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Kleiner Beistelltisch mit Schublade – Teil 4

Nachdem das Gestell des kleinen Beistelltisches verleimt ist, geht es jetzt weiter mit dem Einbau der Schublade.

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Wie ich aus zahlreichen Diskussionen mit anderen Holzwerkern gelernt habe, ist das Thema „Schubladenführungen“ immer wieder von großem Interesse. Daher werde ich versuchen meine Vorgehensweise möglichst genau zu beschreiben.

Bei den Schubladenführungen für diesen Beistelltisch habe ich mich für den Hettich Vollauszug Quadro V6 mit „Push to open“-Funktion und 30kg Belastbarkeit entschieden.

Diese Wahl habe ich aus zwei Gründen getroffen: Erstens sind die Hettich Beschläge im Fachhandel gut erhältlich und zweitens sind die für den Einbau nötigen Maße sehr gut beschrieben. Wer keinen gedruckten Hettich-Katalog hat, der kann einfach Online im Hettich-Blätterkatalog nachsehen.

Da mein Tisch im Inneren des Gestells eine Tiefe von rund 36cm hat, habe ich mich für Vollauszüge für eine Schubkastenlänge von 30cm entschieden.

Hinweis: Die nachfolgende Beschreibung gilt für die Hettich Quadro V6 Beschläge mit Push-to-Open Best.Nr. 9135985 und eine Befestigung des Schubkastens mit den Kunststoffhalterungen Best.Nr. 9144597

Montage der Schubkastenführung

Bei einer Schubladenführung mit Push-to-Open Funktion sollte die Schubladenblende innen im Korpus liegen. Denn nur so kann ein Rückweg von 5mm realisiert werden, der für das Auslösen der Öffnungsfeder nötig ist. Bei einer Schubladenfront die auf dem Korpus aufliegt, wäre ansonsten ein 5mm Spalt an allen Seiten rundherum sichtbar.

Bei meinem Beistelltisch soll aber im Ruhezustand die Schubladenfront bündig mit der Zarge abschließen. Daher muß die Schubladenführung entsprechend der Dicke der Schubladenfront nach hinten verschoben angeschraubt werden.

Dazu werfen wir einen Blick ins Datenblatt der Schubkastenführung:

QuadroPlanmass2G

(c) Hettich Hauptkatalog

Hier wird gezeigt, dass bei einer bündigen Schubladenfront das Loch für die dritte Bohrung der Führung um 37mm nach hinten versetzt werden muß. Da ich aber eine Push-to-Open Mechanik habe, muß noch der 5mm Weg für das Auslösen der Push-to-Open Funktion mit berücksichtigt werden. Wer also im Ruhezustand eine bündige Schublade haben möchte, muß die 19mm Dicke der Schubladenfront, die 5mm Weg und 37mm die Montage der Führung addieren. Hier also 19mm+5mm+37mm=61mm.

Die Bohrung für das dritte Loch der Führungsschiene muß jetzt also 61mm von der vorderen Kante der Zarge aus nach hinten gebohrt werden. Die Bohrung hat 5mm Durchmesser und ist 12mm tief.

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Beim Anschrauben der beiden Führungen ist darauf zu achten, dass diese auf beiden Seiten gleich hoch sind, damit der Schubkasten später waagerecht läuft und nicht verkantet.

Hier die abschließende Passprobe der Schubkastenverriegelung. Hat man alles richtig gemacht, ist die Vorderkante der Schubkastenverriegelung bei eingeschobener Führung mit der Kante der Zarge bündig.

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Bau des Schubkastens

Weiter geht es mit dem Bau der Schublade. Als Material kommt hier wieder Buchenleimholz zum Einsatz das ich von 19mm auf 15mm ausgedünnt hat. Zuerst wollte ich das Leimholz mit meinem Juuma No5. herunterhobeln, aber wegen der unterschiedlichen Faserverläufe war das nicht wirklich möglich. Daher habe ich die Bretter mit der Kreissäge aufgetrennt und anschließend mit dem Bandschleifer geglättet.

QuadroPlanmass1G

(c) Hettich

Diese Reduktion der Holzdicke ist nötig, weil der seitliche Spielraum der Führung nicht mehr zulässt. Im Datenblatt wird eine Stärke der Schubkastenführung von weniger als 16mm angegeben.
Die Breite der Schublade ergibt sich dann aus dem gemessenen Maß zwischen den beiden Außenkanten der Auflagen des Auszugs. Dazu werden beide montierten Führungen ausgezogen und die Breite gemessen. Um Toleranzen auszugleichen geben ich hier noch 1-2mm Spiel zu. In meinem Fall ergibt sich da eine Breite von 38,2cm. Dies ist das Außenmaß des Schubkastens.

BTisch - 16Die Seitenteile selbst sind wegen der verwendeten Führungen 30cm lang, die Querteile sind das Außenmaß abzüglich doppelter Materialstärke, hier also 381-15-15=351mm lang. Die Höhe des Schubkastens orientiert sich am Abstand der Oberkante der Führung zur Unterseite der Tischplatte.

Dabei sind die Seitenteile 85mm hoch, die Querteile aber um 12mm gekürzt. Die Seitenteile werden mit der Oberfräse 4mm breit genutet, sodaß die Oberkante der Nut mit den Querteilen bündig ist. Die Brettchen für den Schubkasten sind einfach stumpf verleimt und anschließend wird der Boden aus 3mm Pappelsperrholz ist die Nut eingeschoben.

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Damit die Schubkastenfront die Belastung beim Öffnen auf Dauer nicht nur mit der Verleimung aufnehmen muß, habe ich 6mm Holzdübel eingesetzt. So sind die Seitenteile kraftschlüssig mit der Front verbunden.

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Anschließend werden die beiden 6mm Löcher für den hinteren Haken der Schubladenführungen gebohrt. Die Position ist wieder der linken Darstellung auf dem Datenblatt zu entnehmen. Abstand von der Innenkante der Seiten 7mm und Höhe über der Unterkant des Bodens 11mm.

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Die Kunststoffteile zur Schubkastenverriegelung werden bündig mit der Vorderseite ausgerichtet und mit 2,5*12 SPAX Schrauben verschraubt.
Jetzt kann der Schubkasten auf die Führungen gesetzt und vorne durch heranziehen der Seiten verriegelt werden.

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Der Schubkasten wird auf Leichtgängigkeit geprüft. Sollte es hier Probleme geben, dann ist meist der Schubkasten irgendwo verkantet montiert, die Führungen sind nicht parallel zu einander montiert oder die Löcher für die hintere Befestigung sind nicht korrekt positioniert.

Hier ein Blick auf die hintere Befestigung mit dem Haken:

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Letzter Schritt ist die Montage der Frontblende. Dazu wird diese ausgerichtet und mit doppelseitigem Klebeband provisorisch montiert.

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Wie man unschwer erkennen kann, war die Front unten zwar bündig, aber oben etwas zu weit nach hinten geneigt. Das kann man beheben, indem man die hintere Verschraubung der Schubladenführungen löst und diese ein wenig nach oben verschiebt. Da dies mit den verwendeten 5mm Euroschrauben nicht geht, habe ich diese durch 3*15 Flachkopfschrauben ersetzt.

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Zuerst eine Schraube in die 5mm Bohrung drehen, dann Schubladenfront ausrichten und wenn alles passt noch eine weitere Schraube durch die kleine 3,5mm Bohrung. So kann sich die Führung später auch unter Last nicht mehr verschieben.

Im fünften und letzten Teil der Projektbeschreibung folgen die Oberflächenbehandlung und Endmontage.

4 Kommentare

  1. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 29/2015 - Heimwerker-Blog

  2. Super, mit welcher Präzision Du den Beistelltisch baust und hier beschreibst, Wolfram! 🙂 Wir sind schon gespannt auf den fünften Teil und das Endergebnis!

    Herzliche Grüße und viel Spaß beim Weiterbauen,
    Dein SPAX-Team

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  3. Hallo Wolfram
    die Hettich Auszüge sind schon gut und ich habe auch genau diese mal verbaut. Der Nachteil ist der doch nicht einfache Einbau und der hohe Preis. Danach habe ich die Touch-to-open-Auszüge von Multislides probiert. Sollte für einen Schrank in der Werkstatt sein. Die Dinger haben voll überzeugt! Einfach, exakt und billig. Sonst nehme ich auch nur Hettich und Blum…
    Gruß
    Friedel

    Antworten

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