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Stanley Säge – jetzt mit klassischem Griff

Durch das Umfeilen auf Längsbezahnung wurde meine Stanley Universalsäge zu einer echten Qualitätssäge für Längsschnitte.

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Da passt so ein hässlicher, gelber Plastikgriff natürlich nicht mehr.

Ich habe daher beschlossen, der Stanley-Säge einen schönen und bequemen Holzgriff im klassischen Design zu geben.

Im ersten Schritt wurde der Plastikgriff entfernt. Das war allerdings nicht so einfach wie gedacht. Nach dem entfernen der drei Schrauben aus dem Griff lässt sich dieser immer noch nicht entfernen, er muß leider mit einem Beitel aufgehebelt werden. Die beiden Griffschalen sind miteinander verklebt!

Das Sägeblatt diente dann als 1:1 Vorlage um die Größe des neuen Griffes zu definieren.

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Die Grundlage für die Gestaltung waren die alten Handsägegriffe wie diese vielfach auf amerikanischen Webseiten als Bild zu finden sind.

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Die Form des Griffes habe ich dann frei nachempfunden. Kritischer Punkt war die Befestigung des Sägeblattes. Ich wollte hier die bestehenden Bohrungen übernehmen und möglichst keine neuen Löcher in das Sägeblatt bohren müssen. Es wurde eine Form auf Pappe gemalt und anschließend als Schablone für das Aussägen benutzt.

Das Material für den Sägegriff ist ein Reststück Ahorn das ich von Hand auf 25mm Stärke gehobelt habe. Die Umrisse des Griffes wurden mit der Pappschablone übertragen. Mit Forstnerbohrern werden die Rundungen der Griffform ausgebohrt.

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Die Konturen des Griffes werden mit der Stichsäge und einem schmalen Stichsägeblatt ausgesägt. Dabei muß sorgfältig gearbeitet werden, damit das Sägeblatt nicht verkantet und die Schnittflächen senkrecht stehen.

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Der nächste Schritt ist das Einsägen des Schlitzes für die Aufnahme des Sägeblattes. Dies ist ein relativ kritischer Arbeitsschritt, denn es müssen einige Punkte beachtet werden:

  • Die Breite des Schlitzes muß der Stärke des Sägeblattes entsprechen, im Zweifelsfalle eher enger
  • Der Schlitz selbst muß in der Mitte des Griffes liegen und im rechten Winkel zur Griffachse liegen

Als Säge mußte ich daher auf meine alte Japan-Säge aus dem Baumarkt zurückgreifen, da diese einen passend schmalen Schnitt hat und gleichzeitig groß genug ist, um den Schlitz tief genug einsägen zu können.
Bei dieser Arbeit sollte man sich ein wenig Zeit lassen und möglichst sorgfältig arbeiten.

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Weiter geht es mit den Bohren der Befestigungslöcher. Um die Position der Bohrungen festzulegen wird das Blatt mit Klammern auf dem Griffrohling fixiert und anschließend die Bohrlöcher markiert.

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Das Bohren der Löcher erfolgt dann mit meiner FEIN-Bohrmaschine im Wabeco Bohrständer. Für die Befestigung des Sägeblattes kommen die Sägeblattschrauben von FeineWerkzeuge zum Einsatz. Diese Schrauben sind eigentlich Ersatzteile für die PAX-Sägen, passen aber ganz perfekt zu den 1/4 Zoll Bohrungen im Stanley Sägeblatt. Damit diese mit dem Gegenstück optimal verschraubt werden können, müssen die Köpfe versenkt werden. Es wird daher zuerst mit einem 13mm Forstnerbohrer jedes Loch ca. 3mm tief vorgebohrt.
Dabei mußte ich dann doch eine der drei Bohrungen um etwa 15mm nach Innen versetzen, weil sonst der Kopf der Verschraubung direkt am vorderen Rand des Griffes gelegen hätte. Anschließend wurde mit einem 5mm Metall-Bohrer die Durchgangsbohrung ausgeführt, wobei nun bei der versetzten Bohrung durch das Sägeblatt gebohrt werden mußte. Der erste Versuch war mit einem einfachen billigen, rollgewalzten Bohrer aus dem Baumarkt. Dieser scheiterte aber am Sägeblatt und ich habe den zweiten Versuch mit einem nitrierten, geschliffenen Bohrer gemacht. Damit klappte es dann.

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Weiter geht es mit dem Abrunden der Konturen des Griffes. Mit einer Raspel werden alle groben Unebenheiten beseitigt und alle Außenflächen begradigt. Das ist die Voraussetzung um anschließend einen symmetrischen Griff formen zu können.

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Je nach Handposition bekommt der Griff unterschiedlich stark verrundete Ecken. Dazu habe ich die Konturen der Abrundungen angezeichnet – die großen Rundungen ca. 12mm breit, die kleinen Abrundungen mit ca. 3-4mm Abstand zum Rand.

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Die grobe Vorarbeit erfolgt mit einem Schnitzmesser. Damit kann entsprechend der Faserrichtung des Holzes gearbeitet werden. Alle Abrundungen werden soweit als möglich herausgearbeitet um das nachfolgende Schleifen zu minimieren.

Stanleysaw28Das Schleifen des Griffes erfolgt mit verschieden breiten Streifen von Schleifleinen. (In meinem Fall habe ich einfach ein paar billige Bandschleifbänder von ALDI zerschnitten). Bei den engen Radien werden schmale 5-6mm breite Streifen benutzt, den den großen Radien ca. 20mm breite Streifen. Es wird mit Körung 80 begonnen und dann mit 120, 240 und zum Schluß 320er gearbeitet.
Insgesamt ist das eine recht zeitraubende Arbeit.

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Und hier nun das Ergebnis:

VORHER

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NACHER

StanleySawF1 StanleySawF2

 

Fazit:

Das Anfertigen des Sägengriffes hat doch relativ viel Zeit in Anspruch genommen. In Etappen habe ich drei Nachmittage daran gearbeitet.

Für meinen ersten Sägegriff bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn der Sägegriff ein paar kleine Schönheitsfehler hat. So sind die Rundungen nicht überall symetrisch und auch das Sägeblatt ist nicht 100% gerade eingepasst. Zudem hätte man die Kurven des Griffloches noch ein wenig schöner ausrunden können, aber der Griff liegt sehr gut in der Hand – kein Vergleich zum alten Plastikgriff. Bei passender Gelegenheit werde ich den Griff noch mit Leinölfirnis behandeln.

Das Ziel eine preiswerten, gut in der Hand liegenden und schnell sägenden Fuchsschwanz für Längsschnitte zu bekommen habe ich damit auf jeden Fall erreicht.

9 Kommentare

  1. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 6/2015 - Heimwerker-Blog

  2. Du bist ja ein echter Werkzeugliebhaber 😉
    Auch wenn du sagst, der Griff ist nicht ganz fehlerfrei, macht er optisch einiges her, kein Vergleich zu vorher. Von der Haptik ist Holz wesentlich angenehmer als Plastik. Sehr schön geworden!

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    • Ja der Plastikgriff war einfach eine Katastrophe an dieser ansonsten echt guten Säge – aber die beiden anderen Stanleysägen werde ich definitiv nicht ändern. Deren Griff sind OK. Sobald es warm genug ist, geht es mit dem Möbelbau weiter.

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  3. He – klar gute Arbeit. Sorgfältig kann man nicht meckern.
    Aber ich sage – wer sonst nicht zu tun hat und dazu noch Langeweile der kann sowas machen.

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  4. Hallo,
    vielen Dank für deinen Post.
    Ich habe eine JetCut und überlege schon eine Weile und immer wieder ob ich der einen Holzgriff „verpasse“.
    Aber deine Bauidee mit der 1-20-010 ist viel besser und auf jeden Fall den Versuch wert. Obwohl ich eigentlich noch nach einer kürzeren Variante suche.
    Bin jetzt mal zum Werkzeughändler meines Vertrauens. 🙂

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    • Hallo Stefan, das Blatt der 0-20-010 kann man problemlos kürzen. Weil da nichts gehärtet ist, gibt es auch keine Gefahr dass es da zu Ausbrüchen kommt. Also einfach beim Flaschner des Vertrauens unter eine Schlagschere legen und zack…

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  5. I love it…. Werkzeuge aufarbeiten und umgestalten…dein Tagebuch fesselt mich nun schon seit Wochen…man einfach klasse!!!
    VLG Keule

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