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Entscheidungshilfe für den 3D-Drucker-Kauf

Lohnt sich der Kauf eines 3D-Druckers? Kann man damit wirklich sinnvolle Dinge für die Holzwerkstatt produzieren? Wie kompliziert ist das Ganze Thema? Welchen 3D-Drucker soll man kaufen?

Viele Fragen dieser Art haben mich in den letzten Wochen erreicht. Hier gebe ich in zusammengefasster Form meine Erkenntnisse zum Thema 3D-Druckerkauf zum Besten.

Eines gleich Vorab: Mein Blog „Holz&Leim“ wird seinen Fokus auf Holzwerken und Möbelbau behalten. Nichts desto trotz gibt es interessante Themen bei denen es sich lohnt, auch mal über den Tellerrand zu schauen. Eines davon ist der 3D-Druck, der durchaus im einen oder anderen Kontext auch für den Holzwerker interessant ist.

Warum 3D-Druck in meiner Werkstatt?

Was das 3D-Drucken interessant macht ist die Tatsache, dass da Ideen „automatisch“ umgesetzt werden können. Man kann z.B. abends im Hotelzimmer einen Gegenstand im Computer konstruieren und muß dazu nicht in der heimischen Werkstatt sein. Man kann Dinge vergleichsweise schnell konstruieren, die nur schwer oder mit viel Zeitaufwand von Hand angefertigt werden können wie z.B. Zahnräder oder Ersatzteile für Maschinen. Wenn man dann wieder zuhause ist, kann die Konstruktion auf eine SD-Karte gespeichert werden, die man in den 3D-Drucker steckt und schon kann die Idee Realität werden, ohne dann man selbst in der Werkstatt steht.

Im Laufe der Zeit hat sich so eine Menge kleiner Helferlein für die Werkstatt ergeben, die der interessierte Leser meines Blogs auf zusammen mit zig-Tausenden anderer Dinge auf Thingiverse.com herunterladen und ausdrucken kann.

Das klingt natürlich erst mal wieder ganz toll, aber wie schaut die Realität aus?

Welchen Stand hat der 3D-Druck heute?

Das Thema 3D-Druck für den Heim- und Hobbygebrauch ist so um das Jahr 2010 herum populär geworden. Damals waren 3D-Drucker etwas für Hardcore-Bastler und man mußte schon über profunde Kenntnisse in Elektronik und Mechanik verfügen, um diese Dinger überhaupt bauen zu können. Das bekannte MAKE Magazine in den USA hat dieses Thema ganz entscheidend popularisiert. Aber die benötigten Bauteile waren damals nur schwer zu bekommen und relativ teuer. Alles musste selber ausgetüftelt werden. War der 3D-Drucker dann endlich am laufen, hatte man nicht selten ein paar Tausend Euro in die Hand genommen.

Ab 2012 gab es dann von Herstellern wie Makerbot oder Ultimaker die ersten professionell gefertigten Fertiggeräte mit damals noch bescheidenen Leistungen und Preisen um die 2500 bis 4000 EUR.

Das hat sich in den letzten zwei Jahren aber grundlegend geändert. Speziell seit Mitte 2016 gibt es eine Flut von immer billigeren 3D-Druckern aus China, die mit Preisen um die 250-300 EUR das Thema 3D-Druck für viele Hobbyanwender erschwinglich machen. In England und Australien werden 3D-Drucker mittlerweile sogar bei ALDI verkauft.

Auch bekannte Werkzeughersteller wie z.B. DREMEL sind 2016 in das Thema 3D-Druck eingestiegen und haben hier mit recht durchdachten Systemlösungen ihre ersten Schritte gewagt.

Unser Einstieg in den 3D-Druck

Zusammen mit meinen Söhnen habe ich die ersten Schritte im Herbst 2016 mit dem Flashforge Dreamer gemacht. Der Drucker ist vom Hersteller her sehr gut dokumentiert, es gibt eine Vielzahl von YouTube-Videos und einen regen Austausch zwischen den Besitzern dieser Maschine in diversen Foren, Facebook etc. Gekauft haben wir den 3D-Drucker im Rahmen einer Sonderaktion bei Amazon. Eine Beschreibung unserer ersten Erfahrungen findet man <<HIER>> und <<HIER>>

Inzwischen haben wir aber weitere 3D-Drucker am Laufen, die alle Ihrer Vor- und Nachteile haben. Dazu später mehr.

Was beeinflusst die 3D-Druckqualität?

Die Qualität von Teilen aus dem 3D-Drucker hängt in dieser Reihenfoge von vier wesentlichen Faktoren ab:

  1. Qualität des mechanischen Aufbaus des Druckers
  2. Zusammenspiel von PC-Software zur Vorbereitung des Druckes mit der Software des Druckers
  3. 3D-Druckparameter für den jeweiligen Drucker
  4. Qualität der verwendeten Filamente (3D Druckmaterial)

Am wichtigsten ist eine solide Mechanik, ohne das geht es nicht. An zweiter Stelle ist das Thema „Software“ zu nennen, denn gerade die Software macht vielfach den Unterschied welche Qualität hinterher herauskommt.

Die sorgfältige Abstimmung zwischen der Slicer-Software zum Erzeugen der Druckerdaten, dem Drucker selbst und dem Druck-Material in Verbindung mit einer brauchbaren Dokumentation ist es auch, worin sich die Systeme der verschiedenen Anbieter unterscheiden.

Ich benutze als Slicer-Software die kostenlose CURA-Software und das kostenpflichtige Simplify3D.

Welchen Drucker soll ich kaufen?

Die zentrale Frage für die Auswahl eines 3D-Druckers besteht darin, welche Erwartungen man an den 3D-Druck hat.

Möchte man einfach nur möglichst problemlos 3D-Teile drucken und betrachtet man den 3D-Drucker nur als ein Werkzeug, das einfach nur funktionieren soll, dann empfehle ich eines der ausgreiften Komplettmodelle.

Gute Erfahrungen haben wir und auch einige Leute im Bekanntenkreis mit 3D-Druckern von Flashforge oder DREMEL. Preislich muss man hier mit einer Investition von 800-1400 EUR rechnen.

Vorteil: Auspacken und Losdrucken – hier ist es tatsächlich möglich. Sehr gut abgestimmte PC-Software, einfachste Bedienung.

Nachteil: Relativ hohe Kosten, teilweise „veraltete“ Mechanik beim Bed-Leveling

Ersatzteilversorgung: Gut und schnell, aber relativ teuer. Regelmäßige Software-Updates vom Hersteller, einfacer Update per USB-Kabel

Ist man bereit, sich ein wenig mehr mit Aufbau und Technologie des 3D-Druckens auseinander zu setzen, dann kann man auch den Kauf eines vormontierten Gerätes wie z.B. des Creality CR-10 in Betracht ziehen. Dieser Drucker ist eines der meistverkauften Modelle der vergangenen 12 Monate, da er über ein sehr großes Druckvolumen verfügt. Damit können schon recht gewaltige Teile produziert werden. Preislich muß man hier mit Beträgen zwischen 450 und 700 EUR rechnen.

Und darum steht so ein Creality CR-10 3D-Drucker auch bei uns. Wer hier mit einem kleineren Druckvolumen zufrieden ist, kann auch zum ANYCUBIC I3 Mega greifen. Die Preise liegen hier so um die 350-450 EUR.

Man muß sich aber bei diesen Druckern darüber im klaren sein, dass hier schon ein wenig an Einarbeitung in die Materie erforderlich wird.

Vorteil: Viel Drucker fürs Geld, viel Open-Source Software kostenlos

Nachteil: Es muss schon selbst Hand angelegt werden, bis der Drucker wirklich gut läuft. Tuning-Teile müssen erst gedruckt und installiert werden. Falls Software-Updates gewünscht sind, muss teilweise ein Bootloader geflasht werden (also nix für Leute ohne Elektronik-Erfahrung)

Ersatzteilversorgung: Relativ gut und billig, aber teilweise lange Versandzeiten

Für alle die an der 3D-Drucktechnik interessiert sind und einen Drucker suchen, der den aktuellen Stand der technischen Möglichkeiten bietet, denen empfehle ich einen Blick auf den Original Prusa i3 mk3 3D-Drucker zu werfen. Dieser Drucker liefert in Punkto Dauerbetrieb und optimalen Druckergebnissen eine Leistung, die sonst nur von erheblich teureren Profigeräten geliefert wird.

Dieser Drucker ist seit Weihnachten 2017 bei uns im Hause und ist wegen seines unkomplizerten Betriebs, der geringen Geräuschentwicklung und der hohen Druckgeschwindigkeit unser Favorit.
Wir haben diesen Drucker für 769 EUR als Bausatz gekauft und an einem Nachmittag zusammengebaut. Jeder der ein wenig Verständnis für Feinmechanik und Elektronik hat ist das keine große Herausforderung.

Vorteil: Technologisch Top, sehr gute Software, sehr leise im Betrieb

Nachteil: Lange Lieferzeiten, relativ hoher Preis selbst beim Bausatz

Ersatzteilversorgung: Sehr gut, viele Ersatzteile können selber gedruckt werden, regelmäßige Software-Updates vom Hersteller, einfacer Update per USB-Kabel

Wo kaufen?

Beim Kauf eines 3D-Drucker hat man die Wahl, ob man in China bestellt oder aber in Europa bei einem kompetenten Fachhändler oder z.B. bei Amazon.

Die Bestellung in China ist zwar in der Regel 100-150 EUR billiger, aber es muss ggf. noc Zoll entrichtet werden und die Lieferzeiten können lang sein. Auch ist die Rückgabe eines Drucker in mangelhafter „Montagsqualität“ kompliziert und langwierig.

Wer in Europa bestellt, bekommt den Drucker in wenigen Tagen geliefert und kann im Fall der Fälle auch unkompliziert das Gerät umtauschen oder zurückgeben.

Wir haben unsere 3D-Drucker bei Amazon bzw. bei Prusa3D direkt in der Slovakei gekauft.

Zusammenfassung

Im Prinzip herrscht bei Kauf eines 3D-Druckers die gleiche Situation wie beim Kauf eines Metallhobels – man kann einen guten Hobel kaufen der praktisch aus der Schachtel heraus funktioniert, oder einen billigeren in den man erst mal etwas Zeit investieren muss, bis dieser seine volle Leistung entfaltet.

Wer im 3D-Druck schnell zu guten Ergebnissen kommen will, der sollte nicht unbedingt zum erstbesten Billig-3D-drucker greifen, sondern zu einem bewährten System mit gut abgestimmter Software und funktionierender Ersatzteilversorgung! Mit den oben genannten Druckern haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht, wobei der Original Prusa i3 mk3 derzeit unser Favorit ist.

Von den ganz billigen Druckern unter 300 EUR kann ich für unerfahrene Einsteiger in das Thema 3D-Druck nur abraten. Hier muss in der Regel eine Menge Feinarbeit geleistet werden bis der Drucker vernünftig funktioniert, die Ersatzteilversorgung ist nicht gesichert. Oftmals müssen auch erst noch „Tuning-Teile“ gekauft werden, damit das Drucken auch wirklich Spaß macht. Also eine Menge Frust-Risiko.

Es ist halt bei den 3D-Druckern wie auch bei allen anderen Werkzeugen: Wer ein gutes, sofort gebrauchsfähiges Gerät haben möchte, der muß ein wenig tiefer in dei Tasche greifen.

Dieser Artikel basiert auf dem Wissen und dem Stand der Technik im Mai 2018.

 

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5 Kommentare

  1. Lieber Wolfram,
    vielen Dank für diesen sehr informativen Artikel. Ich habe auch schon mal auf das Thema 3D-Druck und CNC geschaut, allerdings habe ich noch keinen wirklichen Mehrwert für meine spezielle Situation erkennen können.

    Mein Sohn ist total Lego-verrückt, der sieht da naturgemäß andere Anwendungsmöglichkeiten, als ich.

    Ich werde mir das Ganze vorerst aus der Ferne angucken und freue mich bis dahin über weitere Beiträge von Dir!

    Herzliche Grüße
    Frank

    Antworten
    • Hallo Frank,

      wenn Du kannst dann schenke Deinen Kindern so ein Ding zum Geburtstag o.ä. Du wirst staunen welche Kreativität das entfesselt! Unsere Drucker sind zu 80% von meinen Kindern belegt 😉 und da kommen tolle Sachen raus – siehe meinen Instagram-Account.

      Antworten
  2. Hallo Wolfram,
    Dein Blog war der Auslöser dafür, mir nun auch einen 3D-Drucker zuzulegen. Der ist nun auf dem Weg und müsste in den nächsten Tagen eintreffen.
    Ich wollte erst mal nicht so viel investieren und habe mich für einen Anycubic i3mega entschieden. Preis-Leistung soll sehr gut sein. Das von Dir empfohlene Filament wartet nun geduldig auf seinen Einsatz. Erstes Projekt wird wohl „deine“ Kabel-Schlauch-Schelle.

    Antworten
  3. Das ist ja schon ein schickes Portfolio an guten Geräten. 🙂 Ist das ein CR-10 oder CR-10S (der Link führt zu dem)? Kann ich grad nicht so erkennen.

    In der Zukunft wirds bestimmt auch mehr 3D Drucker unter 300 Euro geben, die dann empfehlenswert sind. Ich bin gespannt.

    Antworten
    • Hallo Chris,
      wir haben den ganz „normalen“ CR-10 im Einsatz – ich würde allerdings den 10S empfehlen – kostet nur 50 EUR mehr und hat die Filament-Ende-Erkennung was gerade bei großen Druckprojekten doch ganz vorteilhaft ist.

      Antworten

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