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Der Nackte Holzwerker – natürlich jugendfrei

“Der Nackte Holzwerker” nennt sich im Original “The naked Woodworker” und ist eine zweiteilige DVD/Videoserie die von Lost-Art-Press / USA veröffentlicht wurde.

NakedWW_1Worum es dabei geht und für wen sich der Kauf dieser Videos lohnt beschreibe ich hier.

Worum geht es?

Der “Star” dieses Videos ist Mike Siemsen – der Inhaber einer Schule für Holzwerker in Maine / USA. Er demonstriert hier wie man mit geringsten finanziellen Mitteln gebrauchtes Werkzeug kauft, dieses aufarbeitet und anschließend mit dem Werkzeug eine Sägebank sowie als Höhepunkt eine ganze Werkbank im englischen Stil baut.
Mike möchte damit zeigen, dass der Einstieg ins Holzwerken nicht zwingend mit großen Investitionen in einen großen Park von teueren Edel-Werkzeugen und Profi-Maschinen verbunden sein muß.

Daher auch der Titel “the naked Woodworker” – denn am Anfang des Videos ist Mike ein Holzwerker ohne jegliches Werkzeug, ohne Werkbank – also ein “nackter Mann”. Und am Ende der beiden Videos hat er eine ansehnliche Grundausstattung von Werkzeug und die dazugehörige Werkbank.

Video1 – Werkzeugkauf

Im ersten Teil beschriebt Mike Siemsen den Kauf von gebrauchtem Werkzeug und das Aufarbeiten der Werkzeuge.

NakedWW_2Das beginnt mit einem Besuch auf den in USA üblichen Werkzeug-Börsen und Holzwerker-Flohmärkten. Es wird erklärt worauf man bei Kauf von gebrauchtem Handwerkszeug achten muß, welche Mängel man tolerieren kann und welche nicht. Auch wenn dieser Abschnitt des Videos für uns hier in Europa nur bedingt nachvollziehbar ist, zumal die bei uns auf Flohmärkten erhältlichen gebrauchten Werkzeuge doch teilweise ganz andere sind, ist es doch interessant zu sehen was in anderen Teilen der Welt so gehandelt wird.

Anschließend folgt im Rest des Videos eine ausführliche  und sehr anschauliche Beschreibung wie man das soeben gekaufte Werkzeug wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt. Dabei nimmt das Schärfen in den verschiedensten Formen einen breiten Raum ein. Beitel, Hobeleisen, Sägen – alles ist dabei.

NakedWW_6Besonders erfreulich ist dabei dass beim Sägenschärfen auch die Theorie sehr verständlich erläutert wird. Das eigentliche Schärfen der Sägen mit der Feile wird ebenfalls sehr anschaulich demonstriert.

NakedWW_5Mit einfachen Kniffen und Tricks die hier gezeigt werden kann man auch als Anfänger brauchbare Ergebnisse erzielen.

Meine Zusammenfassung von Teil 1: Alles sehr gut verständlich erklärt – für den Freund des Arbeitens mit Handwerkzeugen ein sicher lohnendes Video. Viele Informationen zur Werkzeugauswahl und Pflege.

Video 2 – Bau der Werkbank

In zweiten Video geht es um den Bau einer Werkbank in englischen Stil. Dies erfolgt dabei komplett mit den im ersten Teil gekauften und aufgearbeiteten Handwerkzeugen. Also ein optischer Leckerbissen für alle Freunde des Holzwerkens von Hand.

NakedWW_3

Um eine Werkbank zu bauen benötigt man aber zumindest zwei Sägeböcke, um halbwegs vernünftig arbeiten zu können. Deshalb zeigt Mike am Anfang des zweiten Videos als Erstes wie man aus einem Brett zwei stabile Sägeböcke baut. Die Konstruktion ist so gewählt, dass Toleranzen beim Zusägen der relativ unkritisch sind und in den nachfolgenden Arbeitsschritten wieder aufgefangen werden können. Es wird hier im wesentlichen nur mit Winkel, Säge und Hammer gearbeitet.

NakedWW_4Danach geht es mit dem Bau der Werkbank weiter. Es ist eine sogenannte Nicholson-Werkbank wie diese in England lange üblich wären. Es handelt sich um ein klassisches Modell mit Löchern für Niederhalter und einem einfachen Bankhaken um Werkstücke an der Vorderseite zu fixieren..
Die Konstruktionsweise von Mike ist auch wieder recht unkritisch was die Toleranzen der Bauteile betrifft. Natürlich gibt es immer wieder einige Arbeitsschritte die auf den weiteren Bau großen Einfluss haben, aber das wird immer sehr detailliert  erklärt. Insgesamt eine auch für den ungeübten Holzwerker machbare Konstruktion.

Zusammenfassung Teil 2: Zwei Sägeböcke und eine Werkbank die hier sehr anschaulich erklärt und nur mit wenigen Handwerkzeugen gebaut werden. Sehr lehrreich und auch unterhaltsam. Die gezeigten Arbeitsweise sind auch für viele andere Projekte anzuwenden.

Kauf des Videos

Ich habe diese Videos bei Lost-Art-Press als Download-Video gekauft. Der Preis für den “Naked Woodworker” beträgt 20$ – gegenwärtig also rund 18 EUR. Das Video ist im MP4-Format und kann nach dem Kauf heruntergeladen und abgespeichert werden. Da es DRM-frei ist, kann man es anschließend auf praktisch allen Geräte im Haushalt abspielen – Smartphone, Tablet-Computer, PC, Smart-TV – alles kein Problem.
Man kann es aber auch einfach in der “Cloud” liegen lassen und per Streaming auf dem Gerät seiner Wahl anschauen. Also ein sehr faires Angebot für den Käufer der digitalversion des Videos.

Und nun eine Frage die ich immer wieder höre: Warum gibt es sowas nicht auf Deutsch?

Nun ja, da brauch ich ja nur auf meine aktuell laufende Umfrage oben rechts auf der Menüleiste zu schauen. Als ich dieses Video vor einigen Wochen bei Lost-Art-Press bestellt habe ich zeitgleich auch die Umfrage gestartet, ob deutsche Holzwerker bereit sind für professionelle Videos zu bezahlen. Und was ist das Ergebnis? Sieh selbst.
Zum einen haben bisher nur wenige Besucher überhaupt abgestimmt, zum anderen wollen nur wenige etwas bezahlen. Also müssen deutsche Holzwerker wohl weiterhin Englisch lernen…

Warum will aber niemand hier in Deutschland für professionelle Inhalte bezahlen? Reichen die “YouTube”-Videos aus?

12 Kommentare

  1. Bezugnehmend auf Deine Frage hier meine Theorie:

    Die Zielgruppe in Deutschland ist zu klein. Vielleicht ist im englischsprachigen Raum ebenfalls ein ebenso hoher Prozentsatz nicht bereit, für derartige Videos zu bezahlen. Da die absolute Anzahl an potentiellen Abnehmern jedoch wesentlich höher ist, gibt es trotzdem genügend, die dafür Geld hinblättern.

    Man muss ja auch bedenken, dass englischsprachige Videos nicht nur von englischen Muttersprachlern angeschaut werden können, sondern von – vielleicht nicht der ganzen, aber doch einem seeeehr großen Teil – der gesamten Welt.

    Das passende Beispiel bist Du ja selbst: Deutsch als Muttersprache und trotzdem ein englisches Video gekauft 🙂

    Das die Bezahlkultur dort vielleicht anders ist, ist natürlich auch gut möglich, aber dazu kann ich nichts sagen.

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  2. Und ja – Ich denke, für den Mainstream reichen die Videos auf Youtube. Die Arbeit mit Holzhandwerkzeugen ist in meinen Augen schon eine recht spezielle Sache, wenn man sich das Gros der Heimwerker und Do it yourselfer anschaut.

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    • Es geht ja nicht nur im Videos mit Handwerkzeug – es geht generell um deutschsprchige Holzwerker-Videos.
      Das mit der “Bezahlkultur” höre ich immer wieder, glaube aber dass es zum einen an der Qualität der Inhalte liegt und zum anderen um die Relevanz für die Zielgruppe.
      In meinen Augen machen sich deutsche Verlage viel zu wenig Gedanken um die Interessen Ihrer Leser. Hauptsache der Inhalt ist “billig genug” zu bekommen. Und dann wundert man sich über die fehlende Kaufbereitschaft…

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  3. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 45/2014 - Heimwerker-Blog

  4. Ich würde mich auch über deutsche Videos in guter Qualität freuen, ich mag zum Beispiel die Videos von Paul Sellers sehr gerne. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die Sprache, sondern mehr um die “lokalen Gegebenheiten”. Wenn zum Beispiel über Händler/Bezugsquellen, gängige lokale Holzarten und Maße gesprochen wird, oder über Werkzeug-Börsen wie in deinem Text, da würde mich schon interessieren welche Tipps und Infos es im deutschsprachigem Raum gäbe.

    Vor nicht allzu langer Zeit habe ich jemanden getroffen, der eine Firma gründen möchte, um solche Videos zu produzieren (DIY allgemein), bin gespannt was daraus wird.

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    • Na da bin ich ja mal gespannt ob das klappt. Ich kenne beruflich ettliche Journalisten die so etwas wie Bezahlvideos anpacken wollten, aber dann doch nicht aus dem Knick gekommen sind.

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  5. Mir fällt gerade ein, dass ich letztens einen Anruf bekommen habe, wo mir jemand vorgeschlug, so etwas zu machen.

    Da ich mich allerdings noch an den Aufwand für meine Video-Versuche erinnerte, habe ich dann doch lieber abgelehnt. Wenn man von so etwas nicht von Anfang an leben kann, dann wird das sehr stressig…

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    • Ja der Aufwand für Videos wie ich sie mir anschauen würde ist erheblich. Es ist ja nicht nur das aufnehmen, es muss ja auch Licht und Ton stimmen, der Schnitt usw. Alles sehr zeitaufwändig. Daher hab ich hier auf dem Blog auch praktisch keine eigenen Videos, sonst gäbe es nur die Hälfte an Projekten…

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  6. Ich hatte mir die Videos gleich nach Veröffentlichung gekauft. Ist schon arg US-basiert, ich finde, da passt vieles nicht für unsere Verhältnisse. Schon allein so viele Flohmärkte mit qualitativ guten Sachen gibt’s hier einfach nicht. Und nachdem ich es gesehen hatte, muss ich zugeben, interessierte mich v.a. das 1. Video kein bisschen, wie ich feststellen musste.
    Ich mag Leute wie den Christopher Schwarz oder Frank Klausz da viel mehr, die sind irgendwie videotauglicher. V.a. Frank Klausz, bei diesem kommt stets sehr viel Leidenschaft rüber, selbst jetzt noch im Rentenalter.
    Aber für solche Inhalte bezahlen, wenn sie gut produziert sind? Keine Frage, ja!
    Ich will jetzt aber keinen Herrn Duhme von der Holzwerken-Zeitschrift in einem Kaufvideo sehen. Der wirbt ja öfters für Inhalte des Magazins auf Youtube – und jedes zweite Wort gefühlt lautet “äh”. Ich hab keine Lust dem zuzuhören. Da fehlt es an Souveränität, da fehlt es definitiv an einer Sprech-Schule, so leid es mir tut.
    Uns deutschsprachigen Interessierten fehlt ein Steve Ramsey, eine Rampensau.

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    • Heute sah ich am Kiosk die neue Holzwerken. Und siehe da, die lieben Leute bieten jetzt auch ein Video zum Bau einer Vitrine an. Gemacht hat es der Guido Henn. Die sind immer mit Off-Sprecher und wirken daher ein wenig steril. Mal sehen ob ich mir die DVD leisten werden.

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