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Turbo-Schwalben – Handgezinkt mit der Oberfräse

Handgezinkte Holzverbindungen sind nicht nur schön anzusehen sondern auch sehr stabil.

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Hier zeige ich eine Methode zum schnellen Erstellen von Schwalbenschwanz-Zinken in einer kombinierten Arbeitsweise mit Handwerkzeugen und der Oberfräse.

Um Schwalbenschwanz-Zinken herzustellen gibt es zwei Extreme: Das Arbeiten von Hand mit Säge und Beitel oder aber mit der Oberfräse und einer Vorrichtung zum Zinkenfräsen wie z.B. der WoodRat.

Der Kauf eines Zinkenfräsgerätes ist jedoch eine erhebliche Investition. Das wollte ich mir erst mal ersparen. Das Zinken von Hand ist eigentlich nicht sehr schwer, nur das herausarbeiten der Zinken ist relativ zeitaufwändig. Dabei ist es egal, ob man nur mit dem Beitel oder mit einer Kombination von Beitel und Dekupiersäge arbeitet.
In der nun beschriebenen Arbeitsweise habe ich Handwerkzeug und Oberfräse kombiniert eingesetzt um das Arbeiten spürbar zu beschleunigen.

Material Leimholz

Als Material habe ich hier ein paar billige Leimholzplatten aus dem Baumarkt verwendet, die im Sonderangebot für 2,45 EUR das Stück zu haben waren. Sechs Stück habe ich mitgenommen.

Turbozinken01Ungleichmäßige Dicke, viele Astaugen, rauhe Oberfläche. Zu diesem Preis ist freilich kein sonderlich hochwertiges Material zu erwarten, aber für solche Experimente ganz brauchbar.

Das Ergebnis soll ein einfacher Kasten oder eine einfache Truhe werden, wobei sich die Abmessungen aus dem angebotenen Material ergeben. Da die Leimholzplatten 80cm lang sind, wird dies auch die Länge des Kastens, ebenso ergibt sich die Breite von 30cm.

Als Seitenteile kommen also jeweils 2 Platten zum Einsatz, für die Stirnseiten werden zwei Abschnitte von 34cm länge zugesägt. Warum dieses Maß? Nun die Materialstärke von 18mm muß dabei berücksichtigt werden, weil ich für den Boden eine der Leimholzplatten auf voller Breite einsetzen möchte.

Die Schwalben

Erster Schritt ist das Herstellen der Schwalben. Hier kann man Zeit sparen indem diese paarweise angefertigt werden. Das ist möglich weil die  Sägeschnitte parallel zur Holzoberfläche beider Platten sind.

Mit dem Streichmaß wird die Dicke des Holzes abgenommen und an beiden Enden angezeichnet.

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Dabei stellte sich dann heraus, dass die Platten unterschiedlich dick sind – nicht nur zwischen den einzelnen Platten sondern auch von einer Seite der Platte zur anderen. Eine Platte ist links 16,4 mm stark, links aber fast 18,9mm – also mehr als 2,5mm Unterschied. Diese werde ich daher später als Boden verwenden.

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Mit meinem Montagewinkel werden die beiden Platten an der Werkbank aufgespannt und es werden die Schwalben mit der Zinkenschablone angezeichnet. Die Abstände sind dabei frei gewählt, d.h. es wird alles nach Augenmaß gemacht.
Alles Holz das später einmal weg soll, wird deutlich markiert, um Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden.

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Mit einer Rückensäge werden die Schnitte gesetzt – dabei wird stets neben der gezeichneten Linie im Bereich des zu entfernenden Materials gesägt. So bleiben die Maßlinien sichtbar und die Säge kann problemlos geführt werden.

Nachdem alle Sägeschnitte ausgeführt sind, wird an der Rückseite der beiden Bretter zusätzlich ein rechtwinkliges Opferholz mit einem Querschnitt von ca. 3*3cm bündig aufgespannt.

Nun kommt die Oberfräse zum Einsatz.

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In meine kleine Makita Handfräse habe ich einen 12mm Schaftfräser eingesetzt und die Tiefe auf Materialstärke justiert. Maschine einschalten und schrittweise das Material zwischen den Schwaben herausfräsen.

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Wenn man dabei immer 3-4mm tiefe Schichten von vorne nach hinten abfräst geht das ganze ohne Druck und Vibrationen. Hier das Ergebnis nach dem Fräsen.

Turbozinken16Der Zinkengrund ist sehr schön gleichmäßig und glatt. An den Seiten bleibt natürlich ein kleiner Rest stehen, denn mit dem Schaftfräser gibt es nur gerade Kanten. (Einen Zinkenfräser der mehr als 18mm lange Flanken fräsen kann habe ich nicht)

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Das ist aber kein Problem. Mit der Dekupiersäge sind diese Reste schnell entfernt. Der hier und da verbleibende Grat kann mit einem scharfen Beitel nachgearbeitet werden.

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Jetzt das Ganze nochmals auf der anderen Seite der Seitenteile wiederholen und die Schwalben sind fertig. Nach knapp 50 Minuten war ich am ersten Etappenziel.

Die Zinken

Weiter geht es mit den Zinken. Hier können die Teile nur noch einzeln bearbeitet werden, da die Zinken nach hinten schräg verlaufen. Allerdings sind die Seitenflächen senkrecht und so kann man die Zwischenräume komplett mit der Oberfräse herausarbeiten.

Die Seitenteile mit den Schwalben werden aufgelegt und die genauen Verläufe der Kanten mit dem spitzen Bleistift übertragen. Das herauszufräsende Material wird ebenfalls wieder markiert.

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Auch hier wird wieder ein Opferholz hinter das Brett gespannt, um die Auflagefläche für die Oberfräse zu vergrößern. Eine weitere Maßnahme ist die Montage einer größeren Bodenplatte an der Makita Fräse.

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Dazu habe ich die quadratische Bodenplatte vom schwenkbaren Fräskorb auf den senkrechten handgeführten Fresskorb gewechselt. Damit hat die Fräse eine breitere Auflage und kann leichter waagerecht geführt werden. Da die Schnittflächen der Zinken senkrecht sind, kann auf das Einsägen verzichtet werden. Man kann sich direkt mit der Fräse schrittweise an die Bleistiftlinien
heranarbeiten.
Hier nun das Ergebnis der gefrästen Zinken:

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Auf die gleiche Art werden die anderen drei Seitenflächen bearbeitet.

Die Montage

Es folgte ein erster Test wie gut die gefrästen Schwalben und Zinken passen. Ohne Leim wurde alles zusammengesteckt.

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Die Schwalben und Zinken sitzen auf Anhieb erstaunlich gut, die Verbindungen sind straff und ohne Spalten. Zwar ragen die Zinken wegen der schwankenden Dicke der Leimholzbretter etwas hervor, aber mit dem Hobel oder dem Bandschleifer ist das später schnell geglättet.

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Der Boden der Truhe wird an den Längsseite auf ca. 10mm Tiefe abgefräst. Dies erfolgt mit der Oberfräse, einem 12mm Fräser und montierter Anschlagschiene. Anschließend wird in die schmalen Seitenteile mit dem 10mm Fräser eine ca. 10mm tiefe Nut eingefräst, welche mit ca. 2cm Abstand vom Rand ausgeführt wird.

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In diese Nut wird das Bodenbrett dann ohne Leim eingesetzt. Damit ist der Boden sicher verankert und kann bei Feuchtigkeitsschwankungen trotzdem seitlich arbeiten.

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Anschließend werden die Zinken allesamt verleimt und mit Einhandzwingen bis zum Aushärten des Weißleims fixiert.

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Ein erstes Fazit

Der Einsatz der Oberfräse beim Herausarbeiten der Zinken hat besser funktioniert als ich das zuerst gedacht habe. Wenn man sich schrittweise an herantastet bekommt man auch mit der Freihand geführten Oberfräse sehr exakte Schwalben und vor allem einen glatten Zinkengrund. Allerdings muß die verwendete Oberfräse klein und handlich sein. Hier hat sich die kleine Makita RT0700C sehr bewährt. Mit meiner mittelgroßen Festool OF1010 wäre das sicherlich schon grenzwertig.

Aber das Experiment hat sich gelohnt. Das Herstellen aller Zinkenverbindungen und das Vorbereiten des Bodens hat weniger als 3 Stunden gedauert – inklusive einer kleinen Kaffeepause.

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Und was ist der Nachteil? Am Ende hat man eine Menge feiner Frässpäne überall um die Werkbank herum. Weil man einen freien Blick auf die Fräse braucht, kann man leider nicht absaugen. Eine Schutzbrille zu tragen ist hier Pflicht!
Am Ende dieses Werkstatt-Tages ist daher Kleiderwechsel und eine Dusche unvermeidlich.

Mal sehen was ich jetzt aus dem diesem schönen Korpus machen werde. Nur eine offene Kiste oder doch eine Truhe mit Deckel?

12 Kommentare

  1. Als ich den Titel las, dachte ich:”Wie cool – anscheinend kann man ganz einfach Schwalbenschwanz-Zinken machen.” Dann stellt sich heraus, dass es doch etwas aufwendiger ist… :-/

    Mal eine Frage: Ich plane, meine Schuhbank von letztens noch einmal zu bauen (https://www.ich-bin-heimwerker.de/2014/08/21/schuhbank-selber-bauen-4-abschlusschliff-und-dann-feuer-frei/). Meinst Du, normale Zinken würden ausreichen, um dem Ganzen auch ohne Aussteifung genügend Stabilität zu geben?

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    • Na das ist doch ganz einfach mit der Oberfräse – keine Beitel – keine stumpfen Werkzeuge nötig… Anzeichnen ist doch gleich gemacht – geht zur Not sogar mit einer Papp-Schablone.
      Wenn das Material der Schuhbank dick genug ist, also so ca 40mm, geht es sicher auch nur mit Schwalben ohne Aussteifungen. Da bietet sich als Material eine Massivholz-Küchenplatte von IKEA an. Du kannst aber auch “normales” 18mm Holz nehmen und dann die Stäbe unten aus Edelstahl mit Gewinde am Ende versehen und diese in Rampa-Muffen in die Seitenteile schrauben. Dann ist eine obere Aussteifung nicht mehr nötig, wenn die Stäbe unten kraftschlüssig auf Zug und Druck in den Seitenteilen verankert sind

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  2. Naja – Nur Oberfräse ist das halt nicht. Ich habe keine Dekupiersäge und da wird das Korrigieren schon mühsamer.

    Hast Du die OF eigentlich freihändig geführt?

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    • Das ist eine Baumarkt-Dekupiersäge für 5 EUR. Zur Not geht auch ein flaches Eisensägeblatt oder sogar ein schmales Cuttermesser. Das sind ja nur 1 bis 2 mm die da durchtrennt werden.
      Ja, die Fräse ist freihand geführt. Deshalb auch die kleine Handfräse.

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  3. Interessante Vorgehensweise. Aber was immer wieder echt weh tut, ist “Dekupiersäge”. Was du dort nutzt ist eine Laubsäge, die Dekupiersäge ist motorisiert. LG

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    • Lieber Sebastian, da muß ich Dir leider widersprechen. Eine Dekupiersäge ist eine Säge mit einem schmalen Sägeblatt das durch Querstifte gehalten wird. Eine Laubsäge hat feinere Sägeblätter die durch Klemmung gehalten werden. Ob da nun elektrisch mit Motor oder von Hand gesägt wird, ist für die Bezeichnung der Säge unerheblich.
      Dekupiersägeblätter können dank des Querstiftes erheblich höher belastet werden als Laubsägeblätter.
      Deshalb sind die elektrischen Sägen meistens mit Dekupiersägeblättern und werden daher als Dekupiersäge bezeichnet. Der Umstand dass im Baumarkt die Hand-Dekupiersägen oft als “Laubsäge” im Regal hängen, macht die Sache auch nicht richtiger. Und dann gibt es noch elektrische Laubsägen die dort als Dekupiersägen verkauft werden 😉
      Die Geschichte mit Produktbezeichnungen im Baumarkt ganz allgemein ist wohl mal einen gesonderten Artikel wert.

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  4. Lieber Wolfram, da könnten wir wahrscheinlich endlos diskutieren. Siehe zb den Wikipedia-Artikel hierzu. Die Klemmung als ausschlaggebend zu nutzen, ist Quatsch. Ich habe hier zwei Laubsägen, eine mit Klemmung, eine mit Stifthalterung. Nutze doch mal die Google Bildersuche und suche “Dekupiersäge”. Allein den Baumärkten die Schuld zu geben, ist doch zu billig. LG

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    • Ja, aus heutiger Sicht sind Dekupiersägen die elektrischen Teile weil kaum noch jemand von Hand sägt. Das war aber nicht immer so. Dekupiersägen sind für dickeres Material und haben andere stabilere Sägeblätter als Laubsägen. Aber ich bin da schmerzfrei, wer will kann die Handdekupiersäge auch Laubsäge nennen. Bei den Profianbietern (z.B. Feinewerkzeuge.de) wird es aber auch über die Blattklemmung unterschieden.

      BTW Auch bei der Google Bildersuche kommen weiter unten einige Handdekupiersägen 😉

      Trotzdem Danke für Deinen Kommentar.

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    • Hallo Frank,
      Das ist doch kein Streit, nur zwei verschiedene Sichtweisen. Sebastian mit der Anwenderbrille und ich mit der Ingenieursbrille 😉

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