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Schrankbau im System32 – Teil 7 Fragen und Antworten

Zu meinen bisherigen Artikeln der Schrankbau-Serie im System32 haben mich viele Fragen erreicht, die ich in diesem hier beantworte.

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Frage: Es gibt ja so viele Topfscharniere. Ich blick da nicht durch. Welche Topfscharniere genau hast Du verwendet?

Antwort: Ich verwende die Scharniere der HETTICH Intermat Serie in der Ausführung mit den Töpfen zum festschrauben. Wann immer möglich verbaue nur diese Version.

Es ist das Intermat 9943 T42 mit der Bestell-Nr. 0048049 (Außenliegende Türen) und mit der Bestell-Nr. 0048051 (Innenliegende Türen)

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Der Grund für diese Standardisierung ist ganz einfach: Ich kaufe diese Scharniere beim Großhandel im 50er Paket. Das ist viel billiger als der Einzelkauf im Baumarkt. Und sollte einmal ein Scharnier defekt werden, kann ich es problemlos austauschen weil ich immer Ersatz parat habe.

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Zur Befestigung der Topfscharniere benutze ich die HETTICH Kreuzplatten Modell 9000 D0 mit der Bestell-Nr. 79374. Diese sind mit vormontierten Schrauben ausgestattet, die dann direkt in die 5mm Reihenbohrungen eingeschraubt werden können.

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Frage: Die Massivholzleisten für die Umleimer an den Kanten sind ja sehr teuer. Wie hast Du es geschafft die 36 Umleimer aus einem Kantholz zu zusägen?

Antwort: Ja, bei so einem Schrank kommen da schnell etliche Meter zusammen. Ich säge die Umleimer daher auf meiner Tischkreissäge CS70 und einem Pantherblatt. Ausgangsmaterial sind 2,5m lange Kanthölzer mit den Abmessungen 80*60mm oder 100*60mm. Die 60mm deshalb weil ich maximal 70mm tief sägen kann. Zuerst trenne ich diese in 80*22mm breite Latten auf, diese trenne ich dann in 8*22mm große Leisten auf.

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Um diese langen Hölzer besser handhaben zu können arbeite ich beim zusagen mit einem Helfer und einer Andruckfeder, damit die dünnen Leisten mit immer gleichem Druck am Sägeblatt entlang geführt werden.

Statt der Kanthölzer kann man auch ein 24mm starke Bohle auftrennen. Allerdings sind die Kanthölzer zumindest bei meinem Holzhändler billiger als die Bohlen. Um Geld zu sparen kann man problemlos sägerauhe Ware benutzen. Die Sägekanten werden ja schön glatt und der rauhe Überstand wird später bündig glattgehobelt.

Frage: Wie genau hast Du den Sockel gebaut? Muß der zwingend doppelt ausgeführt werden?

Antwort: Der Sockel meiner Schränke ist aus zwei Gründen doppelt ausgeführt: Erstens weil ich diesen so auch aus kurzen Reststücken aufbauen kann, zweitens weil es so mehr Auflagefläche für die senkrecht stehenden Seitenteile des Schrankes entsteht.

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Dieses Bild zeigt den schematischen Aufbau des Sockels und wie die Seitenteile mittig auf den Querriegeln des Sockels platziert werden.

Sockel3

Der Sockel ist dabei immer 10cm hoch. Das hat sich bewährt, weil ich dann mit dem Staubsauger problemlos am Schrank entlang fahren kann, ohne die Türen zu berühren.

Frage: Meine Topfscharniere sind nach dem Festschrauben an den Türen immer irgendwie krumm. Was mache ich falsch?

Antwort: Beim Festschrauben der Topfscharniere empfehle ich die Löcher für die Schrauben mit einer Ahle vorzustechen. Also zuerst das Schranier mit einem Winkel ausrichten, dann in der Mitte der Befestigungslöcher mit der Ahle vorstechen.

Schrank5_8Wird dann die Befestigungsschraube eingedreht so wird durch den Senkkopf der Topf exakt rechtwinklig ausgerichtet.

Frage: Nach der Endmontage der Schrankteile habe ich Spalten und Lücken zwischen den einzelnen Teile, die ich einfach nicht weg bekomme.

Antwort: Das Problem liegt mit fast 100%iger Sicherheit daran, dass die Schnittkanten der Holzteile nicht rechtwinklig sind. Das kann man mit einem kleinen Winkel prüfen. Ich benutze hierfür den kleinen Starret Winkel.
Die Ursache für diese Probleme liegen meistens in der verwendeten Kreissäge. Steht das Sägeblatt nicht genau senkrecht ist die Schnittkante nicht rechtwinklig zur Plattenoberfläche. Werden dann die Teile zusammengefügt, bleibt ein unschöner Spalt.
Das kann übrigens auch bei Zuschnitten aus dem Baumarkt der Fall sein, wenn dort die Zuschnittsäge schlecht gewartet ist. Daher empfehle ich das Nachmessen der Kanten direkt im Markt bevor man die Zuschnitte bezahlt.

Hier alle Artikel dieser Serie Schrankbau im Überblick:

Schrankbau im System32 – Teil 1 Planung des Korpus
Schrankbau im System32 – Teil 2 Zuschnitt der Holzplatten
Schrankbau im System32 – Teil 3 Anleimen der Massivholzkanten
Schrankbau im System32 – Teil 4 Die Verbindungsbeschläge
Schrankbau im System32 – Teil 5 Topfscharniere
Schrankbau im System32 – Teil 6 Der Aufbau
Schrankbau im System32 – Teil 7 Fragen und Antworten

14 Kommentare

  1. Hallo Wolfram,
    verstehe ich es richtig, dass der Schrankboden mit den Seitenteilen locker auf dem Sockel liegt, also ohne ihn zu verdübeln oder festzuschrauben?

    Gruß
    Hendrik

    Antworten
  2. Ja, das ist richtig. Das Gewicht des Schrankes ist so groß, dass ein verschrauben nicht nötig ist. Voraussetzung ist natürlich dass der Sockel absolut gerade ist und waagerecht liegt. Die Reibungskräfte reichen da völlig.

    Antworten
  3. Hallo Wolfram,
    welche Platten hast Du für die Rückwände genommen? Oder habe ich das überlesen?

    Grüße

    Mike

    Antworten
      • Hallo Wolfram,

        danke für die Antwort!
        Noch 2 Fragen: Wie tief und mit welchem Abstand von der Rückseite hast Du die Nuten gefräst?

        Vielen Dank vorab!

        Mike

        Antworten
        • Hallo Mike,
          die Nuten sind 4mm breit und ca. 8mm tief. Abstand vom Rand auch ca. 6-8mm. Der eine Millimeter zusätzlich in der Breite ist nötig damit man die 3mm Rückwände ohne zu viel Gefummel einschieben kann. Die Tiefe ist eher unkritisch, es muss nur die Breite passen da die Rückwände ja die Querkräfte aufnehmen.

          Antworten
  4. Ich bin jetzt kurz vorm Bohren der Löcher für die Exzenter und topfscharniere und frage mich, ob die 5 mm Schräubchen bei meinem 170 x 100x 60 cm Korpus aus Fichte genügend Zug aushalten werden. Die Exzenter kommen mir schon etwas mickrich vor. Werde 3 pro Korpus-Seite nehmen,.

    Antworten
    • Hallo Nikolaus,
      die 5mm Schrauben sind in der Regel ausreichend, man muss aber ein einschrauben darauf achten, dass man diese nicht überdreht. Bei den Topfscharnieren wird ja die Kraft über die Topfbohrung übertragen, daher muss diese halt ausreichend genau gebohrt sein. Und je nach Gewicht der Türen musst Du halt genügend Scharniere pro Tür einsetzen. Im Zweifelsfall eher mehr als weniger.

      Antworten
  5. Baumarkt Pfusch auch beim Zuschnitt!
    Merke: Wer im Baumarkt bzw. Supermarkt/Discounter/Amazon kauft, darf besser nichts glauben, was ihm dort versprochen wird! Alles besser nachprüfen oder gleich im Fachhandel kaufen, je nach Ansprüchen. Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung:
    – Beim Zuschnitt von Plattenware ist z.B. die Schnittkante nicht 90° gewesen, was dann zu Fehlern beim Zusammenbau führte.
    – Die Kanthölzer und Latten sind IMMER etwa 10% unter den angeblichen Maßen, für mich ein klarer Fall von Betrug.

    Sogar einem
    -Stahl-Maßband,
    – rechten Winkel oder sogar einem
    – Laser Messgerät (TOP Craft, Aldi)
    kann ich nicht unbedingt glauben.
    Wie ich zum Beispiel grade mal am Bau lernen musste, weicht mein 20€ Aldi Laser um satte 3 mm ab!

    Antworten
  6. Marcus Schraml

    20/12/2018 @ 15:43

    Hallo Wolfram,

    da hast du wirklich eine super Seite, auf der ich imemr wieder nützliche Tipps finde. Vielleicht kannst du mir meine Frage zum Themas Topfscharnier beantworten: Muss die Breite einer außenaufliegenden Türe tatsächlich immer etwas schmäler sein, als der Korpus, damit man das Topfscharnier (ohne Kröpfung) montieren kann bzw. damit die Türkante genügend Platz hat sich am Korpus vorbei zu bewegen. Oder spielt das keine Rolle?

    Viele Grüße aus Erding
    Marcus

    Antworten
    • Hallo Markus,
      Ja das Topfscharnier braucht immer einen kleinen Spalt an der Außenseite bei aufliegenden Türen. Das ist nötig, damit die Türe geöffnet werden kann wenn der schrankbündig an der Wand steht.
      Wenn neben dem Schrank genügend Platz ist kann dieser Spalt auch entfallen, aber dann müssen die Löcher für das Topfscharnier anders gebohrt werden. Mit der Hettich Schablone kann man dann nicht mehr arbeiten. Und man kann den Schrank natürlich dann auch nicht mehr ganz an die Wand stellen ohne dass die Tür klemmt.

      Antworten
      • Marcus Schraml

        21/12/2018 @ 16:06

        Servus Wolfram,

        vielen Dank für die schnelle Antwort. Damit kann ich auf jeden Fall was anfangen. Bei mir handelt es sich um einen Waschtischunterschrank und somit hab ich massig Platz zur Seite. Das mit der Anordnung der Bohrungen krieg ich schon hin.

        Grüße und frohe Weihnachten!
        Marcus

        Antworten

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