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Ausprobiert – Parkside Tauchsäge PTSS 1200 C1

Nach meinen Hinweis auf die Sonderaktion „Parkside Tauchsäge“ in den LIDL-Filialen folgt hier nun eine Analyse der im Juni 2019 angebotenen Säge. Ein Freund hat mir dankenswerter Weise seine Tauchsäge zum ausprobieren überlassen.

Damit möchte ich aufzeigen was man tatsächlich bekommt und was nicht, wenn man sich diese Säge kauft.

Die Meinungen zu Werkzeugen aus dem Discounter gehen ja sehr stark auseinander. Und auch ich habe hier ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Von den recht passablen Powerfix Stechbeiteln bis hin zu total unbrauchbaren Senkbohrern habe auch ich im LIDL-Sortiment schon alles erlebt.

Parkside Elektrowerkzeuge habe ich bisher noch nicht gekauft. Schauen wir uns also einmal an, was man hier für 79,99 EUR bei LIDL bekommt.

Die Verpackung

Die Tauchsäge kommt zusammen mit der Führungsschiene in einem L-förmigen Karton. Das ist für den Verkauf in der LIDL Filiale eine praktische Sache , weil die Verkäufer nur eine Schachtel in die Hand nehmen müssen. Für den Versand ist das aber denkbar ungünstig, weil im Fall der Fälle bei ruppiger Behandlung und schlechter Verpackung die Schienen sehr leicht verbogen werden.

Aber auch beim Kauf in der LIDL Filiale empfehle ich, möglichst eine Tauchsäge zu kaufen, bei der der dünne Teil des Kartons mit der Schiene keine äußerlichen Beschädigungen aufweist. Die Chance ist nämlich groß, dass dann auch die beiden Führungsschienen verbogen oder beschädigt sind.

Die Tauchsäge selbst ist gut und sicher verpackt. Die beiligende Anleitung zur PTSS 1200 C1 ist in deutscher Sprache und kann auch als PDF Datei heruntergeladen werden.

Parkside PTSS 1200 C1

Nach dem Auspacken der Tauchsäge hat man ein recht solide gebautes Elektrowerkzeug vor sich. Die Verarbeitung ist dem Preis entsprechend relativ grob, aber eine erste Inspektion ergab keine gravierenden Mängel.

Das Netzkabel ist 4m lang und trotz Plastikisolierung erstaunlich flexibel, was ein recht ungehindertes Arbeiten erlaubt. Den hinten angesteckten echskantschlüssel für den Sägeblattwechsel würde ich aber entfernen – zu groß die Gefahr das Werkstück aus Versehen zu verkratzen.

Lediglich an der vorderen Kante der Grundplatte ist bei der mir vorliegenden Maschine eine leichte, ca. 0,2mm tiefe und 1,5cm lange Delle zu erkennen.

Diese ist aber wohl schon bei der Herstellung entstanden und hat keinen Einfluß auf die Sägequalität. Ansonsten ist die Grundplatte einwandfrei und auch nicht verzogen.

Der Anschluß eines Staubsaugers ist bei einer Tauchsäge in meinen Augen obligatorisch. Hier hat die Parkside PTSS einen drehbaren Auslass in den der Schlauch meines Starmix-Saugers ohne Probleme passt.

Zusätzlich liegt noch ein konisches Reduzierstück mit zwei verschiedenen Durchmessern bei. Damit sollte die Mehrzahl der Holzwerker ihren Werkstattsauger anschließen können.

Der Anschluß eines Werkstattsaugers ist auch deshalb zu empfehlen, weil die Luft zum Kühlen des Tauchsägenmotors direkt von vorne angesaugt wird.

Das Lüfterrad liegt dabei offen und das Absaugen verhindert zuverlässig, dass übermäßig viel Sägestaub in die Maschine kommt.

Soviel sei vorab schon einmal vorab: Wie bei vielen anderen Heimwerker-Maschinen auch ist die Wirkung der Absaugung nicht überragend.

Wenn man allerdings die Öffnung zum Sägeblattwechsel mit etwas Klebeband verschließt, wird die Absaugung dramatisch besser – es tritt spürbar weniger Staub aus.

Inbetriebnahme der Tauchsäge

Vor dem ersten Einsatz der Parkside Tauchsäge empfiehlt es sich, die beiden Schrauben vorne und hinten zum kippen der Säge zu lösen und das Aggregat einmal hin und her zu bewegen. Danach das Sägeblatt ausfahren und mit dem Winkel auf Rechtwinkeligkeit zur Grundplatte einstellen.

Die beiden roten Griffschrauben der Winkeleinstellung wieder gut festziehen. Damit ist sichergestellt dass das Sägeblatt wirklich senkrecht steht. In der Regel ist dies nämlich durch den Transport bedingt nicht der Fall.

Nun die Säge auf die Führungsschiene setzen und die beiden roten Exzenter-Schrauben so einstellen, dass die Säge ohne zu wackeln leichtgängig auf der Schiene läuft. Das klappte bei diesem Exemplar einer Tauchsäge problemlos.

Danach können die Gummilippen der Führungsschiene eingesägt werden. Dabei ist es wichtig dass die Lippe auf ganzer Länge auf einem glatten Stück Holz aufliegt.

Ich habe hier eine alte Schranktür verwendet. Die Sägetiefe mit Markierung B auf 5mm einstellen. Anschließend langsam und gleichmäßig die Säge auf der Schiene entlang schieben.

Die Führungsschienen

Der Parkside PTSS 1200 C1 liegen zwei jeweils 70cm lange Führungsschienen bei. Diese können über einen Verbinder mittels eines mitgeliferten 3mm Sechskant-Schlüssels zu einer 140cm langen Schiene verbinden werden.

Die auf der Unterseite angebrachten Moosgummi-Auflagen sollen das rutschen verhindern, sind aber recht hart. Es empfiehlt sich daher unbedingt, für wirklich exakte Schnitte die Führungsschienen mit Tischzwingen zu fixieren.

Die üblichen Zwingen für Führungsschienen von Makita, Bessey oder Festool passen in die entsprechende Nut auf der Unterseite.

Allerdings darf man hier nicht allzu grob zu Werke gehen. Der mittlere Führungskanal der Schienen hat leider keine nach unten bündige Kante. (Wahrscheinlich hat der Hersteller hier jedes Gramm Alu wegen des niedrigen Preises wegoptimiert) Wenn man die Zwingen allzu fest anzieht, verbiegt sich die Schiene und die Tauchsäge läuft nicht mehr leichtgängig.

Die Tischzwingen also immer nur moderat handfest anziehen, was aber als Rutschsicherung bei den meisten Anwendungen ausreicht.

Die Führungsschienen selbst waren bei dieser Packung gerade und ohne großen Verzug. Falls das bei jemandem nicht der Fall ist – man kann die Schienen auch wieder „hinbiegen“.

Vor dem Zusammenbau der beiden Schienen sollte man noch prüfen, ob die Enden der Schienen wirklich rechtwinkling sind.

Bei diesem Satz Führungsschienen waren 3 Enden perfekt rechtwinklig, ein Ende war aber deutlich krum.

Das ist nicht weiter tragisch solange man beim Zusammenbau der Schienen darauf achtet, dass dies an den beiden rechtwinkligen Enden geschieht. Dann ist die Führungsschiene auch insgesamt gerade.

Noch ein kleines Problem am Rande: Die Kunststoffstreifen der Schiene stehen an den Enden etwas über.

Mit einem Stanley Cutter-Messer sind diese aber schnell bündig abgeschnitten.

Sägen mit der Parkside Tauchsäge

Zunächst einmal ist die Maschine deutlich lauter als ein Profigerät. Ein Gehörschutz ist aber in meinen Augen beim Einsatz elektrischer Sägen sowieso sinnvoll.

Die Parkside Tauchsäge hat wie bei diesem Preis zu erwarten keinen Sanftanlauf, keine Drehzahlregelung und auch keine Motorbremse. Nach am abschalten läuft das Sägeblatt recht lange nach. Das ist aber kein Problem, denn das rotierende Sägeblatt verschwindet nach dem Sägen  ja sofort wieder im Gehäuse.

Das mitgelieferte 24er Sägeblatt ist ein sehr billiges Sägeblatt. Es hat eine sehr rauhe Oberfläche, keine Dehnfugen und die Zähne haben sehr kleine Schneiden. Damit ist das Sägeblatt kaum nachschleifbar, was hier allerdings auch nicht lohnt. Das Nachschleifen wäre teurer als ein neues Sägeblatt.

Hier der Vergleich – oben das Parkside 24er Blatt, unten ein Festool 28er Profiblatt (Kostet auch rund 40 EUR).

Beim Sägen in verschiedenen Materialien schlägt sich das Parkside-Blatt wie erwartet. OSB, Pressspan und MDF werden sehr gut gesägt, da gibt es nix zu meckern. Das maßhaltige Zusägen von etlichen Spanplatten für ein kleines Werkstattprojekt gelang ohne Probleme.

Anders schaut es dann bei Holz mit Beschichtung oder Furnier aus. Sind die Sägeergebnisse in Längsrichtung mit der Faser noch akzeptabel, sind die Ergebnisse bei Querschnitten grenzwertig für den Möbelbau.

Ursache ist das einfach zu grobe 24er Blatt. Ich wollte dann auf ein 48er Dünnschnitt-Blatt von NovoTools wechseln, das ich gerade zur Hand hatte. Der Sägeblattwechsel ging problemlos, aber die Säge sägte nicht!

Was war geschehen? Nun, der Körper dieses Dünnschnitt-Blattes ist nur 1mm stark und der Mitnehmer der Säge kann dieses nicht mehr klemmen. Es braucht ein Blatt mit mindestens 1,5mm Körperdicke, ansonsten rutscht das Blatt durch und die Parkside Tauchsäge sägt nicht.

Die bewährten SAXTON Sägeblätter sind entsprechend dick und lassen sich problemlos montieren. Das Sägeergebnis ist ach gleich deutlich besser, es gibt nur noch minimale Ausbrüche.

Wenn man jetzt bei Einsatz eines 48er Blattes noch „vorritzt“ bekommt man dieses nahezu perfekte Ergebnis.

Jetzt höre ich schon die Fragen meiner Leser: „Wie geht vorritzen mit der Tauchsäge?“ Ganz einfach: vor dem eigentlichen Schnitt das Sägeblatt nur 2mm tief einstellen, die Säge rückwärts auf der Schiene bewegen. So wird eine kleine Nut im Gleichlauf gesägt, die saubere Kanten hat.

Anschließend die endgültige Sägetiefe einstellen und wie gewohnt von vorne nach hinten durchsägen. Eine mit Zwingen befestigte Führungsschiene ist hier aber Pflicht, sonst wird das nix.

Zum Schluß noch ein Bild vom Längssägen in Massivholz entlang der Faser wie es z.B. beim Besäumen erforderlich ist. Hier wurde das mitgelieferte 24er Blatt verwendet. Das Ergebnis ist den Erwartungen entsprechend brauchbar.

Zwei Tipps zum Schluß

Beim Arbeiten mit der Parkside PTSS 1200 hatte ich das Problem, dass sich die Justageknöpfe für die Führungsschiene immer wieder verstellt haben. Die Folge war Spiel auf der Führungsschiene.

Abhilfe war aber schnell geschaffen. Einfach den Einstellknopf abeschrauben und die federnde Sicherungsscheibe (zweites Teil von rechts) ein wenig stärker biegen.

Danach verstellt sich nix mehr.

Ein anderes Problem entstand, nachdem die Führungsschiene in der Sonne gelegen hatte. Die Enden der Gleitstreifen lösten sich und standen hoch. Das ist an den Ende eigentlich unproblematisch, führt aber bei montierter Führungsschiene zum Stop beim Schieben der Säge.

Abhilfe hier: Mit Sekundenkleber die Enden aller Gleitstreifen nachkleben. Dann löst sich nix mehr und dem Sägen steht im Sinne des Wortes nix mehr im Wege.

Fazit

Das man für 80 EUR keine Maschine auf Profi-Niveau bekommt, dürfte jedem klar sein.
Nun ist natürlich die wichtigste Frage, was erwarte ich von meinem Elektrowerkzeug? Die meisten Heimwerker wollen einfach nur eine Maschine die zu brauchbaren Resultaten führen. Die Faktoren „Zeit“ und „Produktivität“ treten da zu Gunsten eines günstigen Preises in den Hintergrund.

Würde ich mir die Parkside Tauchsäge in der Version 2019 kaufen?
Hier ist die Parkside PTSS 1200 C1 in der Tat ein brauchbare Elektrowerkzeug. Direkt aus der Schachtel kann man damit sehr wohl arbeiten, wenn man ein paar wichtige vorbereitende Schritte macht. Die so erreichbare Qualität der Sägeschnitte ist mehr brauchbar.
Man sollte sich aber darüber im klaren sein, dass das Justieren der Säge für reproduzierbare Ergebnisse ein wenig zeitaufwändiger ist als bei einer Profisäge. Die Führungsschienen sind aus deutlich dünnerem Material als bei einem Profiwerkzeug. Man muss diese daher ein wenig sorgsam behandeln und darf beim Zusammenmontieren die Schrauben der Verbinder nicht übermäßig fest anziehen.

Mit ein paar Investitionen in ein besseres Sägeblatt und in ein Paar gute Tischzwingen ist ein deutlicher Gewinn an Komfort und Genauigkeit möglich. Damit hat der angehende Hobby-Holzwerker in meinen Augen ein preiswertes Gesamtpaket mit dem die für den Hobby-Möbelbau erforderliche Präzision beim Zuschnitt durchaus erreicht werden kann.

Sinnvolles Zubehör

Entsprechend dem Preissegment der Parkside-Tauchsäge folgen hier Links zu preiswerten Produkten, um das exakte Arbeiten zu erleichtern.

Zunächst die von mir auf der Parkside Tauchsäge eingesetzten SAXTON Sägeblätter mit 48 und 36 Zähnen im Doppelpack:

Ein Satz passende Zwingen von Makita für die Führungsschienen, die ich unbedingt empfehle, um maßhaltig arbeiten zu können:

Falls sich noch jemand die Säge bei LIDL gekauft hat und seine ersten Erfahrungen gesammelt hat, würde ich mich über einen Bericht seiner Erfahrungen in den Kommentaren freuen.

5 Kommentare

  1. Hat die Maschine einen Spaltkeil?
    Ich habe zwar eher höherwertiges Werkzeug im Einsatz, aber manchmal kann preiswertes Werkzeug auch wertvolle Dienste leisten. Ich habe 2016 für meinen Schwager die Einhell Handkreissäge TE-CS 190 gekauft. Funktioniert wirklich tadellos.
    Ich hatte vor 15 Jahren einen Einhell Schwingschleifer. Der ist beim Schleifen wirklich auseinander gefallen.

    Antworten
  2. War wohl zu erwarten. Beim wirklichen Tauchen ist es wohl eher unkritisch. Das ist mit meiner Maschine eher selten. Früher hat die BG das gefordert, nach einer EU Verordnung darf sie das nun nicht mehr. Wenn man sich die EU Verordnung ansieht stellt man fest, dass auf einen Spaltkeil verzichtet werden darf, falls das Sägeblatt im Fall der Fälle abgedeckt ist, sollte die Säge durch die Luft fliegen.
    Im Klartext, schneiden muss verhindert werden, wenn jemanden die Säge an den Kopf fliegt, macht das nichts.
    Wer hat welchen EU Kommissar gekauft?

    Antworten

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