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Bau einer Vitrine – ein Video von Holzwerken TV

Da das DVD-Video „Bau einer Vitrine“ unter dem Weihnachtsbaum lag hat das Christkind meinen Wunschzettel wohl erhalten.

HWVitrine1 Und über die Feiertage hatte ich auch Zeit und Muse, das Video in aller Ruhe anzuschauen.

Da deutschsprachige Qualitätsvideos zum Thema „Holzwerken“ noch immer echte Mangelware sind, habe ich mir diese DVD vom Christkind gewünscht. Denn die dort gebaute Vitrine gefällt mir auch von der Optik her sehr gut und für das kommende Jahr habe ich einige Maserholz-Möbelprojekte geplant.

Mit der DVD „Vitrine“ beginnt die Holzwerken-Redaktion  eine neue Videoserie. Diese trägt den Untertitel „Werkstatt-Kurs“.

Was bekommt der Leser für sein Geld?

Das Heft ist so gestaltet, dass es grundsätzlich wohl auch über den Zeitschriftenhandel zu verkaufen wäre. Allerdings habe ich das Heft „Vitrine“ noch nirgends gefunden. Man muß es direkt beim Verlag bestellen – und wie mir das Christkind geflüstert hat ist dabei schon mit etlichen Tagen Lieferzeit zu rechnen. Heute bestellt und morgen geliefert ist nicht drin.

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Inhaltlich bietet das Heft die genau die Artikelserie wie diese auch in den aktuellen Heften von „Holzwerken“ enthalten ist. Einzige Ergänzung sind einige Querverweise auf die entsprechenden Kapitel der DVD.
Positiv anzumerken ist der Umstand dass für die verwendeten Beschläge eine Bezugsquelle mit Service-Telefon genannt mit ist. Damit ist die Beschaffung dieser Teile für jederman problemlos möglich.

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Hinten in Heft findet man als Zugabe den Bauplan als Explosionszeichung auf einem einseitig bedruckten Blatt DIN A3. Es ist alles ein wenig klein gedruckt für meinen Geschmack, aber gut verständlich dargestellt.

Die DVD

Jetzt zum Herzstück und warum man im Normalfall dieses Heft überhaupt kauft. Die DVD enthält nach einer kurzen Einleitung von Guido Henn mit Hinweis auf seine (wirklich empfehlenswerten Bücher) die Baubeschreibung der Vitrine.

Im Video selbst werden alle Arbeitsschritte zum Bau der Vitrine in insgesamt über 47 Kapiteln ausführlich dargestellt. Es beginnt mit dem Zuschnitt der Blockware für die Stollen und das Aushobeln und endet mit der Oberflächenbehandlung und der abschließenden Montage der Türen.
Besonders interessant fand ich die Beschreibung der Vorgehensweise zur Montage der Beschläge und zum einsetzen der Glasscheiben. Das habe ich bisher so noch nirgends so anschaulich erklärt bekommen.

Die gewählte Konstruktionsweise zeigt dass es im Möbelbau auch ohne Pressluftacker geht. Es werden hier durchgehend „europäische“ Arbeitsweisen gezeigt und damit ist dieses Video ein wohltuender Kontrast zu den vielen Holzwerker-Videos aus USA.

Die Bauweise der Vitrine ist zwar klassisch mit Schlitz und Zapfen, bei den unteren Böden kommen jedoch Taschenbohrungen (Pocket-Holes) zum Einsatz. Warum nur? Vielleicht will man das Video ja auch in USA vermarkten ?

Insgesamt merkt man dass dies ein erster Schritt von Holzwerken.TV in Richtung Kauf-Video ist. Inhaltlich ist es ein Print-Produkt mit einer dazugelegten DVD. Und das macht sich leider in der Struktur der Inhalte bemerkbar, Um das Video auf Anhieb zu verstehen sollte man zunächst das Heft durchlesen und den Bauplan studieren. Erst zum Schluß macht es Sinn das Video anzuschauen.

Verbesserungsvorschläge

Bei der Präsentation der Inhalte auf der DVD kann in Zukunft noch einiges getan werden, denn da gibt es in meinen Augen noch viel Verbesserungspotential. Dazu folgende Anregungen für künftige Video-Werkstatt-Kurse.

Die Bauweise der Vitrine mit den einzelnen Komponenten könnte man z.B. mit einer kleinen Animation des CAD-3D-Modells an geeigneter Stelle im Video erläutern. Dann würden z.B. die einzelnen Arbeitsschritte beim Zusägen der Zapfen viel verständlicher werden.

Immer wieder gibt es im Video relativ lange Passagen nur mit Hintergrundmusik und einem eifrig werkelnden Guido Henn. Das ist schade, denn da könnte der Autor noch etwas Hintergrundwissen erläutern ohne dass man erst umständlich im Begleitheft nachlesen muß.
Ein Beispiel ist das Einschrauben der Schubladenführungen. Statt langweiligem Musikgedudel könnte man hier z.B. etwas zu den verwendeten Schraubentypen, deren Größen usw. sagen.
Auch die richtige Oberflächenbehandlung der fertigen Konstruktion wird im Video erläutert. Das ist grundsätzlich sehr löblich, allerdings teilweise ein wenig langatmig. Einige der Ölpinselorgien könnte man kürzen.

Insgesamt werden alle Arbeitswiesen anschaulich beschrieben aber kaum begründet. Warum macht man diesen Arbeitsschritt so wie gezeigt?
Solche Fragen bleiben leider meist unbeantwortet und der Zuschauer wird statt dessen mit netter Dudelmusik berieselt.

Was wünsche ich mir also von künftigen Werkstatt-Kurs DVDs?

  1. Ein Sketchup-Modell der Vitrine mit auf der DVD. Dann könnte man sich auf dem PC die Konstruktion in aller Ruhe anschauen. Auch ein Anpassen des Möbels auf andere Maße wäre damit erheblich vereinfacht.
  2. Statt der vielen Musikpausen lieber ein paar Kommentare in denen Hintergrundinformationen zum jeweiligen Arbeitsschritt gegeben werden. Hier verschenkt diese DVD im Moment noch sehr viel Potential.
  3. Mehr alternative Vorgehensweisen zu den einzelnen Arbeitsschritten. So kann man die Umleimer z.B. auch mit einem Taschenhobel bündig hobeln. Dazu braucht es nicht die Oberfräse mit einem voluminösen Anschlag
  4. Hinweise was zu tun ist wenn mal etwas nicht so klappt. Gerade an den kritischen Bauabschnitten – also z.B. die Zapfen des Rahmens nicht bündig schließen – würde das die DVD für viele Holzwerker mit weniger Erfahrung deutlich attraktiver machen
  5. Das Video künftig bitte auch als digitalen Download anbieten. Denn offen gesagt kaufe ich mir eigentlich keine Medien mehr auf Datenträger. Die lange Lieferzeit wäre dann auch hinfällig und es könnten auch international viel mehr Kunden angesprochen werden.

Für wen lohnt sich der Kauf?

Alle Holzwerker die sich mit dem Möbelbau mit Massivholz beschäftigen sollten hier aber trotz meiner Kritik unbedingt zugreifen. Die vorgestellte Vitrine ist zwar kein „Einsteigerprojekt“, aber es werden viele Tipps gegeben die auch bei kleineren Projekten ihre Anwendung finden können. Es ist daher für jeden engagierten Holzwerker wertvoll, der schon über eine kleinere Werkstatt und eine Grundausstattung an Elektrowerkzeugen besitzt, mit der er auch umgehen kann.

Und alle Teilnehmer eines Möbelbaukurses von Heiko Rech finden hier wertvolle Inspirationen für weitere Projekte und sollten hier auf jeden Fall zugreifen.

Deshalb hier das kurze Promotions-Video von Holzwerken-TV damit sich der geneigte Leser meines Blogs einen ersten Eindruck verschaffen kann:

Mein Fazit:

Endlich ein professionelles deutsches Video-Angebot für Holzwerker. Für alle Holzwerker mit Ambitionen im Möbelbau aus Massivholz auf jeden Fall ein sehenswertes Video, auch wenn dies wie oben beschrieben noch Potential für inhaltliche Verbesserungen aufweist. Meine Bewertung ist daher ein „Gut“, zum „Sehr Gut“ reicht es im internationalen Vergleich noch nicht ganz.

Das Thema „Video“ ist sicherlich das zukunftsträchtige Format wie die Holzwerkerszene in USA beweist. Dort haben Videos die höchste Zuwachsraten.
Daher bin ich schon auf das nächste Video-Heft aus dieser Reihe von Holzwerken.TV gespannt.
Und nachdem in meiner letzten Umfrage knapp 60% der Leser meines Blogs eine grundsätzliche Kaufbereitschaft für professionelle Videos signalisiert haben sollte die Reihe „Werkstatt-Kurs“ eigentlich die nötigen Verkaufszahlen erreichen.

Und was denken meine Leser? Ist meine Kritik überzogen? Ich bin auf die Kommentare gespannt.

2 Kommentare

  1. Hallo
    am Anfang hatte ich auch großes Interesse an Holzwerken-Produkte, doch schnell erkannte ich den völlig auf Kommerz ausgerichteten Hintergrund.
    Auch hier das Produkt bei der Vitrine, für Euro 29,80 !!
    Pläne für Vitrinen gibt es im Netz genügend. Und Heimwerker, die mit gezeigten Werkzeugen und Ausrüstungen arbeiten, benötigen eine Video-Anleitung ganz sicher nicht mehr.
    Das “Lehrgeld” sollte man lieber in vernünftiges Werkzeug und in hilfreiche Maschinen stecken, denn ohne dieses hilft auch das beste Video nichts. Nach Plan etwas nachzubauen ist wie “malen nach Zahlen”; …recht bald langweilig. Lernen kann man dabei überhaupt NICHTS! Dann lieber ran an “Sketchup” und lernen damit umzugehen. Anschliessend interessante Ideen im Netz ansehen, selbst konstruieren und dann bauen. Und aus den Fehlern wiederum lernen.

    Antworten
  2. Hallo Wolfram,

    Danke für diesen Beitrag. Auch ich habe mir die DVD gegönnt. Als Abendunterhaltung auf dem Sofa sehr schön. Aber mit der Zeit doch einschläfernd. Diese Musik und die immer glücklich und alles sehr Einfach Stimme ist ziemlich nervtötend.

    Und umsetzbar nur für den “Full Festool Highend Abhängigen”. Diese Passgenauigkeit ist schon langweilig. Mir würde da mehr aus der TrickKiste gegriffen gefallen.

    Aber wie gesagt: Als Zeitvertreib sehr schön.

    Gruß Andi

    Antworten

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