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Bau einer Tiroler Truhe – Teil 3

Endlich geht es mit dem Projekt der Tiroler Truhe weiter. Nachdem alle Bauteile vorbereitet sind folgt jetzt der Zusammenbau.

Tirolertruhe - 2

Dabei wird kein Leim verwendet. Stattdessen werden die Verbindungen der Truhe genagelt.

Bevor aber zum Hammger gegriffen werden kann, werden alle Teile auf Passgenauigkeit überprüft. Dazu wird die Truhe auf der Seite liegend zusammengesteckt.

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An der Seite zeigte sich dann, dass der Boden noch immer ein wenig zu lang ist. Die Seitenteile sind daher mit Vorder- und Rückseite nicht bündig.

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Wegen der großen Abmessungen des Bodens war mir das Abhobeln von 1,5mm Hirnholz zu zeitaufwändig und mit dem Fuchsschwanz schaffe ich es nicht, so wenig Material in einem geraden Schnitt abzutrennen. Daher habe ich ganz pragmatisch zur Kreissäge gegriffen und den Boden mit der Führungsschiene gekürzt.

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Der Korpus der Truhe ist im Winkel und so konnte mit dem Zusammennageln begonnen werden. Dazu werden alle Teile zusammensteckt und mit Zwingen gesichert damit beim Nageln nichts verrutschen kann.

TruheTirol - 4

Als Nägel zum Verbinden der Seitenteile mit Vorder- und Rückseite kommen Drahtstifte der Größe 25*60 zum Einsatz. Ich habe zwar mit Holznägeln experimentiert, aber an diese Art von belasteten Verbindungen habe ich mich mit Holznägeln noch nicht herangetraut. Ja, ich weiß, die echten Tiroler Truhen sind auch mit Holznägeln genagelt und haben Jahrhunderte überdauert… Aber ich wollte hier auf Nummer sicher gehen.

Zuerst habe ich 2mm Löcher vorgebohrt um einem möglichen splittern vorzubeugen. Es wurden dann die Nägel paarweise schräg eingeschlagen. So sichern sich die Nägel gegenseitig wenn die genagelte Verbindung belastet wird.

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Insgesamt werden 24 Nägel verwendet – jeweils 6 Stück pro Ecke der Truhe. Beim Nageln der Rückseite habe ich später auf das Vorbohren verzichtet – keine Probleme! Es geht bei dieser Holzstärke also auch ohne.

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Nach dem Aufnageln der Vorderseite wurde die Truhe gedreht um die Rückseite annageln zu können. Dabei zeigte sich dass der Boden auf einer Seite doch noch ein wenig zu breit war.
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Mit dem Einhand-Hobel wurde die Kante bündig gehobelt. Anschließend konnte auch die Rückseite aufgenagelt werden. Das Ergebnis ist dann ein sehr stabiler Korpus. Dank des 22mm starken Holzes kann ich mich in die Truhe stellen ohne dass es knarzt oder knackt…

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Damit ist die Grundform der Truhe fertig. Im englischen Sprachraum werden solche Konstruktionen als Six-Board-Chest bezeichnet. Wer danach sucht, wird eine Menge Artikel dazu finden.

Eine Tiroler-Truhe hat aber eine schöne Verblendung auf der Vorderseite. Als Material verwende ich hier einige Reste von 18mm Leimholz die von verschieden Projekten aus der Vergangenheit übrig geblieben sind.

Tirolertruhe - 2

Die Bretter werden mit dem Fuchsschwanz zugesägt und anschließend werfen die Sägekanten mit dem Hobel geglättet. Alle Holzteile habe ich erst mal mit Klammern provisorisch an der Truhe befestigt um einen ersten Eindruck von den Proportionen zu bekommen. Dann markierte ich die maximale Höhe der Aussparung und auch die Mindestbreite der seitlichen Füße.

Die Bodenplatte bekommt eine schöne Aussparung mit einem einfachen Bogenmuster. Mit dem Zirkel wird das Muster angezeichnet. Wenn der Mittelpunkt des Radius außerhalb des Brettes liegt kann man sich mit einem Reststück behelfen. Es wird an der Mittellinie angelegt, der Stichpunkt für den Zirkel wird mittig angezeichnet.

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So kann das Brett nach dem ersten Radius um die Mittellinie herum verschoben werden. Der zweite Radius hat dann den gleichen relativen Abstand zur Mitte und als Ergebnis hat man eine symetrische Figur.
Die Kontur wurde dann wieder mit der Dekupiersäge ausgesägt, was bei 18mm Holzstärke sehr schnell und einfach war.

Natürlich soll die Frontblende profilierte Kanten bekommen. Gerne hätte ich dies mit einem entsprechenden Profilhobel angehobelt, aber sowas habe ich nicht. Also bleibt nur die Oberfräse mit entsprechendem Profilfräser.

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Allerdings ist der Fräser mit Anlaufring zu hoch und kann nicht an den aufgesetzten Leisten geführt werden. Daher musste ich mir eine andere Lösung überlegen.

Der Gedanke kam mir dann beim morgendlichen Duschen: Ich verleime die Leisten zu einem Rahmen und den kann ich dann mit der Oberfräse profilieren. Gedacht – getan!

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Die Holzteile sind einfach stumpf verleimt. Das ist nicht sonderlich stabil, reicht aber um an die inneren Kanten ein Profil anzufräsen.

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Mit der kleinen Makita-Fräse und der großen Bodenplatte ist das aber in wenigen Minuten erledigt.

Der fertigte Rahmen wird zum Schluß einfach auf die Vorderseite der Truhe aufgenagelt. So gibt es keine Probleme mit den senkrecht verlaufenden Maserung. Hier war jetzt die Möglichkeit gegeben mit Holznägeln zu arbeiten.

Ich habe mir aus meinem Vorrat Holznägel mit einer Kantenlänge von 7mm herausgesucht und angespitzt. Anschließend wurden Löcher mit 7mm Durchmesser gebohrt.

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Die Nägel wurden mit Weißleim bestrichen und sogleich mit einem Schonhammer in die Löcher geschlagen.

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Dabei darf man sich nicht scheuen mit dem Hammer etwas fester zuzuschlagen. Man hört dann am Klang wenn der Nagel das Ende Bohrung erreicht hat. Der Ton des Schlages wechselt von einem dumpfen „Tock“ in ein helles „Tack“. Wird hier weitergeklopft, bricht der Holznagel ab.

Und hier das fertige Bild des aufgenagelten Rahmens. Ich habe auch darauf geachtet dass die Holznägel einen rechteckigen Querschnitt haben und mit der längeren Seite in Richtung der Holzfasern eingeschlagen werden. Es gab keinerlei gesplitterte Verbindung.

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Da sich das obere Brett des Rahmen ein wenig verzogen hatte und eine Lücke klaffte, habe ich hier dann doch ein wenig Weißleim angegeben. Das ist an dieser Stelle aber unkritisch, weil hier die Maserung von Front und Korpus parallel verläuft, das Holz also in gleichem Maße arbeitet.

Nach dem Trocknen des Weißleims konnten die überstehenden Holznägel bündig abgesägt werden. Letzte Unebenheiten wurden mit einem scharfen, 25mm breiten Beitel verputzt.

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Damit ist der Korpus der Tiroler Truhe fertiggestellt. Als nächstes werde ich mich um den Truhendeckel kümmern.

 

4 Kommentare

  1. Pingback: Blogrundschau 43/2015 - Heimwerker-Blog

  2. Hallo!
    Die Truhe sieht bis jetzt richtig gut aus. Tolle Arbeit! Ich bin schon mal auf den Truhendeckel gespannt. Bekommt sie denn vielleicht noch einen hübschen Anstrich? Liebe Grüße, Kathreen von „Mach mal“

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  3. Hallo Wolfram,
    Interessante Einblicke – danke! Auch wenn die Truhe stilistisch nicht mein Fall wäre, habe ich doch wieder eine Menge von Deiner Vorgehensweise gelernt!
    Beste Grüße,
    Andreas

    Antworten
    • Hallo Andreas, man kann die „Stil“ der Truhe ja verändern. Einfach mal nach Truhe aus Holz eine Bildersuche bei Google starten – da gibt es dann jede Menge anregungen.

      Antworten

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