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Möbeloberflächen mit Clou Hartöl

Bei meinen aktuellen Massivholzmöbelprojekten habe ich die Oberflächenbehandlung mit Hartöl von Clou vorgenommen.

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In diesem Artikel fasse ich nun meine Erfahrungen zusammen, die ich mit dem von mir verwendeten CLOU-Hartöl gesammelt habe.

Warum verwende ich Clou Hartöl?

Der Grund ist ganz einfach: Es ist praktisch überall erhältlich, preiswert und zudem in verschiedenen Gebinde-Größen von 250ml, 750ml und 2,5l verfügbar. Wobei natürlich auch hier die kleinen Gebindegrößen unverhältnismäßig hohe Literpreise haben, weshalb man möglichst den Kauf der der größeren Mengen anstreben sollte.
Es macht aber auch keinen Sinn, für einen kleinen Hocker ein großes 2,5L Gebinde zu kaufen, das dann jahrelang unbenutzt im Keller steht und möglicherweise unbrauchbar wird.

Wenn man das Clou Hartöl kauft, sollte man auch gleich eine Dose des passenden Clou EV-Verdünners kaufen, um anschließend Pinsel und andere Werkzeuge wieder reinigen zu können.

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Das Clou Hartöl enthält nach Angaben im Sicherheitsdatenblatt etwa 60% Testbenzin als Lösemittel und ist daher recht dünnflüssig. Das hat den Vorteil dass es stark vom Holz aufgesaugt wird und somit recht tief eindringt. Das Lösemittel ist natürlich beim Verarbeiten deutlich zu riechen. Weiterhin sind natürliche Öle und Naturharze enthalten, mehr erfährt man von der Fa. Cloud leider nicht.

Das Clou Hartöl gibt es farblos und auch eingefärbt in den Tönen rotbraun und hellbraun. Ich selbst verwende aber ausschließlich die farblose Variante.

Die Ausrüstung

Wenn man mit Hartöl arbeitet, ist der Einsatz von Schutzhandschuhen empfehlenswert, den das Hartöl hinterlässt auf der Haut eine spürbare Wachsschicht, die nur schwer abzuwaschen ist.
Ich benutze hier billige Einweg-Gummihandschuhe aus dem Supermarkt. Diese haben den Vorteil dass man damit das beste Gefühl in den Fingern hat, wenn das überschüssige Öl wieder abgerieben wird.

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Ein breiter Pinsel in 3-Sterne Qualität ist zum Auftragen des Hartöl ausreichend, denn wenn dieser Borsten verliert ist das nicht weiter tragisch. Beim Abreiben der Obeflächen werden diese später wieder mit dem Lappen aufgenommen. Ideal sind sogenannte „Lasur-Pinsel“, da diese besonders viel Öl aufnehmen und wieder verteilen können.

Vor dem Verarbeiten des Hartöls sollte man den Behälter länger gut schütteln, damit sich der Inhalt wieder homogenisiert. Danach gebe ich das Hartöl in einen kleinen Behälter, aus dem heraus ich mit dem Pinsel das Öl auftrage. Hier haben sich die leeren Plastikbecher von Fleischsalat bewährt, die man nach Gebrauch wegwerfen kann.

Zum späteren Abnehmen des Hartöls das nicht ins Holz eingedrungen ist benötigt man noch einen Lappen.

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Ich habe hier immer einen kleinen Vorrat von alten Baumwoll-T-Shirts, Unterhemden etc. die ich in etwa DIN-A4 große Stück geschnitten habe.

Verarbeiten des Hartöls

Die Verarbeitung von Clou Hartöl ist nach meinen Erfahrungen ziemlich unkritisch und auch von unerfahrenden Holzwerkern problemlos zu bewerkstelligen.
Einfach mit dem Pinsel in Faserrichtung dick auf die geschliffene Holzoberfläche auftragen. Dann ca. 20-30 Minuten abwarten bis das Öl in die Oberfläche eingedrungen ist und das auf der Oberfläche verbliebene Öl mit einem trockenen Lappen wieder abwischen. Das Zeitfenster für die Abnahme des Überstandes ist bei diesem Produkt nicht sonderlich kritisch.

Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass man über das Zeitfenster vom Auftragen bis zur Abnahme des Überstandes in gewissen Grenzen das Erscheinungsbild der späteren Oberfläche beeinflussen kann.

Wird die Oberfläche nur bis Korn 120 geschliffen und das Hartöl nach ca. 15-20 Minuten wieder abgenommen, so erhält man eine eher mattierte Oberfläche.

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Wird die Oberfläche mit Korn 320 geschliffen oder gar mit dem Putzhobel geglättet und der Überstand erst nach 30-45 Minuten wieder abgenommen, erhält man nach dem 2. Auftrag eine hochglänzende, sehr glatte Oberfläche.

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Man kann also mit dem Grad des letzten Schliffes und der Einwirkdauer es Hartöls in gewissen Grenzen den Glanz der späteren Oberfläche steuern.

Wenn ein dritter Auftrag vorgenommen werden soll, dann diesen nur noch ganz dünn auftragen. Ich benutze dann nicht mehr den Pinsel sondern verreibe es mit einem in Hartöl getränkten Schwämmchen. Nach ca. 10-20 Minuten mit dem Lappen glänzend reiben.

Da Clou Hartöl eigentlich ein Harz-Wachs-Öl-Gemisch ist, kann man es unter bestimmten Umständen auch für die Behandlung der Innenseiten eines Schrankes benutzen. Ich habe dies bei meinem Hängeschrank mit Glastüren gemacht, da man durch die Türen die Innenseiten sehen kann und diese die gleiche Farbe wie der äußere Korpus haben sollen.
Hierbei ist aber zu beachten dass mindestens 2 Wochen Trockenzeit bei Raumtemperatur abgewartet werden muss, bevor man die Schranktüren schließt. Wer diese Zeit nicht hat, der sollte die Innenseite besser unbehandelt lassen oder zu einem dünnen Lackanstrich greifen. Da sich der Bau meines Hängeschrankes mit Glastüren über mehrere Monate hingezogen hat war das unkritisch.

Beim kurzen Unterbrechen der Arbeit stelle ich den Pinsel für die Zeit bis zum nächsten Auftrag in ein Schraubglas mit ein wenig EV-Verdünnung.

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So verhindere ich dass die Borsten des Pinsels verkleben und dieser schon nach kurzer Zeit seine Aufnahmefähigkeit verliert.

Bei längeren Arbeitsunterbrechungen (mehr als 12 Stunden) führt aber kein Weg am Reinigen des Pinsels mit EV-Verdünnung vorbei.

Selbstentzündungsgefahr der Lappen

Die nach dem Abnehmen des überschüssigen Hartöls entstandenen ölgetränkten Lappen können sich durch die beim Trocken des Öls entstehende Wärme selbst entzünden. Das passiert zwar bei Hartöl nur höchst selten, aber wenn es dann doch geschieht, ist der Schaden möglicherweise sehr groß. Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich dieses YOUTUBE-Video anzuschauen.

Um dies zu vermeiden, gebe ich sicherheitshalber die benutzten, ölgetränkten Lappen in ein altes Gurkenglas mit Schraubdeckel mit dem ich das Gefäß luftdicht verschließen kann. Alternativ kann man die Lappen auch wässern und tropfnass in einen Plastikbeutel geben und in die Mülltonne werfen.

Das Hartöl selbst ist zwar wegen des Lösungsmittels entzündlich, hat aber keine Neigung zur Selbstentzündung. Geringe Reste in einem Becher sind daher unkritisch.

Fehler mit Hartöl

Natürlich kann man bei der Anwendung von Hartöl auch Fehler machen – deshalb hier meine Fehl-Erfahrungen. Folgende Punkte sollte man vermeiden:

Hartöl nicht auf senkrechte Flächen auftragen! Der Überschluß läuft nach unten und es ergibt sich eine ungleichmäßige Oberfläche. Oben hell und rauh, unten dunkel und übersättigt.

Frisch geölte Teile nicht in die Sonne legen! Das führt zu einem schnellen, ungleichmäßigen Verdunsten des Lösungsmittels. Als Ergebnis erhält man Stellen, die nur sehr langsam trocknen, teilweise erst nach mehreren Tagen nicht mehr klebrig sind.

Heruntergelaufenes Öl vermeiden! Auch wenn man nur waagerechte Flächen mit dem Öl behandelt, kann es passieren dass am Rand Öl an den Seiten hinunterläuft. Wenn das passiert, dieses Öl sofort abwischen. Wartet man damit bis das überschüssige Öl abgenommen wird, so entstehen Laufspuren, die erst mit mehreren Nachölungen mühsam wieder entfernt werden können.

Tropfenbildung an den Unterkanten vermeiden! Wenn man z.B. eine Tischplatte zum zweiten Mal einölt, kann es passieren dass sich an den Ecken kleine Tropfen überschüssigen Öls bilden. Werden diese beim späteren Abnehmen des überschüssigen Öls nicht entdeckt und mit abgewischt, so bilden sich später kleine harzige Höcker. Diese kann man dann nur noch abschaben, z.B. mit einer Ziehklinge oder einer Cutter-Klinge. Anschließend die Fehlstellen wieder leicht nachölen. Wenn es sichtbare Stellen sind muss man dies ggf. mehrmals wiederholen bis die Verfärbungen verschwinden.

Gereinigten Pinsel nicht auf Zeitungspapier ausstreichen! Das Lösungsmittel im Hartöl löst die Druckerschwärze aus dem Zeitungspapier und diese geht dann in den Pinsel über. Beim nächsten EInsatz bekommt das Holz dann graue Schlieren.

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Besser einen alten Lappen nehmen um den Pinsel von Lösungsmittelresten zu befreien.

Nicht die Hartölmarke mitten im Projekt wechseln! Wenn man eine Gruppe von Möbeln baut, die später zusammen aufgestellt sind – oder gar Bauteile die miteinander verschraubt werden, dann sollte man diese alle mit einem Hartöl des gleichen Herstellers behandeln. Jeder Hersteller von Hartöl hat seine eigene Rezeptur und daraus resultieren auch immer etwas unterschiedliche Oberflächentöne.

Fazit

Ich habe hier meine Erfahrungen anhand von Clou Hartöl beschrieben, weil ich dieses Produkt nunmehr seit 2 Jahren erfolgreich einsetze. Die resultierenden Oberflächen sind deutlich höher belastbar als solche die mit Leinölfirnis behandelt wurden. Gerade bei Tischoberflächen oder Sitzflächen von Bänken ist ja doch mit einer hohen Belastung im täglichen Gebrauch zu rechnen und da ist ein Hartöl deutlich widerstandsfähiger.

Wer noch mehr Informationen zum Thema Oberflächenbehandlung mit Öl sucht, dem empfehle ich einen Blick in das Buch „Oberflächen behandeln“ von Melanie Kirchlechner.

 

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11 Kommentare

  1. HalloWolfram,
    Danke für diesen sehr informativen Artikel. Ich nutze dieses Öl auch sehr gerne. Meine Lappen lasse ich immer an der frischen Luft trocknen (Kellerschacht ohneBrennbares).

    Herzliche Geüße

    Tom

    Antworten
  2. Hallo Wolfram,

    toller Artikel! Es sind auch einige Fakten dabei, die ich nicht kannte. Zum Beispiel Sonneneinstrahlung. Meine Werkbank steht am Fenster und die Sonne scheint drauf und ich trockne da meine kleine Projekte :-/ Da muss ich umdenken…

    Viele Grüße
    Lena

    Antworten
  3. Hallo Wolfram,

    ich habe letztens meine Tischplatte mit Bienenwachs eingefettet. Bin davon sehr begeistert. Hast du das schon mal ausprobiert?

    Deine Hartöl Idee ist auch interessant und die Anleitung ist echt Klasse. Danke dafür!

    Grüße vom Zimmerer: Samuel

    Antworten
  4. Kleine Laienfrage: Ich habe mir vor zwei Jahren einen massiven Bucheschreibtisch angeschafft, dieser kam bereits geölt zu mir. Langsam aber sicher ist es Zeit diesen nachzuölen und da kommt mir dein Artikel natürlich gerade recht. Nun meine Frage. Reicht es aus die Oberseite zu ölen? Nach deiner Beschreibung sollten die vertikalen Flächen, also Tischkanten und Beine nicht geölt werden. Wie siehts mit der Tischunterseite aus? Habe mal davon gehört, dass sich die Platte evtl. verzieht, wenn man sie nur von einer Seite ölt.

    Antworten
    • Hallo Tobias, wenn der Tisch schon geölt war, brauchst Du Dir um die Unterseite keine Gedanken machen. Die war dann sicher auch schon passend behandelt. Die Frage ist eher, mit welchem Öl Du den Tisch nachölst. Hartöl oder doch Leinölfirnis? Hartöl schafft eine harte Schicht dank der Wachse die im Öl gelöst sind. Wenn Du da einmal mit Hartöl angefangen hast, musst Du auch in Zukunft dabei bleiben.
      Die Tischkanten und Beine kannst Du auch nachölen wenn nötig. Du solltest dann nur den Tisch auf die Seite legen, sodaß diese Flächen in der horizontalen sind, wenn das Hartöl aufgetragen wird. Bei Leinölfirnis ist das Problem mit den senkrechten Flächen nicht gegeben, weil das deutlich dünner aufgetragen wird.

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      • Ok danke für deine Antwort. Mein Bruder hat noch ein wenig Osmo Hartwachs-Öl übrig, damit würde ich es mal probieren.

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  5. Christian Becker

    18/09/2017 @ 09:20

    Danke. Wieder mal ein sehr hilfreicher Artikel, der mir als Anfänger hilft. Gerade vor dem ‚hart’ölen von Oberflächen bin ich bisher zurückgeschreckt, aber mit dieser Anleitung sollte es gehen. Danke !

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