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Holzwerken Live 2019 – ein Rückblick

Wie versprochen folgt ein umfassender Bericht von der “Holzwerken Live 2019” – einer Veranstaltung der Zeitschrift Holzwerken die am 25. und 26. Oktober 2019 in der Alten Kelter in Fellbach nahe Stuttgart stattgefunden hat.

Hier versuche meine Eindrücke von diesen zwei Tagen zu schildern.

Die Holzwerken Live ist eine Mischung aus “Holzwerker-Kongress” und “Ausstellung” verschiedener Händer und Hersteller. Das bedeutet dass zum einen ein interessantes und abwechslungsreiches Bühnenprogramm interessanter Fachvorträge geboten wurde, zum anderen eine Ausstellung in der Maschinen und Werkzeug nicht nur ausgestellt sonder vielfach auch gleich ausprobiert werden konnten.

Die Ausstellung

Die Stände in der Halle der Alten Kelter in Fellbach waren erfreulich luftig angeordnet, sodass es trotz ordentlicher Besucherzahlen niemals das Gefühl von Enge und Gedränge gab.

Maschinenhandel Mayer mit dem gesamten Sortiment der Fa. RECORD Power aus England. Hier standen die englischen Kollegen den fragenden Besuchern insbesondere zum umfangreichen Sortiment der Bandsägen Rede und Antwort.

Präsentation des neuen Duo-Düblers DDF-400 von Mafell und seiner Möglichkeiten durch kompetentes Personal des Herstellers.

Hier bei Arbortech konnte jeder mal kräftig losschnitzen und deren Produkte ausprobieren.

Auch mit den Klemmsia-Zwingen lassen sich erstaunlich große Haltekräfte erzeugen.

Natürlich konnte man auch das Sortiment der BESSEY Zwingen in Augenschein nehmen und ausprobieren.

Der stets dicht von Besuchern umlagerte Stand von Tormek, an dem die neueste T8-Schleifmaschine und zahlreiche neu, innovative Schleifführungen gezeigt wurden.

Hier ein Bild vom Abend des ersten Tages – ein “Feierabendbier” am Stand von Holzwerken. Dort konnten übrigens auch alle Bücher aus dem aktuellen Verlagsprogramm in Augenschein genommen werden.

Das Bühnenprogramm

Als wesentlicher Bestandteil der Holzwerken live wurde während der gesamten Öffnungszeiten der Veranstaltung ein Bühnenprogramm veranstaltet. Hier wurde in jeweils 30 Minuten langen Vorträgen und Präsentationen verschiedenste Themen von Experten präsentiert.

so zeigte beispielsweise Tormek nicht nur das Arbeiten mit seiner Maschine sondern erklärte auch den theoretischen Hintergrund worauf des ankommt, um am Ende eine optimal scharfe Schneide zu bekommen.

Die bekannte Buchautorin Melanie Kirchlechner hielt einen sehr guten Vortrag. Es war der Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden zur Oberflächenbehandlung von Holz.

Ein weiterer sehr interessanter Vortrag war die Präsentation eines Unterdruck-Spanntisches von Stefan Böning.

Er zeigte einen selbstgebauten Saugtisch mit dem Bauteile durch Unterdruck auf einer Gummimatte fixiert werden können. Dabei wird der Unterdruck mit einem Staubsauger erzeugt, der gleichzeitig auch den Exzenterschleifer bzw. die Oberfräse absaugt.

Das Interessen diesen Tisch einmal in Augenschein zu nehmen war nach dem Vortrag natürlich groß.

Eine genaue Bauanleitung für diesen Saugtisch ist übrigens in der Zeitschrift Holzwerken / Heft 74 zu finden.

Insgesamt habe ich an beiden Tagen acht Vorträge im Bühnenprogramm besucht, die meisten davon am zweiten Tag, da ich ja am ersten Tag den nachfolgend vorgestellten Werkstatt-Kurs besucht hatte.

Die Werkstatt-Kurse

Neben dem Bühnenprogramm gab es ein umfangreiches Kursprogramm zu den verschiedensten Themen. Hierfür wurden zusätzlich zum Eintrittspreis nochmal 38 EUR pro Kurs verlangt. Und offen gesagt, war ich skeptisch, was man da geboten bekommt. Ich habe hier den Kurs von Matt Kenney besucht, in dem er seine Techniken zum Herstellen kleiner Holzboxen gezeigt hat.

Und klein bedeutet hier wirklich klein. Die größten Boxen sind ca. 7*15cm, die kleinsten 4*4cm in den Grundmaßen. Alle Arbeitsschritte konnten auch auf einem großen Bildschirm aus einem optimalen Blickwinkel betrachtet werden.

Ein Blick in den Kursraum

Interessant war die Technik zum fixieren der Bauteile beim verleimen der kleinen Kästchen.

Das Muster wurde dann auch herumgereicht und jeder Teilnehmer konnte es selbst ausprobieren.

Zum Schluß folgte noch eine ausführliche Fragerunde. Wer wollte, konnte auch selbst die entsprechende Vorrichtungen und Werkzeuge selbst ausprobieren.

Dieser Workshop war für mich wirklich lohnenswerte 90 Minuten mit vielen neuen Anregungen und Ideen.

Die Freifläche

Auf der Freifläche der Messe waren die eher “rustikalen” Aussteller vertreten. So wurden z.B. die Sägewerke von Logosol dort vorgestellt.

Weiterhin wurde das “schnitzen” mit der Kettensäge nicht nur praktisch gezeigt, sonder es wurde auch erklärt, wie und wo man welche Schnitte setzen muss, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

Daneben gab es auch noch ein großes Catering mit Schnitzel, CurryWurst, Schupfnudeln und mehr. Alles frisch zubereitet, alles sehr lecker.

Die CNC High-Lights

Ein Thema das mich sehr interessiert hat sind die neuesten Entwicklungen im Bereich der CNC-Technik für das Holzwerken. Hier wurde die handgeführte CNC-Fräse “SHAPER Origin” gezeigt und konnte auch ausprobiert werden.

Die Navigation der Fräse erfolgt per Bildschirm bei dem man den virtuell eingeblendeten Linien einer SVG oder DXF Datei folgt. Das ganze ist recht intutiv zu bedienen, Start und Stop des Fräsvorganges erfolgt mit zwei Knöpfen am Handgriff der Fräse.

Die Maschine wird ca. 2200 2.890 EUR netto (also 3440 inkl. MWSt) kosten und soll Anfang des kommenden Jahres hier in Deutschland erhältlich sein.

Eine weitere interessante Neuheit im CNC-Bereich ist die neue Fräse von YETI-TOOL. Für den deutschsprachigen Raum (D,A,CH) im Vertrieb von SauterShop. Dies ist eine halbstationäre CNC-Fräse bei der man ganze Platten aufspannen und bis an den Rand bearbeiten kann.

Diese Fräse besitzt einen Zahnstangenantrieb für X und Y-Achse, die von zwei Schrittmotoren bewegt werden. Zusätzlich wird die Platte mit Rollen oben und unten geklemmt.

Die X-Achse ist ein selbsttragender Rahmen auf dem sich der Fräskopf mit der Z-Achse bewegt. Maximaler Vorschub beträgt 12m/min, es können Platten bis zu einer Stärke von 60mm bearbeitet werden.

Als Fräsmotor kommt ein AMB Motor mit 1000 Watt und elektronischer Drehzahlregelung  zum Einsatz. Die Geräuschentwicklung ist erstaunlich gering, da das Agregat eingehaust ist.

Die Bedienung der Anlage erfolgt über einen kleinen Bildschirm an der Fräse. Ein zusätzlicher PC ist daher nicht nötig, die Fräsdaten werden auf einem USB-Stick gespeichert.

Die Fräse ist ab sofort bei Sautershop für 5.500 EUR inkl. MWSt erhältlich. In Anbetracht dass man hier eine Bearbeitungsfläche von 125 * 250 cm hat, ist das ein sehr attraktiver Preis!

Und dann hat noch das englische Software-Unternehmen VECTRIC seine 3D-Frässoftware VCarve und ASPIRE vorgestellt. Damit gelingt es “im Handumdrehen” aus Bildern bzw. aus STL-Dateien 2,5D-Fräsdaten zu erzeugen.

Hier hatte ich Gelegenheit mit dem anwesenden Chef von Vectric, Edward Powell eine längere Diskussion über den Einsatz von CNC-Maschinen im Holzwerken zu führen. Insbesondere das Erzeugen von 3D-Reliefen mit der V-Carve Desktop Software werde ich in Kürze noch genauer vorstellen.

Die Software V-Carve und Ihre Möglichkeiten wurden auch in einer Veranstaltung des Bühnenprogramms live vorgestellt.

Mein Fazit

Die Veranstaltung “Holzwerken live” hatte für jeden interessierten Holzwerker eine Menge zu bieten. Es ist definitiv keine “Schnäppchen-Messe” um irgendwelches Werkzeug billig einzukaufen und das ist auch gut so. Solche Veranstaltungen haben sich in Zeiten des Online-Handels definitiv überlebt. Statt dessen wurde der Fokus auf Wissensvermittling und Erfahrungsaustauch gelegt. Der für die Holzwerken Live genannte Anspruch “Techniken lernen – freunde treffen” wurde definitiv erfüllt. Ich konnte an beiden Tagen viele interessante Gespräche führen und Erfahrungen austauschen.

Viele Holzwerker hatten mir im Vorfeld der Veranstaltung gesagt, dass Ihnen die Anreise zu weit ist. Das sollte man sich im kommenden Jahr aber nochmal überlegen.
Der Termin für die nächste Holzwerken live steht auch schon fest – 6. und 7. November 2020 – und ja, da werde ich definitiv wieder mit dabei sein.

Wer weiter entfernt wohnt und einen oder mehrere der Kurse auf dieser Veranstaltung besucht der sollte sich ggf. ein Hotel in der Umgebung suchen. Das Bühnenprogramm und die Gespräche lassen so einen Tag nämlich wie im Flug vergehen.

 

2 Kommentare

  1. Klaus Welch

    28/10/2019 @ 08:57

    …eine Shaper Origing für 2200EUR…das wäre schön.

    …laut Shapertools wird die Origin 2890EUR netto (=3439EUR brutto) kosten.

    Antworten
    • Hallo Klaus, Danke für den Kommentar. Die 2200 EUR wurden mir am Stand genannt. Aber da mich schon mehrere Leser auf den “richtigen” Preis hingewiesen haben, habe ich den Preis im Text korrigiert.

      Antworten

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