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Betonschrauben richtig anwenden

Der Einsatz von Betonschrauben beim Befestigen von schweren Anbauteilen an Beton ist überaus zeitsparend weil kein Dübeln nötig ist. Hier zeige ich das anhand der Montage eines hölzernen Treppengeländers.

Allerdings sind ein paar wichtige Punkte zu beachten, damit die Schraube hinterher auch wirklich die volle Festigkeit entwickelt.

In meinem Fall ging es um die Montage eines Treppengeländers auf einer Treppe aus massiven Waschbetonstufen. Da die Treppe im Sommer in der prallen Sonne liegt, sind hier Kunststoffdübel nicht empfehlenswert. Der Kunststoff kann bei Wärme weich werden und wenn dann das Geländer belastet wird, besteht die Gefahr dass das anschließend nicht mehr hält.
Daher ist hier wahlweise der Einsatz von Schraubankern oder Betonschrauben sinnvoll.

Hier habe ich mich für den Einsatz von Betonschrauben Ultracut FBS von FISCHER entschieden. Diese sind preiswerter als Schraubanker und auch einfacher zu verarbeiten.

Das geplante Geländer wird mittels Pfostenlaschen in U-Form montiert. Die Pfostenlaschen müssen daher fest mit dem Treppenstufen verbunden werden.

Die Betonschrauben

Die Bohrungen in den von mir verwendeten Pfostenlaschen haben einen Durchmesser von 11mm – es kommen also 10er Betonschrauben mit der Länge 80mm zum Einsatz.

Besondere Sorgfalt ist beim anschließenden Bohren der Löcher nötig. Zum einen muß das Anzeichnen sehr exakt erfolgen, zum anderen muß die Bohrlochtiefe stimmen.

Ich habe hier zuerst die Positionen der Löcher mit einem Filzstift angezeichnet. Anschließend habe ich mit dem BOSCH Bohrhammer und einem 6mm SDS Bohrer ein ca. 1cm tiefes Pilotloch gebohrt. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass auch auf der sehr unebenen Oberfläche der mit Steinchen besetzten Treppenstufen die Löcher exakt positioniert sind weil der „dünne“ Bohrer nicht so schnell wegläuft.

Anschließend wurde mit 8mm das Befestigungsloch gebohrt. Eine 10er Betonschrauben erfordert ein 8mm Loch. Und da es sich hier um eine senkrechte Bohrung handelt, muss das Loch tief genug gebohrt werden, damit es den verbleibenden Bohrstaub aufnehmen kann, der sich nicht absaugen lässt. Die Bohrlochtiefe bei senkrechten Bohrungen berechnet sich daher aus Schraubenlänge plus 4mal Bohrdurchmesser, hier also 80mm + (4*8mm) = 112mm. Dazu habe ich auf einen Satz SDS Bohrer von KWB mit sehr langer Schneide zurückgegriffen.

Nach dem Bohren der Löcher wurde zunächst das ausgeworfene Bohrmehl gründlich weggesaugt. Mit Hilfe eines dicken Strohhalms den ich mit Packband provisorisch an die Saugdüse geklebt hatte, habe ich zudem noch die Bohrlöcher selbst etwas ausgesaugt.

Mit dem kleinen 10,8 V Makita Schlagschrauber ließen sich die Betonschrauben recht problemlos eindrehen. Lediglich an zwei Betonschrauben, deren Bohrungen nicht ausreichend senkrecht gebohrt waren, mußte ich mit der Zyklop-Ratsche von Hand die letzten Millimeter eindrehen.

Alle Schraubenköpfe der Betonschrauben müssen auf den Pfostenlaschen plan aufliegen. Nur dann werden die durch das Geländer auftretenden Kräfte auch sicher über die Betonschrauben in den Untergrund abgeleitet.

Vom Bau des Geländers habe ich leider vergessen Bilder zu machen, daher hier nur eine kurze Beschreibung wie ich vorgegangen bin.

Montage des Geländers

Der Rest der Geländermontage ging dann relativ schnell: Zuschneiden der Pfosten aus Douglasienkantholz 70*50mm mit der Handkreissäge. Länge jeweils 95cm.

Provisorische Montage der Pfosten an den Pfostenlaschen und senkrechtes ausrichten. Der Handlauf wird ebenfalls ausgerichtet und mit Schraubzwingen provisorisch fixiert. Mit einem Bleistift wird nun angezeichnet, wo und in welchem Winkel die einzelnen Pfosten abgesägt werden müssen. Auf diese Weise werden die Ungenaugkeiten der einzelnen Treppenstufen berücksichtigt.

Hier hat der kleine selbstgebaute Sägebock den ich vor einigen Jahren gebaut habe, wieder einmal bewährt. Der ist zwar eigentlich für den Einsatz mit Handsägen gedacht, kann aber auch mit der elektrischen Handkreissäge benutzt werden.

Die Pfosten wurden dann mit SPAX Schrauben der Größe 5*50 an den Pfostenlaschen festgeschraubt. Um den Handlauf zu befestigen, habe ich mit der Wolfcraft Undercover-Jig jeweils 3 Sacklochbohrungen an den Seiten und auf der Rückseite der Pfosten angebracht.

Mit jeweils drei SPAX Schrauben 4,5*70 konnte dann der Handkauf aufgeschraubt werden.

Alles in allem hat der Bau dieses Geländers rund 4 Stunden gedauert. Das Douglasienholz wurde in einem nahe gelegenen Sägewerk gekauft. Dort konnte ich mir aus einem sehr großen Stapel zwei nahezu astfreie Douglasienkanthölzer heraussuchen.

Die von mir verwendeten Betonschrauben stammen von FISCHER und wurden im Internet gekauft, da der Profihandel mir nur Packungen mit jeweils 200 Stück verkaufen wollte. Das war mir aber zu viel, da ich nur 12 Stück brauchte und daher habe ich bei Amazon bestellt. Dort gab es auch 50er-Packungen zu bezahlbaren Preisen.
Im OBI-Baumarkt wollte man mir übrigens für eine einzelne der FISCHER Betonschrauben stolze 8,95 EUR abknöpfen – da hätte ich mir dann gleich eine 200er Packung im Fachhandel kaufen können.

Hier zum Schluß noch Link zu einem sehenswerten Video von FISCHER, das den Einsatz der Betonschrauben zeigt.

 

7 Kommentare

  1. Autsch, das Thema Betonschrauben ruft bei meiner Frau und mir schweißtreibende
    Erinnerungen hervor.

    Beim Bau unseres Hauses, mußten wir 120 Wandstützen mit je 5, 12er, dieser
    Betonschrauben von Fischer befestigen, um später die Wände betonieren zu
    können.

    Meine Frau hat mir einer Hilti TE6-S die Löcher gebohrt und ich mit einer zweiten
    Hilti, die Schrauben reingejagt.

    Abends haben die Hände vibriert wie Holle, besonders, wenn der Bohrer
    angefangen hat den Durchmesser zu „verlieren“ und das eindrehen der
    Schrauben immer mehr klemmte, vom krummen Rücken ganz zu schweigen.

    Aber gut beschrieben und ein schönes zweckmäßiges Geländer.

    Gruß

    Tommy

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    • Ich hoffe mal Du hattest einen Schlagschrauber um die Betonschrauben einzudrehen. Mit einem normalen Akkuschrauber wird das nämlich zur Qual, wenn da nicht eh der Akkuschrauber stirbt…

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      • Hallo Wolfram,

        nein hatte wie geschrieben eine weitere Hilti TE6-S mit 220V.

        Die war zusätzlich auf Schlag gestellt, das genug Bums dahinter war.

        Aber trotzdem bei der Menge eine Schinderei.

        Gruß

        Tommy

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  2. Hallo Wolfram,
    Ein wirklich gelungener Artikel. Ich habe Betonschrauben bei diversen Projekten benutzt und bin immer wieder überrascht 😉 Betonschrauben sind im Heimwerkerbeich in meinem Umfeld noch nicht wirklich angekommen. Da wird immer wieder versucht andere (teils echt lachhafte) Methoden zur Befestigung zu finden. Dennoch eine tolle Sache, welcher man durchaus etwas Aufmerksamkeit widmen sollte.
    LG Fabian

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  3. Hallo Wolfram,

    Danke für Deinen Artikel, der mir wie gerufen kommt, da ich in nächster Zeit Zaunelemente (ca. 2,0 x 2,0 m) auf einer Betonmauer bzw. an L-Steinen befestigen möchte.
    Dazu habe ich mir bereits Schwerlastdübel (wie z.B. diese https://www.amazon.de/FISCHER-Ankerbolzen-Zulassung-zugzonentauglich-94984/dp/B000UWEC5W/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1536659833&sr=8-3&keywords=schwerlastd%C3%BCbel+m10) bestellt.
    Das es Betonschrauben gibt, die ohne Dübel funktionieren, kannte ich bis jetzt noch nicht.
    Kannst Du was zur Kraftaufnahme der Betonschrauben im Vgl. zu den Schwerlastdübeln sagen? Welche halten mehr Kräfte aus…auf Zug?
    Ich denke im Puncto Abscheren geben sich beide Schrauben nichts, sofern man den gleichen Querschnitt nimmt.

    Vielen Dank und viele Grüße
    Achim

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    • Hallo Achim, ich bin da kein Spezialist für die Betonschrauben, daher kann ich Dir die Frage nicht beantworten. Mein Fachhändler sagte mir aber, dass von seinen Handerker-Kunden fast niemand mehr die Ankerbolzen einsetzt.

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  4. Weil ich alles andere als ein Handwerker bin, hat mir dieser Artikel sehr gut gefallen. Alles gut verständlich und auch von mir nachvollziehbar.

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