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So kauft man den richtigen Akkuschrauber

Der Akkuschrauber kann zu Recht als die „Mutter“ aller Elektrowerkzeuge für den Heimwerker betrachtet werden. Der Akkuschrauber ist das wichtigste und meistgenutzte Werkzeug vieler Holz- und Heimwerker.

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Deshalb hier eine kleine Hilfestellung für die Wahl des passenden Modells. Akkuschrauber gibt es in einer nahezu unübersehbaren Vielfalt von Größen, Modellen und Herstellern in großer Auswahl zu kaufen en – unter anderem online bei OTTO die mit dem „altbekannten“ Hagebaumarkt kooperieren. Das macht die Kaufentscheidung nicht unbedingt einfacher.

Leistung des Akkuschraubers

Akkuschrauber werden in verschiedenen Leistungsklassen angeboten. Eine gute Orientierung bietet die Spannung des Akkus. Diese bestimmt erheblich die Leistungsfähigkeit des Gerätes.

Gebräuchliche Spannungen sind 10,8V, 12V 14,4V und 18V. Daneben gibt es noch kleine Schrauber mit 3,7 und 7,4 Volt. Gerade Damen finden diese Werkzeuge schick. Diese haben in der Regel aber eine sehr geringe Drehzahl und sind damit zum Bohren von Löchern nur als Notlösung zu sehen.

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Ein Akkuschrauber der auch zum Bohren eingesetzt wird, sollte mindestens 10,8V bei einer Zweigang-Maschine  und 12V bei einer Maschine ohne Drehzahlumschaltung haben.

Akkuschrauber mit 14,4V oder 18V sind relativ schwere Geräte und für das Holzwerken oftmals zu unhandlich, bieten aber natürlich erhebliche Leistungsreserven wenn es um viele Schrauben geht – z.B. beim Innenausbau eines Dachstuhls.

Akkutechnologie

Aktueller Stand der Technik sind LiIon-Akkus. Wenn irgend möglich sollten Sie einen Akkuschrauber mit diesem Akku-Typ kaufen. Der Vorteil dieser Akkus liegt in der niedrigen Selbstentladung – auch nach einigen Wochen im Regal kann mit dem Akkuschrauber sofort losgearbeitet werden. Außerdem sind LiIon Akkus erheblich kompakter als die alten Ni-Akkus.

Bei den einfachen Akkuschraubern finden Sie vielfach noch NiMH (Nickel-Metall-Hydrid) oder ganz bei den ganz billigen Modellen sogar noch NiCad (Nickel-Cadmium) Akkus. Die NiMH-Akkutypen haben dabei eine etwas geringere Selbstentladung als die NiCad-Akkus und haben keinen Memory-Effekt, aber beide sind vergleichsweise unhandlich und schwer.

Akkuschrauber5Von links nach rechts: LiIon mit 10,8V Makita, 12V LiIon Metabo, 12V NiCad Metabol

Tipps für die Akkupflege: NiMH Akkus immer voll geladen lagern, NiCad jedoch entladen lagern. LiIon Akkus sollte man nie ganz entleeren bis der Schrauber stehen bleibt, denn Tiefentladung nehmen diese Akkus übel und die Lebensdauer verkürzt sich spürbar. Sobald der LiIon-Akku schwächelt, am besten gleich ins Ladegerät. Und niemals im Auto in der prallen Sonne liegen lassen – ein so gegrillter Akku verliert dramatisch an Leistung. Mehr Infos zum Thema Akkupflege gibt es  hier.

Wird der spezielle Akku in dieser Bauform vom Hersteller des Akkuschraubers auch in anderen Maschinen (z.B. Stichsäge, Winkelschleifer, Taschenlampe, Baustellenradio usw.) verbaut, dann erhöht dies die Chance, auch in ein paar Jahren noch passende Ersatzakkus zu bekommen.

Für die Lebensdauer des Akkus ist auch die Qualität des Ladegerätes wichtig. Billige Akkuschrauber haben da nur ein einfaches Steckernetzteil ohne Strombegrenzung und Ladespannungsüberwachung. Lässt man hier den Akku einige Tage angesteckt und wiederholt das ein paar Mal, ist der Akku hin.

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Bei besseren Ladegeräte kann das dank einer eingebauten Ladesteuerung nicht passieren. Der Akku dankt es mit mehr Lebensdauer.

Bohrfutter

Das Bohrfutter ist neben dem Akku das zentrale Bauteil für die Brauchbarkeit des Akkuschraubers. Hier scheidet sich schnell die Spreu vom Weizen.

Erstes Kritierium: Läuft das Bohrfutter tatsächlich rund? Viele billige Akkuschrauber „eiern“ leider ganz fürchterlich. Das ist beim Eindrehen von Schrauben eventuell zu verkraften, aber beim Bohren gerade mit kleinen Bohrdurchmessern kann das zum Problem werden.

Zweites Kriterium: Welchen Spannbereich hat das Bohrfutter? Gerade kleine, handliche Akkuschrauber sollten ein Bohrfutter haben, das bis Null spannt. Soll heißen das Bohrfutter schließt sich ganz und man kann auch Bohrer mit sehr kleinen Durchmessern (1,5mm und weniger) sicher einspannen.

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Dieses Bohrfutter schließt nicht ganz, d.h. Bohrer mit Durchmessern kleiner 2mm können nicht sicher gespannt werden.

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Dieses Bohrfutter schließt praktisch auf Null – auch ein 1mm Bohrer kann sicher gespannt werden.

Die sinnvolle maximale Spannweite eines Bohrfutters hängt von der Stärke des Akkuschraubers ab – allerdings sind 10mm in jedem Fall als sinnvolles Minimum zu betrachten.

Wichtige Details

Weitere Punkte die man sich individuell nach den eigenen Bedürfnissen anschauen sollte:

  • Wie liegt der Akkuschrauber in der Hand? Keine scharfen Kanten dem Gehäuse?
  • Ist der Umschalter für die Drehrichtung bequem erreichbar ohne den Schrauber loslassen zu müssen?
  • Wie feinfühlig ist die Drehzahlregelung mit dem Einschaltknopf? Gerade beim Eindrehen kleiner Schrauben ist es wichtig,  die Drehzahl zum Ende hin langsam zu reduzieren.
  • Wie schnell stoppt das Gerät nach dem Loslassen des Einschalters? Billige Geräte drehen hier manchmal noch spürbar nach. Ein feinfühliges Arbeiten – z.B. bei der Möbelmontage – ist damit nur schwer möglich.

Wie viele Rastungen hat die Drehmomentbegrenzung? Billige Schrauber haben da nur 5 oder 6 Stufen, hochwertige Modelle haben bis zu 20 Stufen und mehr.

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Warum das wichtig ist merkt man spätestens dann, wenn man ein paar hundert Schrauben in weiches Holz drehen muß und dann entweder die Schrauben zu tief eindreht oder diese noch überstehen, weil man kein passendes Drehmoment einstellen kann.

25 Kommentare

  1. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 35/2014 | Heimwerker-Blog

  2. Pingback: Der allerbeste Akkuschrauber auf der ganzen Welt

  3. Hey, das sind tolle Tips. Es ist mir fast peinlich das zu gestehen aber ich arbeite im Baumarkt und habe trotzdem noch was neues gelernt, was mit beim verkaufen hilft!
    Danke dafür!

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    • Das finde ich, ehrlich gesagt, gar nicht schlimm. Im Gegenteil – Jemand, der selber sieht, dass er nicht alles weiß, ist mir tausendmal lieber jemand, der sich nichts sagen lässt. Bei mir in der Softwareentwicklung ist es genau dasselbe..

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  4. Wow! Ich mag deine Art zu Schreiben und zu Fotografieren! Welchen Akkuschrauber würdest du denn empfehlen? Ich persönlich habe mich ja in die Bosch Professional Serie verliebt und kaufe, falls ich mal wieder ein Werkzeug brauche, nichts anderes mehr. 🙂

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    • Wie Marc schon anmerkte, ist die Auswahl des Akkuschraubers sehr vom jeweiligen Anwendungszweck abhängig. Mit diesem Artikel wollte ich erst mal die Qualitätskriterien für Akkuschrauber beschreiben. Zum Thema Anwendung folgt noch ein Artikel.

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  5. Pingback: 【ツ】DIY Rundblick #3 KW 34/2014 | Vogelhaus | Medizin |

  6. was hier m.e. gar nicht zur sprache gekommen ist (oder ich hab es überlesen) ist die leistung des akkus – mAh. oft ist ein zweite rakku im lieferumfang der ist auch nötig denn die leistung eines akkus beträgt nur etwas über 1000 mAh meistens so um die 1200 -1500. meiner meinung sollte es mind. 2000 mAh sein wenn nicht sogar deutlich mehr. das drückt sich natürlich auch im preis aus

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    • Das Thema „Akkukapzität“ ist IMHO wieder so eine sehr stark anwendungsabhängigse Sache. Das werde ich im zweiten Artikel zu diesem Thema behandeln. Aber Danke für den Hinweis.

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  7. Eine tolle Beratung, vielen Dank. Kannst du vielleicht noch einen Artikel für Akkubohrer machen, um Unterschiede zu Akkuschraubern herauszustellen? Die Kriterien für den Profi-Anwender sozusagen. Dann kommen ja auch solche Modelle wie von DeWALT in Frage und man kann sich Akkuschrauber und sogar den Bohrhammer sparen.
    Lg Joji

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  8. Natürlich spielt die Leistung eine große Rolle bei Akkuschraubern. Doch am letzten Wochenende habe ich wieder die Erfahrung machen müssen, dass auch das Gewicht eine wesentliche Rolle spielt. Habe Deckenpaneele ab- und wieder angebaut. Hunderte kleine Schrauben… Da weiss man hinterher wieviel ein Akkuschrauber wiegen kann und die Arme sind lahm. Ich habe auch deshalb immer mindestens 2 Akkuschrauber. Ich muss keine kleinen Schrauben mit nem 18er von Festool unter der Decke einschrauben, doch leider sind kurz vorher der Bosch grün und auch der Makita 14,4 im wahrsten Sinne des Wortes „abgeraucht“.
    Den Akkuschrauber benötige ich täglich. Dabei ist es wichtig ein „ausgewogenes“ Gerät zu bedienen mit wenig Auslage und Durchhaltevermögen. Der Kopf muss schnell gewechslt werden können und es soll auch die Spitze beleuchten. Dann auch die genannten Feinheiten wie Drehmoment-Einstellung, Bohrgang und feines Anlaufen…da bleiben dann nicht viele übrig…

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  9. Hallo,

    ich habe fast die komplette Reihe der Makita 10,8V Akkuserie. Ich bin sehr zufrieden mit den Geräten der Akku hält lange und wenn er mal leer ist, ist er wieder schnell voll. Deshalb kann ich ihn Empfehlen.

    Lg Matthias

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  10. Hallo und liebe Grüße aus den wunderschönen Norden.
    Ich habe mir den Beitrag durchgelesen und finde ihn sehr interessant.
    Wie gesagt super Beitrag weiter so.
    Gruß

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  11. Hallo, sehr gute Informationen zu der Technik von Akkuschraubern.
    Habe einen Makita Akkuschrauber mit Wechselakku den ich auch in meinem Makita Rasentrimmer einsetze und sehr gute Leistungsergebnisse bekomme.
    LG
    Raimund

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  12. Tolle Bilder und Erklärungen! Ich persönlich würde mir nur noch Litium Ionen Akkus kaufen. Kann es sein dass das noch ein ziemlich alter Bosch IXO ist da bei dir?:)
    Wichtig ist auch noch: Ist der Akku auswechselbar? Dann kann man sich noch ein oder zwei Ersatzakkus als Reserve vorbereiten…

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    • Ja, der BOSCH IXO hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Das ist unser „Küchenschrauber“. Der heißt so weil er auf dem Regal in der Küche liegt und immer wenn was bei den Hausgeräten oder bei Spielzeug wackelt, kommt er zum Einsatz. Dafür ist der IXO perfekt.

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  13. Guter Artikel. Und generell sehr interessanter Blog.
    Ich würde gern ergänzen das man recht günstig kleine Bohrfutter mit Sechskantschaft zum einspannen in das original Bohrfutter gibt. Für den gelegentlichen Einsatz dünner Bohrer ist das eine Alternative.
    Und dann gibt es noch einen Nachteil von Lit-ion Akkus.
    Wenn sie einmal kaputt sind wird es teuer. Die Akkus gibt es dann meist nur zum Hersteller UVP. So das zwei Ersatzakkus nur minimal weniger kosten als ein neuer Schrauber mit zwei Akkus und Ladegerät im Set. Gibt es keine Ersatzakkus mehr ist man aufgeschmissen.
    Bei Nimh Akkus lassen sich die Zellen austauschen. Die Zellen sind recht günstig. So das man für kleines Geld meist auch noch die Kapazität seines alten Akkus steigern kann. Es gibt auch Firmen die das anbieten.

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  14. Kann man den Li-Ion Akkus tiefenentladen, wenn der Boher schwächelt? In den Akkus ist doch eine Elektronik eingebaut, die dafür sorgt das die Akkus nicht tiefenentladen werden. Oder habe ich das was falsch verstanden?

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    • Hallo Michael,
      ja, vor einer „harten“ Tiefentladung sind die LiIon-Akkus meistens geschützt, aber das Problem ist ein anderes: Je tiefer ein Akku entladen ist bevor er wieder aufgeladen wird, um so mehr der internen Elektrode wird chemisch belastet. Damit steigt der Innenwiderstand des Akkus mit jedem Ladevorgang schneller als nötig und damit sinkt auch die Lebensdauer. Das gilt vor allem, wenn die Geräte nur relativ selten benutzt werden und die Akkus lange mit relativ hoher Ladung herumliegen wie dies in der Hobbywerkstatt der Fall ist. Voll geladen gelagerte LiIon-Akkus altern schneller.

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  15. Ein sehr interessanter Blog. Ich habe auch eine Akku-Schlagbohrmaschine von Makita mit einer Ladestation und zwei Akkus (18v). Es ist einfach ein feine Sache, ohne Kabel arbeiten zu müssen. Natürlich bei größeren Arbeiten kommt dann schon ein Bohrhammer in Einsatz, aber den hat dann der Fachmann.

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