungeduldige. Es sind schon etliche Schritte nötig, um so ein Teil zu bauen. Schon die hier beschriebenen ersten Projektschritte haben sich über einige Wochen Zeit hingezogen.

Die Idee dieser Bauform liegt darin, mit einem interessant geformten Holz und Epoxy-Giessharz eine Flußlandschaft zu modellieren. Und ja, eigentlich ist das Ziel ein großer Esszimmertisch. Weil wir aber erst mal Erfahrungen sammeln wollen, wie so etwas umzusetzen ist, ist jetzt erst mal der Bau eines kleinen Beistelltisches angesagt. Denn wenn da etwas schief geht, ist der Geld- und Materialeinsatz noch überschaubar.

Die Holzbeschaffung

Der erste Schritt war also die Beschaffung von geeignetem Holz. Hierzu hat mein Sohn bei einem Naturholzschreiner eine ca. 30mm starke Bohle eines Apfelbaums besorgt. Wichtig dabei: Das Holz muss ausreichend trocken sein, damit es später nicht zu trockenrissen kommt.

Wir haben hier eine kammergetrocknete Bohle erworben, die eine greinge Restfeuchte von ca. 4% (an mehreren Stellen gemessen) hat.

Die Bohle wurde in drei Teile getrennt. Einmal in der Mitte und dann das breitere Teil einmal der Länge nach aufgetrennt. So bekommen wir gerade Kanten und zwei schöne „Flüsse und Seen“ in der Platte. Nach dem Auftrennen wurde das Holz dann nochmals 2 Wochen in der Wohnung gelagert, um das Holz weiter zu akklimatisieren. Das hilft noch vorhandene Spannungen und Verzüge abzubauen.

Mit dem Winkelschleifer und einer Drahtbürste wurden alle losen Holzteile entfernt, sodass die Konturen der Bretter schön heraustreten.

Eine erste Probe ergab die optisch ansprechendste Anordnung der Bohlen.

Auswahl des Harzsystems

Ein wichtiger Punkt ist die Auswahl eines geeigneten Harzsystems. Der Wunsch war hier, eine hochtransparente, glasige Epoxyfüllung zu bekommen.

Bei unserer Recherche sind wir auf die Firma EPODEX gestoßen. Dort hat man uns sehr gut beraten (was leider in der heutigen Zeit eine Seltenheit geworden ist) und alle unsere Fragen umfassend beantwortet.

Beim Harzsystem haben wir uns für das EPODEX PRO+ System entschieden.
Der Grund für das PRO+ System ist die damit in einem Guss erreichbare maximale Schichtdicke von bis zu 5cm. Damit können wir die gesamte Platte an einem Tag gießen und dann einfach für 1 Woche stehen lassen, bis alles ausgehärtet ist. (So der Plan)

Wieviel Harz brauchen wir?

Die Kernfrage beim Bestellen von Harz und Zubehör war natürlich, wieviel Harz wird tatsächlich für unseren Tisch benötigt. Der Bedarf ist aufgrund der unregelmäßigen Formen nur schwer abzuschätzen.

Wir haben uns daher mit dem Einsatz eines CAD Programms (Autodesk Fusion360) beholfen.

Es wurde ein frontales Bild der Holzteile gemacht und in das CAD Programm importiert. Nach dem Anpassen des Maßstabes haben wir die Bereiche markiert, die ausgegossen werden müssen. Dann wurden diese Bereiche im CAD einfach einmal auf die erforderliche Dicke extrudiert.

Von diesen Teilen konnte mit einem Mausklick im CAD das Volumen errechnet werden. Ergebnis hier: rund 3,7 Liter.
Zur Orientierung: Die rechteckige Tischplatte unseres Tisches hat die Abmessungen von ca. 55cm auf 65cm, die resultierende Tischplatte wohl eine Stärke von ca. 26mm

Wir haben daher in Summe 5 Liter Harz bei EPODEX bestellt, um noch etwas Reserve zu haben. Da die Holzteile ja nicht wirklich gerade aufliegen ist damit zu rechnen, dass auch etwas Harz darunter fließen wird.

Bau der Gussform

Es wurde dazu ein Kasten aus einer Preßspanplatte und einigen Streifen OSB gebaut. Das Innenmaß des Kastens hat dabei einen knappen Zentimeter Übermaß.

Da das Epoxyharz sehr dünnflüssig ist, muss bei Bau der Form darauf geachtet werden, dass diese wirklich absolut dicht ist. Alle Kanten sind außen und Innen mit Silikon abgedichtet. Zusätzlich dienen einige Holzklötze als Montagehilfe für die Verschraubungen.

Um das vergossene Teil später aus der Form lösen zu können, wir das Innere der Form mit einem speziellen Trennklebeband ausgekleidet, das ebenfalls bei EPODEX erhältlich ist.

Um dabei auf Nummer Sicher zu gehen, haben wir zusätzlich die Form noch mit einem Trennspray behandelt.

Vorbereiten zum Vergießen

Vor dem Vergießen müssen die Holzteile zunächst versiegelt werden. Das ist notwendig damit es beim Guss der dicken Schichten nicht zur Blasenbildung kommt.

Die Holzteile waren zuvor auf das endgültige Maß abgelängt worden. Jetzt konnten sie in der Gußform platziert werden.

Es wurde eine kleine Harzmenge angemischt und die Holzteile damit eingepinselt.

Danach war wieder ein Tag abwarten angesagt, bis diese erste Schicht Harz ausgehärtet war.

Das Vergießen

Natürlich gab es genau an dem Wochenende an dem wir die Platte vergießen wollten einen heftigen Temperatursturz. In der Garagenwerkstatt herrschten gerade mal 4 Grad – also viel zu kalt für das Harz.

Daher wurde das Vergießen kurzerhand in die Wohnung verlegt. Glücklicherweise ist das PRO+ Harzsystem von EPODEX nahezu geruchlos was hier natürlich von großem Vorteil war.

Die in die Form eingelegten Holzteile wurden mit Schraubzwingen fixiert, damit diese nicht verrutschen oder aufschwimmen.

Das EPODEX PRO+ Harz wurde entsprechend der Verarbeitungsanleitung im Verhältnis 1:2 Harz und Härter angerührt. Zum Einfärben wurden wenige Tropfen eines transparent blauen Farbkonzentrates hinzugefügt.

Das Anrühren erfolgt dabei in einem anderen Gefäß als das spätere Vergiessen. Mit diesem Vorgehen wird sichergestellt, dass man nur ein gut verrührtes Harz-Härter-Gemisch erhält. Klebrige Stellen oder schlecht ausgehärtete Ecken werden so vermieden.

Das Harz wird nochmal kurz aufgerührt. Dann noch kurz abwarten bis die ltzten Blasen im Harz an die Oberfläche aufgestiegen sind.

Das Eingießen des Harzes muss langsam und in einem stetigen Fluß erfolgen. So werden Luftblasen vermieden.

Es wurde überall ein gleich hoher Füllstand angestrebt. Dabei helfen die Spalten zwischen den Holzteilen am Rand der Form. So entsteht überall ein gleich hoher Füllstand des Harzes.

Hier ein Bild der fertig vergossenen Platte. Jetzt heißt es wieder 5-6 Tage warten, bis das Harz komplett ausgehärtet ist. Dann kann die Tischplatte entformt werden.

In Kürze geht es also weiter mit dem Baubericht.

4 Kommentare zu “Kleiner Epoxy River Table – Teil 1

  1. Hmm, nun gibt epodex das Ganze aber in Kilo an. Also 70 Euro nur für das Epoxy?
    Schon heftig wenn man an größere Tische denkt.

    Schöner Bericht auf jeden Fall.

    Blasen musstet ihr nicht beseitigen?

    • Ja, billig ist sowas nicht. Wir haben die 4,5kg Packung bestellt. Mit Blasen hatten wir keine Probleme. Das Harz muss halt warm genug sein, in unserem Falle hatten wir ca 23 Grad Zimmertemperatur.

  2. Wird das Epoxy bei den Mengen nicht heiß? Solche Systeme bergen durch ihre Exothermie ja ein gewisses Risiko der Selbstentzündung.
    Interessanter Bericht auf jeden Fall.

    • Ja, das Epoxy wird beim aushärten warm. Um so dicke Schichten zu gießen braucht es ein Harz, dass sich nur mässig erwärmt. Das EPODEX Pro+ Harz erfüllt diese Anforderungen.
      Man muss halt das technische Beiblatt zum betreffenden Giesharz lesen, dort ist normalerweise die maximale Schichtdicke genannt.

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