Artikelformat

Eine Einbauküche aus Massivholz

Ein Leser meines Blogs, Klaus Moerders aus Duisburg, stellt in diesem kurzen Gastartikel seine Einbauküche vor, die er derzeit aus Massivholz baut.

img_5782

Ich veröffentliche hier seinen Bericht als Anregung für andere Holzwerker.

Hier folgen also die Bilder und der Bericht von Klaus.

Baubericht


Hallo, ihr Hobbybastler,
ich wollte euch mein derzeitiges Projekt vorstellen und damit Tipps für Nachahmer geben.
Unsere IKEA-Küche ist nun 23 Jahre alt, abgegriffen und die Elektrogeräte versagen auch nach und nach ihre Dienste. Deshalb die Anweisung der “Chefin“: Wir brauchen eine neue Küche !!

Nach Besuchen der diversen Küchenstudios drängte sich mir das Horrorbild von Pressholz und Plastik auf. Viel, viel Geld für Schund.

Bis wir zu einem Schreiner kamen der eine Vollholz Buchenküche in der Ausstellung hatte. Der Spruch meiner Frau: “ Die, oder keine“. Nach Erhalt des Angebotes wurde uns schlecht und wir verließen gesenkten Hauptes den Hof.

Dann habe ich mir diese Küche aber nochmals angesehen und festgestellt, dass es sich hierbei um 80% rechteckige Kisten handelt. Davon habe ich bereits Dutzende gebaut.

Daraufhin habe ich einen befreundeten Schreinermeister kontaktiert und ihm Löcher in den Bauch gefragt. Solche Fragen:
– Wie werden die Ecken ausgebildet, also konstruktive Details
– Wo kauft man Beschläge, Griffe, Topfscharniere, ….
– Welches Werkzeug braucht man
– und vieles mehr……..

img_2170244
Ich habe mich dann 4 Wochenenden vor meinen PC geklemmt und die Planung mittels eines einfachen CAD Programms erstellt (siehe Küche Rev3.pdf). Im Internet habe ich mir die Elektrogeräte ausgesucht und die Kopusmaße abgegriffen. Nachdem o.g. Schreinermeister die Planung abgesegnet hatte, habe ich die Stückliste (siehe Stückliste Küche 2016-11-12.xlsx) erstellt. Mit der Stückliste bin ich zu diversen, professionellen Holzzuschneidern (Bedingung: Zuschnitt auf CNC – Maschine) gegangen und Angebote eingeholt.

img_5783
Materialvorgaben:
– Korpora 19 mm Buche Leimholzplatte, keilverzinkt
– Türen: 20 mm 3 Schichtplatten, Decklage Buche
– Rückwände: 5 mm Sperrholz, Decklage Buche

Die Toleranzen beim Zuschnitt sollten < 1 mm sein, was wir Bastler mit unseren Hobbymaschinen nicht hinbekommen!!

Dann habe ich die Elektrogeräte bestellt und Beschläge, Schrankeinbauten, Werkzeug, Dübel, Leim, usw. (alles über Fa. HÄFELE gekauft) besorgt. Nachdem ich die Bestätigung für die Elektrogeräte hatte, habe ich den Holzzuschnitt bestellt.

img_5784

Mittlerweile ist die Grobmontage erfolgt. Zurzeit bin ich an der Feinmontage wie Schrankeinbauten, Fenster,- und Türmontagen und zweimaliges ölen mit Hartöl.

img_5770

Noch eine Anmerkung zum Zeitaufwand:
– Planung ca 8 – 10 Tage
– Angebote einholen, vergleichen, Geschäfte abklappern, bestellen ca 6 Tage
– Montage der Korpora ca 14 – 16 Tage

Weitere Planung:
– Demontage der alten Küche, Renovierung, Steckdosen setzen, …. Ca. 5 Tage
– Montage der neuen Küche ca 4 Tage

Für die Demontage, Renovierung und Neumontage habe ich 2 Wochen meines Jahresurlaubes geopfert, hingegen habe ich alles andere bis dato abends und am Wochenende gemacht. Ich möchte mir mein Hobby nicht durch Hektik und Stress vermiesen lassen.

„Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht.“ (Leonardo da Vinci)
Gruß
Klaus


Damit endet der Bericht von Klaus. Für die an weiteren Details interessierten Leser biete ich hier noch die Planungsdaten von Klaus als PDF und EXCEL-Datei in einem ZIP-Archiv zum Download an.

DOWNLOAD Einbaukueche.ZIP

Meine Anmerkungen zu diesem Projekt:

Respekt für jeden, der so etwas in Angriff nimmt. Es sind zwar „nur eckige Kästen“ die man da baut, aber in der Menge ist der Zeitbedarf für einen Hobbyschreiner nicht zu unterschätzen. Den Holzzuschnitt bei einem Projekt dieser Größenordnung vom Holzhändler erledigen zu lassen ist mehr als sinnvoll. Auch ich hatte beim Bau der mehrteiligen Schrankwand für meine Tochter das Holz zuschneiden lassen, damit ich den Bau in endlicher Zeit bewältigen konnte.

Eine gute Planung ist da natürlich Voraussetzung und auch da hat Klaus mit dem CAD ganze Arbeit geleistet. Wer kein CAD hat, dem empfehle ich hier das einfach zu erlernende Programm Sketchup für die 3D-Konstruktion.

 

13 Kommentare

  1. Ich habe vor einer Weile ein größeres Regal gebaut und dafür auch unzählige Zuschnitte gebraucht, die teilweise von mir überhaupt nicht durchgeführt werden könnten (28mm MDF in 3m lang — die Platte, die das hergibt, wiegt ungefähr 200kg). Ein bastlerfreundlicher Tischler hat das alles mit der Formatsäge gemacht, per Hand, aber wirklich präzise.

    Was mich dabei überrascht hat: Das zugeschnittene Holz war über den Tischler günstiger als die ganzen Platten für mich beim Holzhändler gewesen wären. Und das, obwohl der Tischler beim gleichen Händler eingekauft hat, nur eben Mengenrabatt bekam. Den Verschnitt habe ich ihm mitbezahlt.

    Das sollte man bei so großen Projekten bedenken und vielleicht nicht unbedingt direkt beim Händler kaufen.

    Tobi

    Antworten
  2. Klaus Moerders

    28/11/2016 @ 10:40

    Hallo Tobi
    ich bin mit meiner Stückliste zu diversen Holzzuschnittbetrieben gegangen. Die Preisunterschiede waren enorm.
    Obwohl der von mir beauftragte Betrieb nicht der Günstige war, habe ich mich trotzdem für ihn entschieden, weil er mir bei den Türen aus Dreischichtholz einen Umleimer aus Buche maschinell aufbringen konnte und auch direkt die Nut für die Griffe fräsen konnte. Die Nut von 3,5 mm musste mittig in die Stirnfläche gefräst werden.
    LG
    Klaus

    Antworten
    • Hallo Klaus,
      beindruckende Leistung.
      Eine neue Küche steht bei mir auch an, der Ansatz mit zugelieferten Holzzuschnitt finde ich sehr interessant. Könntest du mir den Lieferanten nennen? Ich habe hierzu keinerlei Erfahrung oder Quellen.

      Danke vorab.
      Frank

      Antworten
  3. Hallo Klaus,
    wie sind den die Kästen zusammen gebaut? Nur geklebt oder hast Du da auch Holzdübel hergenommen?

    Antworten
  4. Hallo Klaus,

    das sieht alles sehr interessant aus. Könntest Du nicht woanders mehr darüber berichten? Mich würde auch interessieren, wie hoch die Ersparnis gegenüber dem Angebot des Tischlers ungefähr war.

    Antworten
  5. Klaus Moerders

    29/11/2016 @ 10:18

    Hallo Sebastian,
    ich habe alle Eckverbindungen gedübelt (Lamellendübel, Größe 20, L=56, B=23 mm) und verleimt.
    Diese Dübelform hat den Vorteil das man die Verbindung beim Verspannen nochmals 2 – 3 mm in Längsrichtung korrigieren kann.
    An Stellen an denen eine hohe Last auf das Brett kommt und die Stelle von Außen nicht einsehbar ist, habe ich zusätzlich Schrauben ( 3,5 x 65 ) gesetzt.
    LG
    Klaus

    Antworten
  6. Klaus Moerders

    29/11/2016 @ 10:30

    Hallo Andreas
    grob möchte ich behaupten, dass die Ersparnis für die gesamte Küche bei ca. 50% liegt,- die eigenen Stunden natürlich nicht berechnet.
    Das Angebot der Schreinerei lag bei 24.500,- € incl. Herd, Kühlschrank und Geschirrspüler,- ohne Arbeitsplatte, ohne Dunstabzug.
    Bisher liege ich bei 4.500,- fürs Holz, 3.800,- für die E-Geräte der Oberklasse (ohne Dunstabzug) und 2.400,- für Topfscharniere, Schubladen, Griffe, Beleuchtung, Schrankeinbauten, elektr. Antrieb und 1.500,- an Verbrauchsmaterial wie Schrauben, Hartöl, Schleifpapier, usw.
    Ich denke für die Granit Arbeitsplatte kommen nochmal 2.500,- dazu.
    Reicht dir diese Antwort ???
    LG
    Klaus

    Antworten
  7. Ich finde das sehr beeindruckend!
    Zusammen mit meinem Vater habe ich zwar schon Möbel für unsere damaligen Jugendzimmer gebaut, aber das war schon wirklich nicht ohne. Eine ganze Küche samt Elektrogeräte usw. finde ich schon planungstechnisch wahnsinnig aufwendig. Mein großere Respekt, dass das dann auch noch eigenständig umgesetzt wurde!

    Ich wünsche für den Feinschliff nochmal ganz viel Kraft und Spaß und wäre auf jeden Fall an einem Eindruck der fertigen Küche interessiert. 🙂

    Liebe Grüße!

    Antworten
    • Klaus Moerders

      02/12/2016 @ 16:11

      Hallo Silvana
      Die Demontage der alten Küche, Renovierung, zus. Steckdosen setzen, neue Küche montieren ist vom 10.12. – 21.12. geplant.
      Bilder nach Fertigstellung folgen !!
      LG
      Klaus

      Antworten
  8. Selbst eine ganze Küche zu bauen ist natürlich eine beachtliche Leistung. Die meisten, auch sehr begabten Handwerker, würden wahrscheinlich an Platzmangel und den fehlenden Werkzeugen scheitern. Nur die verwendete Holzmenge würde meine Mini-Werkstatt schon aus allen Nähten platzen lassen. Von Gehrungssäge, Säulenbohrmaschine und anderen Maschinen, die in einem solchen Fall nötig sind, gar nicht zu sprechen. Umso mehr ist dein Ansatz zu loben. Eine Echtholz-Küche ist heute gar nicht mehr bezahlbar, die meisten sind aus Spanplatten zusammengenagelt. Mit dem richtigen Holzfirniss ist so eine Küche über mehrere Generationen zu verwenden. Ich habe auch ein paar kleinere Projekte, sprich Schränke, Regale usw. gemacht. Auch das Bettgestell für meinen Sohn der unbedingt in einer Burg schlafen wollte, habe ich geschreinert. Es macht natürlich viel Spaß, vor allem dann wenn man es später jeden Tag sieht. Zwar kommt der Sohnemann jetzt langsam aus dem alter heraus, wo er Ritter spielt, aber mein Neffe ist gerade 1 Jahr alt, also es gibt schon die nächste Generation die sich über meine Kunst erfreuen kann

    Antworten
  9. Klaus Moerders

    24/01/2017 @ 14:02

    Hallo Tom

    Danke für deinen Anschupser !!

    Die Granitarbeitsplatte soll nächste Woche montiert werden. Dann komme ich meinem Versprechen nach die Fotodokumentation hier einzustellen.

    In den letzten Wochen war ich primär mit den Lichtleisten an der Decke und der Montage der Abzugshaube beschäftigt,- aber auch das ist nun erledigt.

    Kleine Story am Rande: Ich habe die Lampen in einem separaten Kasten zwischen Decke und Oberschrank montiert. Bei der Montage ist mir der Kasten aus der Hand gerutscht und gemäß Murphys Gesetz genau auf den nagelneuen Induktionsherd gefallen ==> Glas mehrfach gerissen !! Ich habe versucht den SIEMENS Kundendienst zu bekommen ==> Fehlanzeige. Dann habe ich mir die Glasplatte bestellt und selbst montiert. Die 260 Euro hat die Versicherung übernommen.

    Sollte von euch Jemand die Absicht haben auch die Glasplatte eines Induktionsherdes zu tauschen, bitte vorher hier melden zwecks Erfahrungsaustausch.

    @ Kerstin: Der Platz für so ein Vorhaben ist natürlich das Bottleneck da sich (wie bei mir) die Herstellung über Monate zieht. Die benötigten Maschinen waren nicht das Problem da es sich hierbei ausnahmslos um Handmaschinen (Schleifer, Nut-Fräser, Bohrmaschine, Kreissäge, Akkuschrauber, …) handelt.

    LG
    Klaus

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Webseiten benutzen Cookies für statitische Zwecke. Hier kannst Du mehr über Cookies erfahren.