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Stanley JetCut – eine japäische Säge

Was zum Teufel ist eine „japäische“ Säge? Das wird sich der geneigte Leser dieses Blogs wohl fragen wenn er diese Überschrift gelesen hat.

Stanley Jet Cut

Hier folgt die Antwort.

Ein guter Fuchsschwanz stand schon längere Zeit auf meinem Wunschzettel. Beim Studium der einschlägigen Foren in deutsch und englisch wurden hier durchweg Sägen empfohlen, die preislich im Bereich von 80 EUR je Säge und mehr liegen.
Als Alternative empfehlen einige Holzwerker den Kauf von „antiken“ Sägen bei diversen Online-Börsen, die man dann „aufarbeiten“ muß.

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Das war mir aber alles zu teuer, zu kompliziert und zu langwierig. Ich hatte dann zufällig mal wieder ein Gespräch mit dem Messebauer und der empfahl mir die STANLEY JET CUT -Sägen. Nach seiner Meinung die aktuell besten Sägen.

Ich war zunächst skeptisch – auch in Anbetracht des Preises. Hierzulande kostet so eine STANLEY-Säge gerade mal um die 20 EUR. Hergestellt werden diese Teile angeblich in Frankreich, wobei das unter Umständen nur bedeutet dass dort der Kunststoffgriff und das Sägeblatt zusammengeschraubt werden.

StanleyJC3Ich habe mir zwei Sägen gekauft – eine feine Säge mit 11TPI und eine grobe mit 7TPI. Der Grund dafür ist ganz einfach: Für Querschnitte im Holz ist ein feines Sägeblatt das richtige, wenn man jedoch Längs zur Faser im Holz sägt müssen die Zähne gröber sein.

StanleyJC7Einige erste Tests mit der 11TPI Säge haben mich wirklich begeistert: die geht wunderbar durchs Holz – egal ob Massivholz, Multiplex oder Spanplatte. Mit wenigen Zügen ist das Brett durchgesägt. Dabei muß die Säge einfach nur ohne Druck unter Ausnutzung der vollen Länge des Sägeblattes bewegt werden. Und die Schnittflächen sind schön glatt.

StanleyJC6Auch Schnitte längs zur Faser sind mit der 7TPI Säge kein Problem. Das grobe Blatt fördert die Sägespäne sehr gut und die Schnitt geht schnell voran. Hier habe ich ein Kantholz der Länge nach aufgesägt. Durch innere Spannungen im Holz verschloss sich der Sägespalt beim sägen – daher habe ich mit kleinen Keilen den Spalt offen gehalten.

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Die Zähne der Sägen sind induktionsgehärtet. Das hat den Vorteil dass die Säge sehr scharf ist und wohl auch lange bleibt. Es hat aber den Nachteil dass man, wenn es soweit ist, die Säge nicht nachschärfen kann. Bei einem Preis von 20 EUR pro Säge ist das aber zu verkraften.

Und jetzt die Antwort warum das eine „japäische“ Säge ist: Die „europäischen Sägen“ sägen auf Schub, die „Japanischen Sägen“ arbeiten auf Zug. Die STANLEY Sägen der Serie JetCut haben dreifach geschliffene Zähne. Damit sägt das Sägeblatt in beide Richtungen – sowohl auf Schub als auch auf Zug. Und diesen Zwitter nenne ich jetzt einfach mal eine japanisch-europäische Säge – abgekürzt als „japäische Säge „.


Mein Fazit: Wer für die ersten Schritte beim Holzwerken einen Fuchsschwanz sucht der wird mit der STANLEY JetCut fündig. Hier bekommt man gutes Handwerkzeug zu einem attraktiven Preis mit dem sich sehr gut arbeiten lässt. Wenn man beim Holzwerken dann mehr Erfahrung gesammelt hat und regelmäßig mit Handsägen arbeitet, kann man sich immer noch eine von den teuren Expertensägen kaufen

 

16 Kommentare

  1. Danke für die Einordnung. In den letzten 150 Jahren haben sich die Produktionsmethoden eben auch für Handwerkzeug weiter entwickelt. Dass die japanischen Zugsägen auf modernen Anlagen hergestellt werden und das Blatt nicht nachgeschärft werden kann, stört irgendwie niemand. Aber wehe man kann einen Fuchsschwanz nicht nachschärfen, dann gehen ‚die alten Werte‘ verloren – obwohl die Feilen auch nicht mehr selbst geschlagen werden.
    Ich fange gerade erst an Holzwerkzeuge zu entdecken und traue mich nun auch eine solche Säge zu kaufen 😉

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  2. Hmm, wenn die Säge auf Schub und auf Zug sägt, dann wird sie etwas schneller sein. Perfekt für so ungeduldige wie mich 😉

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    • Ja, wenn man ohne Druck sägt geht die wirklich superschnell durchs Holz. Sobald man Druck ausübt, verkantet das Sägeblatt – das ist übrigens bei jeder Säge so – und dann muß man erst wieder einmal vor- und zurück bis man wieder im Takt ist um in beiden Richtungen einen Schnitt zu haben. Aber mit ein wenig Übung geht das sehr gut – ohne Lärm – geräuscharm eben.

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  3. Vielen Dank für die Vorstellung. Mal wieder ein sehr interessanter Bericht. Ich werde mir die grobe Säge bestellen, eigentlich war eine Gestellsäge mit japanischem Blatt geplant, weil ich eine Säge brauche, um Holzbretter aufzutrennen. Aber die würde mich ca. 90 € kosten und das gibt die Kasse nicht her. Da kam dein Bericht gerade recht.

    LG Fabian

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  4. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 41/2014 - Heimwerker-Blog

  5. Wow – Ich bin beeindruckt ob des langen Schnittes längs durch das Holz! Aber Du scheinst dafür ja wirklich Gefühl zu haben 🙂

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  6. Hallo. Auf der Suche nach einem günstigen Fuchsschwanz bin ich auch auf die Stanley Sägen aufmerksam geworden. Kannst du irgendwas zu den etwas teureren Fatmax gen2 Sägen sagen? Die gibt es auch mit 11 und 7 TPI.

    Gruß

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    • Die Fatmax gen2 Sägen haben einen Griff mit Metallkanten und das Sägeblatt ist mit Teflon(?) beschichtet. Die Geometrie des Sägeblattes und die Verzahnung sind aber nach meinem Augenschein gleich. Der Preis liegt so um die 35 EUR – ist also 12-15 EUR teurer. Ob die Beschichtung des Sägeblatts den Preisunterschied rechtfertigt kann ich nicht sagen.

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  7. Moin,
    Du bringst da einiges durcheinander:

    Die Zähne der Jet Cut haben die Trapezbezahnung wie alle japansäge für Crosscut /Absetzschnitte. Das hat mit auf Stoß oder auf Zug nichts zu tun. Entscheidend dafür ist die assymetrische Zahnform. Die steile Seite ist die Zahnbrust. Je nachdem ob der Griff hinter oder vor der Zahnbrust sitz, schneidet die Säge auf Zug oder auf Stoß.

    Für Längsschnitte oder Rip Cut sind anders geformt Zähne besser, die haben auch japanische Längsschnittsägen. Die Schneide läuft da im rechten Winkel zum Sägeblatt.

    Die Jet Cut sind für Absetzschnitte sehr gut. Für Längschnitte gibt es bessere Zahnformen.

    Liebe Grüße
    Pedder

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  8. Hallo Pedder,

    schön Dich als Leser meines Blogs hier zu sehen.
    Mir ist schon klar, dass die Zahnform für die Sägerichtung verantwortlich ist.
    Für die meisten Holzwerker sind japanische Sägen das Synonym für Zugsägen und europäische Sägen da synonym für Sägen auf Stoß. Daher dieser Titel.
    Ja, die JETCUT ist grundsätzlich eine Querschnitt-Säge, aber sie sägt in der 7TPI Variante auch im Längsschnitt recht zügig.
    Dass es für Längsschnitte spezielle Zahnformen gibt ist mir schon bekannt, aber das sind alles doch relativ teuere Sägen. Ich habe jedenfalls keinen preiswerten Fuchsschwanz mit Bezahnung für Längsschnitt gefunden.

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      • Die 40 GBP wären ja noch zu verkraften, aber die 25 GBP Versand!!!!! Das ist das Problem, sonst hätte ich da schon mal was bestellt. Lohnt aber nur als Sammelbestellung. Wenn also jemand mitmachen will, bitte melden.

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