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Mittelalterliche Truhe selbstgebaut (Teil 1)

Die in diesem Baubericht beschriebene Truhe folgt in Ihrem Design und der Bauart historischen Vorbildern, Dabei sollte die Truhe leichtgewichtig sein und auch optisch den historischen Vorbildern entsprechen.

Es handelt dabei um ein Projekt das auch für weniger erfahrene Holzwerker gut zu bewerkstelligen ist.

Das Vorbild

Die Anregung für den Bau dieser Truhe kam meiner Tochter beim Blättern in dem Buch „The Anarchist’s design book“ von Christopher Schwarz / Lostartpress.

Die Konstruktion ist sehr einfach, es handelt sich um eine sogenannte 6-Board-Chest (Wer meiner Leser kennt hier einen passenden deutschen Begriff?) die im wesentlichen aus 6 Holzbrettern besteht.

Eine umfassende Beschreibung vom Bau dieser Truhen findet man übrigens auf den Seiten von Popular Woodworking.

Der Bau kann ohne Leim erfolgen, es wird nur mit Nägeln gearbeitet. Wir planen hier den Einsatz von geschmiedeten Nägeln, die es z.B. im Online-Shop von DICTUM zu kaufen gibt. Theoretisch könnte man auch mit Holznägeln arbeiten, aber da ich noch keine Erfahrung im Arbeiten mit Paulownia-Holz habe, werden wir da doch lieber die Metallnägel verwenden

Das Paulownia-Holz wollen wir aus zwei Gründen benutzen: Zum einen da die Truhe in vollem Zustand später relativ häufig herumgetragen werden soll, ist es natürlich sinnvoll dass das Holz leicht ist. Zum anderen hat ein eine schöne feine Maserung die beim Ölen gut zur Geltung kommt.

Zuschnitt der Bauteile

Eine Styrodurplatte wurde auf die Werkbank gelegt und darauf dann die Leimholzplatte.

Und ja, eigentlich schreit so ein Projekt ja nach dem Bau mit ausschließlichem Einsatz von Handwerkzeugen, aber hier soll es ja pragmatisch zugehen. Daher wurde der Zuschnitt größtenteils mit Handkreissäge und Führungsschiene gemacht.

Dabei wurden zunächst die Seitenteile sowie Vorder und Rückseite zugeschnitten.

Wir haben uns hier bei den Maßen an den gekauften Leimholzplatten orientiert. Im Ergebnis sind die Seitenteile 45cm hoch und 35cm breit, die Vorder und Rückseite sind jeweils 35cm hoch und 70cm lang.

Die Seitenteile müssen einen Absatz bekommen der in der Breite der Materialstärke von Vorder- und Rückseite entspricht. Dazu einfach die Seitenteile auflegen und den Schnitt anzeichnen.

Hier wurde mit der Tauchsäge vorgesägt und mit der Japansäge nachgearbeitet,

Mit Hilfe von zwei Bessey-Eckspannern konnte dann der Körper der Truhe schon mal provisorisch zusammengefügt werden. Das erlaubt es, vorab schon mal zu prüfen ob die Größenverhältnisse den Vorstellungen entsprechen.

Einarbeiten der Nuten

Weiter geht es mit dem Nuten der Seitenteile. Dort wird später der Boden der Truhe eingesetzt. Auch hier wieder Pragmatismus pur: EInsatz der kleinen Makita-Oberfräse mit dem fixen Fräskorb und der quadratischen Grundplatte- So kann die Fräse freihand am Anschlag geführt werden.

Die Tiefe der gefrästen Nut beträgt dabei ungefähr 1/4 der Materialstärke – hier also etwa 6mm. Da wir mit einem 10mm Nutfräser arbeiten, muss in zwei Durchgängen gefräst werden, um die erforderliche Breite von 18mm zu bekommen.

Eine vorbildgerechte Truhe hat natürlich eine Beilade. Das ist ein kleines Fach mit Deckel an der Seite der Truhe. Dafür wird eine L-förmige Nut in die Seiten der Kiste eingefräst, in welche später die Fachteile eingesetzt werden.

Das Ausrichten der Fräse ist ganz einfach, wenn man die Mittellinien der Nut anzeichnet. Mit der Markierung am Fräskorb kann die Maschine dann ganz einfach an der Line ausgerichtet werden. Zum Führen habe ich hier die Rückseite der Führungsschiene benutzt, aber ein gerades Stück Holz hätte es auch getan.

Mit dem Hubkorb lässt sich die kleine Makitafräse hier ganz bequem eintauchen und führen. Frästiefe auch hier wieder ca. 6mm. Und unbedingt darauf achten, dass man eine Linke und Rechte Seite fräst, die entsprechend gespiegelt sind.

Die gefrästen Ausrundungen der Nut werden zum Schluß mit dem Beitel noch eckig ausgearbeitet.

Es folgt das einpassen von Boden und Seitenteil der Beilade. Es handelt sich dabei um jeweils ca. 15cm breite Reststücke an die mittels der Makitafräse ein Falz angearbeitet wurde. Man hätte das auch mit einem Falzhobel oder mit der Kreissäge machen können.

Seitenteile ausarbeiten

Jetzt werden alle Teile provisorisch zusammengesteckt und auf Passung geprüft. Wir hatten den Boden absichtlich ein wenig breiter gehalten um diese dann mit dem Hobel auf die exakte Breite bringen zu können. So lassen sich die Toleranzen bei den Seitenteilen auffangen und die Truhe wird unten absolut dicht.

Mit einer gefalteten Pappschablone wird die untere Aussparung der Seitenteile an der Mittelline angezeichnet.

Mit einer Dekupiersäge werden die Aussparungen ausgesägt. Das geht in dem weichen Paulownia-Holz ganz mühelos. Eine elektrisch Stichsäge ist nicht nötig.

Dann beide Seitenteile zusammen einspannen und mit der Holzraspel in Form bringen.

Und jetzt kann alles nochmal zusammengesteckt und auf gute Passung geprüft werden.

Der erste Bauabschnitt ist damit beendet. Um zu verhindern dass sich die Holzteile während der nun folgenden, mehrtägigen Unterbrechung nicht verziehen, lassen wir die Truhe genau so auf der Werkbank stehen.

Im nächsten Schritt werden wir den Deckel anfertigen und die Truhe zusammennageln.

Fortsetzung folgt.

4 Kommentare zu “Mittelalterliche Truhe selbstgebaut (Teil 1)

  1. Christian

    Hallo Wolfram,
    die Übersetzung scheint wirklich 6 Bretter Truhe/Lade zu sein. Dictum hat da sogar ein Video zu. https://www.youtube.com/watch?v=PAKXVFgCNDU

    Gruß
    Christian

  2. Schöner Bericht über eine pragmatischen Bau so einer Kiste.

    Meckermodus:
    Lange Haare gehören in der Werkstatt zum Zopf gebunden und Uhren oder Schmuck sind abzunehmen….

  3. In dem zweitem Absatz nach dem fräsen der Nut hat sich vermutlich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Das Wort „vollbildgerechte“ sollte vermutlich „vorbildgerechte“ heissen.

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