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Woher bekommt man Holz für den Möbelbau?

Woher bekomme ich gutes Holz für den Möbelbau? Was soll ich nehmen? Da dies die immer wieder gestellten Frage von meinen Lesern sind, möchte ich hier kurz meine bevorzugten Holz und Plattenwerkstoffe sowie meine Bezugsquellen dafür vorstellen.

Beim Bau von Möbeln kann man auf die unterschiedlichsten Holzwerkstoffe zurückgreifen. Die wesentliche Unterscheidung ist zunächst ob es sich um Massivholz oder um sogenannten „Plattenerkstoffe“ handelt.

Leimholzplatten

Massivholz wird in verschiedenen Qualitäten angeboten. Für den Möbelbau in der Hobbywerkstatt wird man in der Regel auf Leimholzplatten zurückgreifen. Diese haben den Vorteil, dass sie sofort verwendbar sind und in für den Möbelbau gängigen Größen angeboten werden. Es muß also nur noch der Zuschnitt der Bauteile erfolgen. Die Oberflächen von Leimholzplatten sind in aller Regel schon recht gut gehobelt oder geschliffen, sodass hier vor der Oberflächenbehandlung nur noch der abschließende Feinschliff nötig ist.

Zwei beispielhafte Möbelbauprojekte die ich mit Leimholzplatten gebaut habe, sind der Wohnzimmertisch aus Buche und auch der kleine Beistelltisch mit Schubladen

Hochwertige Buchenleimholzplatten mit durchgängigen Lamellen von den Marken „Pollmeier“ und „Wibeba“ sind im Holzhandel zu bekommen. Diese haben durchgängige Holzstreifen, d.h. die Lamellen sind von Anfang bis Ende aus einem Stück und auch die Holzmaserung innerhalb einer Platte verläuft immer die gleiche Richtung. Das gibt eine sehr schöne Optik und erleichtert den Feinschliff.
Die billigen Leimholzplatten aus dem Baumarkt haben hingegen keilgezinkte Lamellen, d.h. die Holzstreifen sind aus vielen kurzen Holzstücken zusammengesetzt. Je billiger die Platte, um so kürzer sind die Holzabschnitte. Weiterhin haben die Holzstücke auf keine einheitliche Faserrichtung – das erschwert das Aushobeln wenn man das Material dünner hobeln möchte.

Den nachfolgend gezeigten kleinen Beistelltisch habe ich vor einigen Jahren aus billigem Leimholz mit keilgezinkten Lamellen gebaut.

Die Optik der Holzoberfläche einer keilgezinkten Leimholzplatte ist halt deutlich unruhiger als bei Leimholz mit durchgehenden Lamellen.

Plattenwerkstoffe

Allerdings sind hochwertige Leimholzplatten nicht ganz billig, weshalb ich bei einigen Projekten auch auf Plattenwerkstoffe zurückgegriffen habe.

Die von mir verwendeten Plattenwerkstoffe sind Multiplexplatten aus Birke, Sperrholzplatten aus Kiefer, OSB-PLatten oder aber Spanplatten mit Beschichtung. Was ich im Möbelbau mit Ausnahme von Rückwänden nicht verwende sind MDF-Platten. Der Grund ist die mangelhafte Verwindungssteifigkeit von MDF.

Multiplexplatten bieten sich immer dann an, wenn man mechanisch sehr stark belastete Möbel bauen möchte. Ein Beispiel hierfür ist der Computertisch, den ich mehrfach für meine Söhne gebaut habe.

Beim Bau von Schränken ist hingegegen keine so große mechanische Belastung gegeben. Zudem verschlingt ein Schrank recht schnell aus ganz ansehliche Mengen an Holzwerkstoff. Daher habe ich bei diesen Projekten mehrfach auf preiswertes Plattenmaterial zurückgegriffen.

Für den Bau einer sehr großen Schrankwand für meine Tochter kam 19mm starke, kunststoffbeschichtete Möbelbau-Spanplatte von Thermopal zum Einsatz. Dieses Material habe ich auch deshalb gewählt, weil hier keinerlei Oberflächenbehandlung mehr erforderlich ist. Die Kunststoffoberfläche ist perfekt glatt und sehr pflegeleicht.

Allerdings ist hier das Anbringen von ABS-Kunststoffumleimern zwingend nötig. Diese kann man aufbügeln oder aber beim Zuschnitt der Platten gleich beim Holzhändler mit anbringen lassen.

Wenn an die Optik keine sehr großen Ansprüche gestellt werden und der Schrank einfach nur preiswert und stabil sein soll, dann sollte man OSB-Platten in Betracht ziehen. Diese Platten sind sehr stabil, überaus preiswert und vielfach schon mit einer gewachsten Oberfläche zu bekommen.

Ich habe mehrere Schränke für den Hobbyraum und das Bügelzimmer aus diesen OSB platten gebaut. Mit Quadratmeterpreisen von um die 10 EUR ist diesen Material unschlagbar preiswert. Die Schnittkanten von OSB-Platten kann man einfach mit selbst zugeschnittenen Kiefern- oder Fichtenholzleisten versehen und ruck-zuck mit dem Handhobel bündig hobeln.

Weitere Optionen für den Möbelbau mit Holzwerkstoffen sind Tischlerplatten oder auch 3-Schicht-Platten. Allerdings ist auch hier das Anbringen von Umleimern aus Massivholz unbedingt zu empfehlen, da die Schnittkanten optisch nicht sonderlich attraktiv sind.

Wo kann man geeignetes Holz kaufen?

Der Kauf von qualitativ hochwertigem Holz und Holzwerkstoffen für den Möbelbau kann in manchen Regionen schon zu einer Herausforderung werden. Leider sind nicht in allen Holzhandlungen die „Hobbyhandwerker“ willkommen – teilweise wird man gar nicht bedient. Notgedrungen gehen dann viele Holzwerker in den Baumarkt. Das muß aber nicht sein, den Preis und Qualität stimmen dort oftmals nicht.

Sehr gute Erfahrungen habe ich dabei mit den Niederlassungen von Holzland gemacht – hier ist auch der Hobbyhandwerker willkommen.

Deshalb hier eine Auflistung von Bezugsquellen für hochwertiges Holz, die ich selbst regelmäßig zum Einkauf nutze.

Holzland Neckarmühlbach

Eine Holzland-Niederlassung mit sehr guter Beratung gerade auch für Privatkunden. Gutes Sortiment an Multiplex, Siebdruck- und Kiefernsperrholz. Große Auswahl an imprägniertem Holz für den Außenbereich.

Holzland Megerle Öhringen

Auch eine Holzland-Niederlassung mit einer großen Auswahl an Leimholzplatten. Nußbaum, Ahorn, Eiche, Erle, Akazie, Kirsche, Kiefer usw. – in der Regel alles ab Lager, Sondermaße werden kurzfristig bestellt und geliefert.

Holz-Hauff Leingarten

Eine sehr große, inhabergeführte Holzhandlung mit einer wirklich riesigen Auswahl an Massivhölzern – sowohl Rohware als auch gehobelt. Auch „exotische“ Hölzer wie echt amerikanischer Nußbaum oder kanadischer Ahorn sind hier lagernd zu bekommen. Am Samstag sehr viel Betrieb, also etwas mehr Zeit mitbringen. Ein Profi-Holzhandel der auch Privatkunden sehr zuvorkommend und professionell bedient.

Und dann noch mein Geheimtipp:

Sägewerk Dorsch – Hardthausen

Ein kleines Sägewerk von der Familie Dorsch im Ortsteil Lampoldshausen betrieben. Sehr große Auswahl an Bau- und Nadelholz – Herstellung von Konstruktionsvollholz, Latten, Brettern, Kanthölzer usw. Weil man hier direkt an der Quelle kauft günstige Preise. Hier kann man wirklich die besten Stücke aus dem Stapel heraussuchen. Für Neukunden Barzahlung bei Abholung. Leider gibt es keine Homepage, daher hier nur die Adresse: Sägewerk Dorsch, Lamprechtstraße 6, 74239 Hardthausen am Kocher.

 

2 Kommentare

  1. Ja, der Fachhandel (in Hannover: Holzland Stoellger) ist auf jeden Fall zu bevorzugen, die liefern sogar gegen kleines Geld.
    Im Baumarkt ist oftmals die Qualität nicht gegeben, es sind halt oft keine amtlich „zugelassenen Baustoffe“ sondern teils sogar extra für den Baumarkt gefertigte, absichtlich minderwertige Qualität, was der Laie aber nicht erkennt.
    Beispiel:
    Die zugesagten Maße stimmen oft nicht, es fehlen bei mir (bei Hornbach, Hannover) z.B regelmäßig etwa 10% beim Fertig-Bauholz, was ja eigentlich Betrug ist.
    Man muß also alles nachmessen, und sogar die große Plattensäge ist nicht einmal richtig auf 90° Schnitte eingestellt, so daß es keine winkligen Zuschnitte gibt! Dann gibts natürlich Probleme beim Zusammenbau!
    (Als ich das dann reklamierte, war man nicht interessiert)
    Ich kaufe inzwischen auch deutlich mehr Werkzeug und Maschinen über Internetanbieter, als im Baumarkt.
    Dort findet man auch Qualität.

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  2. Leider ist es bei uns in Orenhofen (NRW) auch nicht so leit gutes Holz zu bekommen. Ich gehe ungerne in den Baumarkt, da es dort oft an Personal bei uns mangelt und man deshalb nicht immer sein Holz direkt zugeschnitten bekommt. Daher gehe ich meistens zu einem direkten Holzhändler bei uns im Nachbardorf. Dort bin ich super zufrieden mit der Qualität und dem Preis.

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