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Japanische Werkzeugkiste aus Massivholz

Meine Tochter wünschte sich eine passende Kiste zum Aufbewahren der Utensilien für das Bogenschießen mit japanischen Langbögen.

Was lag da also näher, als eine kleine Werkzeugkiste nach japanischem Vorbild zu bauen.

Der Plan

Wer nach dem Stichwort „Japanese Toolbox“ bei Google sucht, der findet eine Unmenge an Beispielen, der den Bau einer solche Box mehr oder minder gut zeigt.
Auf dem Blog „Hillbillydaiku“ von Greg Merritt habe ich dann diesen Plan einer japanischen Werkzeugkiste gefunden, der mir als geistige Grundlage für dieses Projekt gedient hat.

(c) Greg Merritt  / Mit freundlicher Genehmigung 

Besonders gefallen hat mir dabei der Einsatz verschiedener Materialstärken von Greg, um das Gewicht der Kiste zu reduzieren, ohne die Stabilität zu kompromittieren.

Das Material

Als Material wäre für so eine japanische Werkzeugkiste eigentlich ein leichtes Holz wie z.B. Pappel ideal, aber es mußte mal wieder schnell gehen. Keine Zeit um zum Holzhändler zu fahren.
Deshalb habe ich auf ein vorhandenes Brett zurückgegriffen – 18mm starkes Kiefern-Leimholz, das noch vom Bau des skandinavischen Bücherregals übrig geblieben war.

Das Brett ist 2m lang und 40cm breit – also genug Material für die Kiste – selbst wenn man einige Fehlstellen absägen muss. Die geplante Abmessungen betragen 29*41cm und eine Höhe von rund 16cm.

Bau der Kiste

Mit der Tischkreissäge geht der Zuschnitt der vier Seitenteile schnell von der Hand. Wenn ein wenig mehr Zeit und Muße gewesen wäre, hätte ich hier sicher von Hand gearbeitet.

Dabei habe ich auch gleich die Schnitte für die beiden Nuten gemacht. In etwa 8mm tief und – hier ist ein wenig Präzision gefragt – 18mm breit zwischen den äußeren Schnittkanten. So sitzen die Seitenteile passgenau in den Nuten.

Die Nut wird dann mit dem 16mm Beitel herausgearbeitet. Bei dem weichen Kiefernholz kein großes Problem.

Und schon kann die Passprobe der Seitenteile der japanischen Werkzeugkiste erfolgen – alles OK.

Nach dem Auftragen des Leims wird alles mit den bewährten Wolfcraft Einhandzwingen fixiert und ausgerichtet.

Die Griffe der Kiste sind ein Reststück vom Zuschnitt der Seitenteile welches ich mit einem Winkelschnitt vom 30 Grad halbiert habe. So bekommt man trotz der 18mm eine angenehme Griffmulde zum Tragen der japanischen Werkzeugkiste.

Für den Boden und den Deckel wollte ich die Materialstärke von 18mm auf 12mm reduzieren. Das hat zum einen ästhetische Grunde, spart aber auch Gewicht!
Daher wurden die verbliebenen Bretter auf 30cm Breite zugeschnitten. Warum? Das ist die maximale Breite die mein Makita Dickenhobel verarbeiten kann.

Wenn man die Makita in voller Breite nutzt, sollte man pro Durchgang nicht mehr als 0,5mm abnehmen. Das verhindert Ausrisse und ergibt eine schöne Oberfläche.

Um den Boden für die japanische Werkzeugkiste passgenau zuzusägen, wird der Korpus auf die Säge gelegt, der Längsanschlag an die Kiste geschoben und fixiert.

Damit ist der Anschlag ohne Messen passend eingestellt und das Bodenbrett kann in der entsprechenden Breite zugesägt werden.

Der ganze Vorgang wird anschließend nochmals für die Länge wiederholt. Das Ergebnis ist ein perfekt passender Boden.

Vor dem Aufkleben der Deckelleisten wird die Oberseite des Kistenkorpus mit dem Putzhobel bündig gehobelt.

Einpassen des Deckels

Natürlich ist beim Herunterhobeln des Leimholzes eines der Astlöcher aufgebrochen. Glücklicherweise konnte ich aber die Schnitte so legen, dass dieser Teil wegfällt.

Nachdem die oberen Querhölzer aufgeleimt und getrocknet waren konnte der Deckel abgelängt werden.

Bei der japanischen Werkzeugkiste liegt der Deckel im Inneren, also zwischen den beiden Seitenteilen. Um das alles passgenau zu haben, lohnt es sich ein wenig mehr Zeit zu investieren. Der Deckel wurde zunächst mit ca. 1mm Übermaß auf der Tischkreissäge gesägt. Mit dem Hobel habe ich dann den Deckel passend gemacht, bis diese mit minimalem Spalt passte.

Das Ermitteln der optimalen Länge des Deckels erfolgt am besten wieder direkt an der Kiste. Dazu wird der erste Querträger aufgeleimt.

Da ich in dieser japanischen Werkzeugkiste keine Schrauben oder Nägel verwenden wollte, wurde alles mit 6mm Buchendübeln fixiert. Diese sind von einem 1m Stab abgesägt. Vor dem Einsetzen habe ich die Dübel mit dem Bleistiftspitzer angefast. So lassen sie sich problemlos in die Bohrungen hämmern.

Beim Deckel sind die Bohrungen senkrecht, um die Ausrisse an der Unterseite zu minimiren, aber beim Korpus der Kiste sind die Bohrungen immer wechselweise schräg gesetzt.

Die Dübel sperren sich so gegenseitig und die Holzteile werden nicht nur vom Leim gehalten.

Hier ein Blick von oben auf die japanische Werkzeugkiste mit eingesetztem Deckel. Jetzt kann geprüft werden, ob sich der Deckel wie geplant so weit verschieben lässt, dass er auf einer Seite bis zum Anschlag geht. Dabei muss dann der rechte Teil offen sein.

Wenn alles passt, kann der zweite Querträger aufgeleimt und festgedübelt werden. Dieser Träger ist dabei mit ca. 10 Grad verjüngt. Später kann hier die japanische Werkzeugkiste mit einem Keil während des Transports verschlossen werden.

Der Abstand der zweiten Leiste ist so wählt, dass der Deckel ganz nach rechts geschoben gerade auf der linken Seite einen kleinen Spalt hat. Das erlaubt es, Deckel herauszunehmen.

Die Überstände am Deckel wurden mit einer Japansäge ohne Rücken bündig abgesägt und mit dem Einhand-Hobel noch ein wenig verputzt.

Als letzter Arbeitsschritt wird der Boden aufgeleimt, und die Dübel allesamt bündig abgesägt.

Auch der Boden bekommt noch 8 Dübel rundherum.

Diese kleine Japansäge die ich dafür benutze ist übrigens von ALDI. Der Discounter hat diese Säge der Marke Workzone zusammen mit 3 Ersatzsägeblättern alle Jahre wieder für kleines Geld (weniger als  5,00 EUR) im Angebot. Kann man in meinen Augen unbesehen kaufen und es ist ähnlich wie die China-Beitel eines der wenigen Werkzeuge beim Discounter das sein Geld wert ist.

Die fertige japanische Werkzeugkiste

Hier noch ein paar Bilder der fertigen japanischen Werkzeugkiste. Der gesamte Bau hat rund 8 Stunden einschließlich der Wartezeiten für den Leim gedauert. Kostenaufwand ca. 15 EUR – 12 EUR die Leimholzplatte, 2 EUR die beiden Buchenrundstäbe für die Dübel, 1 EUR anteilig für Leim.

Die Auftraggeberin war auf jeden Fall sehr zufrieden.

Und weil der Deckel so schön aufzumachen ist, sieht man diesen Vorgang hier in Aktion:


Animiertes GIF-Bild – ggf. mal draufklicken – wird evtl. nicht überall korrekt angezeigt.

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