Artikelformat

Staked Furniture – Dreibeiniger Hocker – Kurs bei DICTUM

Anfang Oktober habe ich den DICTUM Kurs „Dreibeiniger Hocker“ mit Christopher Schwarz besucht. Das Thema „Stuhlbau“ interessiert mich aktuell sehr und dass dabei überwiegend mit Handwerkzeugen gearbeitet wird, machte das ganze natürlich noch interessanter.

Hier folgt nun der Bericht für alle interessierten Holzwerker.

Der Kurs mit dem Titel „Staked Furniture – Dreibeiniger Hocker“ ist ein zwei Tage dauernder Kurs in welchem die Teilnehmer einen recht großen Hocker in klassischer Konstruktion bauen.

Der Kurs war mit Teilnehmern aus ganz Europa belegt und daher wurde hier überwiegend Englisch gesprochen. Das war aber kein Problem, denn bei Verständnisproblemen immer jemand in der Lage, dem betreffenden Teilnehmer in seiner Muttersprache weiter zu helfen.

Der Kurs – Tag 1

Das Konstruktionsprinzip und die damit verbundenen Arbeitsweisen wurden sehr anschaulich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis von Christopher Schwarz beschrieben.


Als Material kam im Kurs Esche zum Einsatz – ein flexibles, zähes Holz – das für so ein Projekt wie diesen dreibeingen Hocker ideal geeignet ist. Das fertige Möbelstück wurde daher sehr stabil und ist hoch belastbar.
Wie bei allen bisher von mir besuchten DICTUM-Kursen war das bereitgestellte Holz von sehr guter Qualität – auch der grobe Zuschnitt war bereits erfolgt.

Der erste Arbeitsschritt war das Ablängen der Stuhlbeine mit der Säge. Anschließend wurden mit dem Hobel die verjüngten Stuhlbeine ausgehobelt. Grobes Vorarbeiten mit dem Flachwinkel-Hobel, nacharbeiten mit einem Schlichthobel No. 4.

Dank der sehr gut geschärften Hobel in der DICTUM Kurswerkstatt in München ging diese Arbeit allen Teilnehmern leicht von der Hand. Es wurden eine Menge Späne produziert und man kam ganz ordentlich ins Schwitzen.

Nachdem die Beine konisch in allen vier Seiten zugehobelt waren, folgte das Brechen der Kanten.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Wolfram Herzog (@holzundleim) am

Das Ergebnis ist ein achteckiger Querschnitt, der sich über die Länge des Hockerbeines bis nach unten verjüngt.

Die konischen Zapfen am oberen Ende der Hockerbeine wurden mit dem VERITAS-Konusschneider geschnitten. Dieses Werkzeug kann man sich wie einer überdimensionierten Bleistiftspitzer vorstellen, in dem durch drehen des Werkstücks der konische Zapfen angeschnitten wird.

Nach dem Mittagessen folgte der zweite Schritt, das Anzeichnen und Ausarbeiten der Sitzfläche. Hierbei wurde sehr anschaulich das Vorgehen erklärt, um die schräg gestellten Beine des Hockers symmetrisch anzuordnen und so ausrichten, dass diese am Ende auch gleichmäßig geneigt sind.

Um einige der langwierigen Sägeschnitte zu beschleunigen, wurden dann kurz die beiden in der Kurswerkstatt vorhandenen Bandsägen zum Einsatz gebracht. Das ersparte gerade bei den Längsschnitten doch einiges an Zeit.


Natürlich hätte man diese Schnitte auch mit der Hand ausführen können, aber so blieb einfach mehr Zeit, die Ausrichtung der Stuhlbeine und der damit verbundenen Arbeiten zu erklären.

Am Ende des ersten Kurstages waren die Beine des Hockers fertiggestellt und die Sitzfläche bearbeitet. Dazu war diese abgeschrägt worden und mit den entsprechenden Bohrungen versehen.

Der Kurs – Tag 2

Der zweite Tag des Kurses stand im Zeichen des Zusammenbaus des Hockers. Dazu wurde die Bauweise mit dem Querstreben erläutert und wie diese am Hocker positioniert werden, um die gewünschte Stabilität zu bekommen.

Es wurden die beiden Querstreben ausgemessen und abgelängt. Es folgte dann wieder das konische Zuarbeiten der Querstreben mit dem Hobel. Dabei wurde mit einem Flachwinkel-Hobel vorgearbeitet, die Kanten wurden mit einem kleinen Taschenhobel angearbeitet,

Die Zapfen der Querstreben sind ohne Verjüngung und wurden daher mit dem symmetrischen VERITAS-Zapfenschneider angeschnitten.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Wolfram Herzog (@holzundleim) am

Der letzte Schritt beim Bearbeiten der Hockerbeine ist das Bohren der Löcher für die Querstreben. Der Trick dabei ist der Einsatz eines Bohrers mit einem entsprechend langen Schaft. Das erleichtert das korrekte Ausrichten des Bohrers ungemein.

Ein zweiter Mann gibt dabei Hilfestellung und sagt an, wann der Bohrer korrekt ausgerichtet ist.
Um Ausbrüche beim Durchbohren zu verhindern, wird zunächst nur so weit gebohrt, dass gerade die Spitze des Flachbohrers aus dem Hockerbein austritt. Danach wird vom der Gegenseite der Rest ausgebohrt.

Es folgt der trockene Zusammenbau des Hockers. Dies dient dazu, alle Passungen zu prüfen und ggf. noch vorhandene Ungenauigkeiten zu beseitigen.

Dazu wird der Hocker mit Zwingen auf der Werkbank fixiert. Die Beine können dann ausgerichtet und die Passungen überprüft werden. Feine Nacharbeiten erfolgen mit der Raspel oder einer Ziehklinge.

Wenn alles passt, werden die Zapfen mit einer groben Japansäge geschlitzt, um hier später den Keil eintreiben zu können.

Damit folgte der spannenste Teil des Kurses – der Zusammenbau des dreibeingen Hockers. Als Klebstoff kommt gebrauchsfertiger Knochenleim – Titebond Hide Glue – zum Einsatz.

Alle Bauteile des dreibeinigen Hockers werden in der Reihenfolge der Montage zurecht gelegt und mit dem Leimpinsel wird der Kleber aufgetragen. Es werden zunächst die beiden Querstreben miteinander verbunden.

Anschließend wird diese Baugruppe in die Beine gesteckt und zum Schluß werden alle Beine in die Sitzplatte gesteckt. Mit einigen Schlägen eines Holzhammers werden die Beine in der Sitzplatte fixiert. Die Keile werden ebenfalls mit Leim bestrichen und in die Schlitze der Beine und Querstreben eingetrieben. Dabei ist es wichtig, dass die Keile immer quer zur Faserrichtung der Streben verlaufen, da ansonsten die Keile das Holz spalten können.

Hier der Blick auf meinen Hocker am Ende des zweiten Kurstages. Alles ist fertig montiert, aber weil der Knochenleim noch nicht ausreichend trocken war, habe ich die überstehenden Zapfen erst später zuhause in der Werkstatt bündig gesägt.

Zum Schluß werde ich die Sitzfäche noch mit einen scharfen Putzhobel glatt hobeln und die Kanten ein wenig brechen.

Die Oberflächenbehandlung wird wohl mit einem hochwertigen Hartöl erfolgen.

3-beinigen Hocker selber bauen

Wer jetzt Lust bekommen hat, so einen Hocker selbst zu bauen, der kann sich von der Lost-Art-Press Webseite den kompletten Bauplan und die entsprechende Bauanleitung kostenlos herunter laden:

Der Bauplan zum 3beinigen Hocker ist hier zu finden:

Download Plans for the Staked High Stool

Die entsprechende Bauanleitung die als Kapitel 1 des Buches „Staked Furniture“ erschienen ist, gibt es hier:

First New Chapter: Staked High Stool

Doch lieber einen Kurs besuchen?

Im Jahr 2019 wird dieser Kurs auch wieder von Chris Schwarz hier in Deutschland gehalten. Näheres zu den Terminen findet man auf den DICTUM Kurs-Seiten zum Thema Holzbearbeitung.

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.